Der gute Systemadministrator

29 Januar 2014 um 18:12 • 0 Kommentarepermalink

Wir Deutschen lieben Edward Snowden. Denn er entschädigt uns für die Schmach, dass uns die US-Regierung behandelt wie einen unmündigen Vasallen.

 

Nein, es ist kein Zufall, dass die russische Regierung bevorzugt deutsche Journalisten und Politiker zu Snowden vorlässt. Es liegt im russischen Interesse, die Deutschen und die Amerikaner ein wenig voneinander zu entkoppeln. Und weil das so ist, gab es am vergangenen Sonntag einen „exklusiven“ Snowden-Abend im deutschen Fernsehen (hier einige Reaktionen: SZ, SpOn, Uhle, Wolfsbeeren, Gillen).

Auch für Deutschland ist Snowden ein Glücksfall. Seine Enthüllungen erinnern uns daran, wie misstrauisch die Amerikaner uns immer noch begegnen. Snowdens Kritik entschädigt uns aber auch für die ‚Schmach’, selbst nach 65 Jahren Nato noch immer wie ein unmündiger Vasall vom großen Bruder behandelt zu werden.

Von solchen historisch verursachten Kalamitäten weiß der junge Amerikaner Edward Snowden vermutlich wenig. Sein Ziel ist die Wiederherstellung der inneren Werte Amerikas, nicht die Veränderung der geostrategischen Gemengelage.

 

Der Patriot

Da uns Snowdens amerikanischer Patriotismus aber wenig interessiert, haben wir sein Weihnachts-Interview mit der Washington Post auch kaum beachtet. In diesem bemerkenswerten Interview sagte Snowden, er arbeite noch immer für die NSA; er wolle den Geheimdienst nicht kaputtmachen, sondern verbessern. Er sei mit den Daten sorgfältig umgegangen und habe brisante Inhalte, die Amerika schaden könnten, unter Verschluss gehalten.

Sein Motiv, als Geheimdienst-Mitarbeiter die Öffentlichkeit zu informieren, begründete er damit, dass die NSA inzwischen mehr Amerikaner in Amerika abhöre als Russen in Russland. Die NSA, so konnte man diese Bemerkung interpretieren, solle sich wieder auf ihre Aufgaben konzentrieren und das Abhören des eigenen Volkes unterlassen.

Schließlich deutete Snowden noch an, dass er seine „Mission“ beenden werde, wenn Präsident Obama – wie versprochen – den aus dem Ruder gelaufenen Geheimdienst reformiere. Seine Aufgabe sei damit erfüllt: „Mission accomplished“. (So hieß übrigens auch die Rede, die George W. Bush nach dem Ende des US-Kampfeinsatzes im Irak auf dem Flugzeugträger Abraham Lincoln gehalten hat.)

 

Die Rolle des guten Cops

Vielleicht wollte Edward Snowden mit seinem Interview nur einen Fuß in jene Tür bekommen, die ihm den Rückweg in ein geläutertes Amerika ermöglichen soll. Doch sein Friedensangebot klang aufrichtig. Er sagte (ohne dass ihn die Washington Post danach gefragt hätte): Ich will die Gesellschaft nicht verändern. Ich bin auch nicht gegen Überwachung und Spionage, ich bin nicht einmal gegen die NSA. Als guter Patriot bin ich für eine gezielte Überwachung der Richtigen, für eine Mäßigung in der Zielauswahl, für saubere und plausible Methoden, für begrenzte, klar umrissene Operationen, für sichere und professionell arbeitende Dienste.

Snowden übernahm damit die Rolle des guten Cops, der seine über die Stränge schlagenden Kollegen auffliegen lassen muss, weil nur so die beschmutzte Weste seines Police Departments wieder weiß gewaschen werden kann. Damit folgte er dem Muster amerikanischer Selbstreinigung, die – nicht nur in populären Hollywood-Streifen – stets die Aufgabe einsamer Helden ist.

 

Ein echter Reformer

Kein „Verräter“ vor Snowden hat den Part des moralischen Erneuerers so überzeugend ausgefüllt wie er. Weder in seiner Selbstdarstellung noch im Verhalten gegenüber fremden Mächten und Medien hat er entscheidende Fehler gemacht.

