Das E-Book und das drohende Ende der Stadtbücherei

11 Mai 2014 um 12:54 • 1 Kommentarpermalink

Öffentliche Leihbibliotheken stehen heute mit dem Buchrücken zur Wand. Kommerzielle Anbieter machen ihnen den Platz streitig. Und die Politiker verweigern den versprochenen Schutz.

 

Seit das E-Book als Geschäftsmodell (und nicht mehr als Fehlentwicklung) wahrgenommen wird, stehen die Verlage mit den öffentlichen Leihbüchereien auf Kriegsfuß. Die Verlage stellen ihre E-Books den Bibliotheken nämlich nur selten zur Verfügung, und wenn, dann verlangen sie hohe Lizenzgebühren (manchmal das Dreifache des analogen Buchpreises). Die Verlage erwarten außerdem, dass