Deshalb hat er auch – anders als seine Vorgänger – das Zeug zum politischen Reformer. Seine Bündnispolitik ist gut überlegt. Er lässt sich von vielen helfen, aber er weist z.B. den Alleinvertretungsanspruch von WikiLeaks zurück (siehe Sarah Harrisons Abreise aus Moskau!!). Er sucht sich Verbündete vor allem in jenem System, das er administriert hat: bei amerikanischen Demokraten und Republikanern.

Hinter den Kulissen scheint es auch längst um die Anbahnung eines Deals zu gehen. Indiz dafür ist, dass selbst die hartherzige New York Times Gnade und Rehabilitierung für den tapferen US-Bürger Snowden fordert. Und selbst der US-Justizminister nennt sich gesprächsbereit.

 

Falsche Hoffnungen

Vielleicht wird uns also der Patriotismus Edward Snowdens eines Tages enttäuschen. Vielleicht müssen wir erkennen, dass er zuallererst ein guter Amerikaner ist, der es ganz und gar ehrlich meint, wenn er sagt, dass er sich auch jetzt noch als NSA-Mitarbeiter fühlt. Vielleicht glaubt er wirklich an seine NSA!!! Vielleicht will er seinem Land nur zeigen, wie verwundbar der überdehnte Apparat durch seine innere Zügellosigkeit und Unkontrollierbarkeit geworden ist? Vielleicht will er, dass die NSA endlich wieder besser und effektiver „geführt“ wird?

Edward Snowden ist der gute Cop. Und der gute Cop kämpft nicht gegen „das System“, er kämpft für das System, weil er es prinzipiell für reformierbar hält.

Insofern machen sich Julian Assange und andere, die Snowden in ihre Hacker-Strategie gegen das System mit einbauen möchten („WikiLeaks’ battles are many“), falsche Hoffnungen. Und wir Deutschen lügen uns in die eigene Tasche, wenn wir glauben, dass Obamas NSA-Reform irgendeine Verbesserung für uns bringen wird.


Die Angst der deutschen Journalisten vor dem Aktivismus

6 Januar 2014 um 12:36 • 2 Kommentarepermalink

Ein Gespenst geht um im deutschen Mediengewerbe: der aktivistische Journalist!

 

Nein, eine eigene Meinung macht aus einem Journalisten noch keinen Aktivisten. Zu Aktivisten werden Journalisten in der Regel erst, wenn sie glauben, selbst aktiv gegen eine Entwicklung vorgehen zu müssen. Das ist der Fall, wenn sie sich, andere Personen, eine Gruppe von Menschen oder gar die ganze Gesellschaft in einer Notwehrsituation vermuten.

Aber wer stellt die fest? Der jeweilige Journalist? Der Zeitgeist? Art. 20, Abs. 4 GG? Darf sich ein Journalist (ein Diktum Carl Schmitts abwandelnd) so einfach zum Souverän erklären, der über den Ausnahmezustand entscheidet?

Versuchen wir eine Annäherung, die etwas weniger deutsch ist: Am 10. Dezember diskutierte Carta aus Anlass seines fünfjährigen Bestehens die Frage: „Wie engagiert darf, wie neutral muss Journalismus sein?“ Den Anstoß dazu hatte die Keller-Greenwald-Kontroverse gegeben, die in den USA Ende Oktober für mediales Aufsehen sorgte: Der aktivistische Journalist Glenn Greenwald warf den traditionellen Medien vor, nach 9/11 eine fatale Nähe zur Macht entwickelt zu haben, während Bill Keller, der ehemalige Chefredakteur der New York Times, darauf beharrte, dass Journalisten unter allen Umständen Distanz zum politischen Geschehen wahren müssten (Zur US-Debatte geht es hier entlang, sowie hier, hier, hier und hier).

Ende Dezember kam der Streit dann auch in Deutschlands Leitmedien an. Anlass war die Videobotschaft Glenn Greenwalds beim 30. Chaos Communication Congress in Hamburg. Greenwald machte deutlich, dass er sich durch die Überwachungspraxis der NSA in einem Konflikt befände, und dass er nicht so tun könne, als genüge es, diesen Konflikt neutral und distanziert wie einen Verkehrsunfall zu betrachten. Seither wird in Artikeln, Foren, Tweets und Blogs darüber gestritten, was „aktivistischen Journalismus“ ausmacht, und worin er sich vom „normalen“ Journalismus unterscheidet.

Da wir bei der eingangs erwähnten Carta-Veranstaltung ebenfalls um diese Frage kreisten, und weil aktivistischer Journalismus seither in vielen Beiträgen mit meinungsstarkem Journalismus verwechselt wird, möchte ich meine damaligen Notizen im Folgenden ergänzen:

 

Wie ist es zur aktuellen Trennung in neutralen und aktivistischen Journalismus gekommen?

– Die publizistischen Möglichkeiten, die das Internet bereitstellt, erlaubten erstmals eine breite öffentliche Kritik des traditionellen Journalismus durch die Adressaten des Journalismus selbst, durch politische Aktivisten, durch unabhängige oder dissidente Journalisten. Die Leistungen des traditionellen Journalismus waren nun öffentlich messbar. Gleichzeitig geriet der traditionelle Journalismus durch das Internet unter wirtschaftlichen Druck. Seine komfortable Situation und seine weitere Finanzierung sind seither in Frage gestellt. Beide Entwicklungen haben das Selbstverständnis des Journalismus wieder auf die Tagesordnung gesetzt. Viele Journalisten sind stark verunsichert. Wie sollen sie auf die neue Situation reagieren?

– Die Vorwürfe an den traditionellen ‚neutralen’ Journalismus lauten: Er sei zu nahe an der politischen Macht, er sei in Konzerne und große Bürokratien eingebunden und dadurch weitgehend kaltgestellt, er habe keinen Biss, er gebe sich mit Oberflächlichkeiten und Nebensächlichkeiten zufrieden, er desorientiere anstatt den Dingen auf den Grund zu gehen, er manipuliere zugunsten bestimmter Interessengruppen, er verhalte sich neutral gegenüber Ungerechtigkeiten, er sei durch Beziehungsgeflechte und Vergünstigungen korrumpiert, er übe die Rolle der Vierten Gewalt nicht mehr aus, er sei so zahm und zahnlos wie ein Bettvorleger. Zu fragen wäre: Bestehen diese Vorwürfe zu Recht? Und: Ist aktivistischer Journalismus das richtige Mittel, um diese Vorwürfe zu entkräften?

– Die Jahrzehnte lang als unumstößlich geltende „Hanns Joachim Friedrichs-Doktrin“ („Ein Journalist macht sich mit keiner Sache gemein, auch nicht mit einer guten“) ist durch „aktivistische Journalisten neuen Typs“ wie Glenn Greenwald, Jeremy Scahill, Jacob Appelbaum, Laura Poitras ins Wanken geraten. Diese Journalisten ‚neuen Typs’ gehen aufgrund ihrer Recherchen von einer Gefahren-, Ausnahme- oder Notwehrsituation aus, die den gegenwärtigen Journalismus zur Aufgabe der professionellen Distanz zwinge. Zu fragen wäre daher: Existiert dieser Notstand? Und wenn ja, rechtfertigt er ungewöhnliche journalistische Herangehensweisen? Tritt aktivistischer Journalismus nur zu bestimmten Zeiten auf? Und wird er durch politische Reformen überflüssig?

 

Was ist aktivistischer Journalismus überhaupt?

– Aktivistischen Journalismus gibt es seit der Dreyfus-Affäre in Frankreich (1894) und seit dem Aufkommen der „Muckraker“ in Amerika (Upton Sinclair u.a.), d.h. seit etwa 120 Jahren. (Davor existierten Zeitung und Zeitschrift als Massenmedium noch nicht in nennenswertem Umfang).

– Aktivistischer Journalismus entsteht auf einem bestimmten Nährboden: Was ihn hervorruft und formt, sind wirtschaftliche Krisen, politische Umbruchzeiten, Vorkriegszeiten, Zeiten repressiver Politik, Zeiten des Niedergangs, Zeiten großer sozialer oder zwischenstaatlicher Spannungen, Zeiten forcierter Modernisierung und starker Konzentration von Wirtschaftsmacht.

– Der aktivistische Journalismus wird in der Regel von einzelnen herausragenden Journalisten oder Publizisten verkörpert, neuerdings auch von Gruppen und Netzwerken, welche die Verhältnisse nicht mehr nur beschreiben und interpretieren, sondern auch verändern wollen. Sie nehmen große Risiken, persönliche Nachteile, ja Verfolgung in Kauf; sie kämpfen für politische Ziele oder sie verteidigen politische Errungenschaften und gehen dabei weit über die traditionelle journalistische Aufgabenbestimmung hinaus. Aktivistische Journalisten begnügen sich nicht mit neutralen Beschreibungen „dessen, was ist“, sie streben Gesetzesänderungen, Politikwechsel, ja Umsturz an.

– Journalistische Aktivisten kommen häufig nicht aus dem traditionellen Journalismus, sondern waren bzw. sind zunächst politische Aktivisten, Lehrer, Rechtsanwälte etc. Den Journalismus verstehen sie als Mittel zum Zweck, als eine Handlungs-Option unter vielen.

– Aktivistische Journalisten sind (anders als besorgte traditionelle Journalisten dies darstellen) immer herrschaftskritisch und oppositionell. Seymour M. Hersh würde sagen: Aktivistische Journalisten sind Außenseiter, Outsider.

– Aktivistische Journalisten werfen sich mitten ins Geschehen. Sie verschmelzen mit ihrem Anliegen, bleiben hartnäckig am Thema und wirken dadurch oft glaubwürdiger und für Informanten vertrauenswürdiger. Da sie ihre Person mit einbringen und sich häufig als Protagonisten in den Mittelpunkt ihrer Ermittlungen stellen, gelten sie bei ‚normalen’ Journalisten als egoistisch und selbstverliebt. Nicht selten entwickeln sich aktivistische Journalisten zu Idolen ihrer Zeit.

 

In welcher Tradition steht der aktivistische Journalismus?

Man kann bis heute vier Hochphasen unterscheiden: die Wurzeln um 1900, die Zeit zwischen den Weltkriegen, den Umbruch der 68er-Jahre und die Ära der einzigen Weltmacht.

 

1. Die Wurzeln um 1900:

– In Europa erschüttert 1894 die „Affäre Dreyfus“ die alten Eliten. Der französische Artilleriehauptmann Alfred Dreyfus wird zu Unrecht der Spionage für Deutschland beschuldigt und – wider besseres Wissen (aber auch, weil er Jude ist) – zu fünf Jahren Straflager (eine Art Guantanamo) verurteilt.

Hintergrund: Militärstaat im Staat, Wagenburg der alten Eliten gegen Minderheiten und Mitbestimmung, imperiale Interessen, Antisemitismus.

– Der aktivistische (anarchistische) Journalist Bernard Lazare veröffentlicht 1895 seine Kampfschrift „Ein Justizirrtum“, später (Ende 1897) greift der bekannte Schriftsteller Émile Zola den Fall auf. Am 13. Januar 1898 veröffentlicht Zola in der Zeitung L’Aurore seinen berühmten Offenen Brief an den französischen Staatspräsidenten: „Ich klage an!“ Innerhalb weniger Stunden sind 200.000 Exemplare der Zeitung ausverkauft.

– In Amerika beginnt die Ära der journalistischen „Muckraker“ und des investigativen Journalismus (1900 – 1910).

Hintergrund: Politisch-ökonomische Machtkonzentration durch Kartelle (Trusts) und Branchen-Monopole (Öl, Eisenbahn, Stahl), wachsende soziale Ungleichheit, Korruptions- und Finanz-Skandale.

Zwei Beispiele:

Ida Minerva Tarbell (ursprünglich Lehrerin) schreibt „The History of the Standard Oil Company“ über den Aufstieg John D. Rockefellers, die Serie erscheint ab 1902 in Mc Clure’s Magazine, dessen Auflage sich dadurch verdoppelt. Das 1904 erscheinende Buch wird ein Megaseller. Es hilft, 1911/12 das Öl-Monopol Rockefellers zu zerschlagen.

Upton Sinclair (ein Sozialist und politischer Aktivist) schreibt „The Jungle“, eine Reportage über die Arbeitsbedingungen und hygienischen Zustände in der Fleischindustrie Chicagos. Die Reportage erscheint 1905 in der sozialistischen Zeitschrift Appeal to Reason. US-Präsident Theodore Roosevelt nennt Sinclair daraufhin einen Muckraker und sagt: „Überlassen Sie das Regieren des Landes für eine Weile mir!“

 

2. Die Zeit zwischen den Weltkriegen:

Hintergrund: Der aufkommende Faschismus und die Verteidigung der Republik.

– Der aktivistische Journalist Egon Erwin Kisch, berühmt geworden durch seine Enthüllung der Affäre um den Selbstmord des Obersten Redl 1913 (auch eine Spionageaffäre!) sowie als „Rasender Reporter“ im Berlin der zwanziger Jahre, hält beim 1. Internationalen Schriftstellerkongress zur Verteidigung der Kultur in Paris 1935 seine berühmte Rede über den Journalismus als „Kunst- und Kampfform“. (Die Kampfform ließen die Kischpreis-Stifter später gern unter den Tisch fallen).

Leo Lania, zunächst Redakteur der Roten Fahne, später Mitarbeiter von Ossietzkys und Tucholskys Weltbühne, schleicht sich als italienischer Faschist beim Völkischen Beobachter in München ein und publiziert seine Erlebnisse in dem Buch „Die Totengräber Deutschlands“ (1924). Er wird deshalb des Landesverrats angeklagt. Der Berliner Reichstag verabschiedet 1925 sogar eine „Lex Lania“ zum Schutze journalistischer Berufsgeheimnisse.

Kisch und Lania sind Journalisten und aktive Kommunisten.

 

3. Der Umbruch der 68er-Jahre:

Hintergrund: Die unaufgearbeitete Nazizeit, gesellschaftliche Doppelmoral, Notstandsgesetze.

– Der aktivistische Journalist Günter Wallraff wird mit seinen Rollenreportagen bekannt. Er setzt sich für „die da unten“ ein und benutzt bei seiner Arbeit falsche Papiere und falsche Identitäten. Seine Methode ist heftig umstritten, aber überaus erfolgreich.

– Auch andere aktivistische Journalisten schlüpfen in fremde Rollen oder machen ein Thema zu ihrer ureigenen Sache: Gerhard Kromschröder etwa (Rollenreportagen), Jürgen Roth (Mafia, Korruption), Ernst Klee oder der Schweizer Niklaus Meienberg (Nazi-Vergangenheit).

– In Amerika etabliert sich eine neue Generation von Muckrakern: etwa Bob Woodward, Carl Bernstein, Seymour M. Hersh, Barbara Ehrenreich u.a.

 

4. Die Ära der einzigen Weltmacht:

Hintergrund: Das Ende des Kalten Krieges und der „War on Terror“,  Finanzspekulation und Überwachungsstaat.

– In den neunziger Jahren erscheint der Filmemacher Michael Moore auf der Bildfläche. Seine Art, mit der Kamera Aufklärung zu betreiben, wird von Kritikern als Propaganda abgetan. Moores Beispiel folgen eine ganze Reihe von Nachahmern (etwa Morgan Spurlock mit Super Size Me). Diese Filmemacher und Reporter erklären den riskanten Selbstversuch, das Sich-selbst-einer-Sache-aussetzen, zur aktivistischen Methode.   

– Von 2006 an baut Julian Assange gemeinsam mit befreundeten Hackern die Whistleblower-Plattform WikiLeaks auf. Er nennt sich später Chefredakteur und wird wegen seiner radikalen und rücksichtslosen Veröffentlichungspolitik schnell zum Staatsfeind Nr.1. Heute ruft Assange Hacker und Programmierer dazu auf, im Stile Günter Wallraffs Institutionen und Geheimdienste zu infiltrieren, um anschließend über deren Amtsmissbrauch berichten zu können.

– Für aktivistischen Journalismus stehen heute in erster Linie Glenn Greenwald, Laura Poitras, Jeremy Scahill, Amy Goodman, Jacob Appelbaum u.a. Sie operieren wie Widerstands- oder Dissidentengruppen. Die bekannteste aktivistische Journalistin Russlands war die 2006 ermordete Anna Politkowskaja.

 

Heute kommen aktivistische Journalisten nicht mehr so sehr aus Parteien (wie noch in den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts), sondern aus NGO-Organisationen, aus Umwelt- und Protestbewegungen (Greenpeace, Attac, Occupy), Entwicklungshilfeprojekten und Bürgerrechts-, Dissidenten- und Menschenrechtsgruppen (Amnesty International, Reporter ohne Grenzen etc.). Das unterscheidet sie von ‚normalen’ Journalisten, deren erste (und einzige) Erfahrung oft die Journalistenschule ist.

Crosspost


Wo bin ich?

Sie befinden sich im Archiv Januar 2014 im Blog von Wolfgang Michal.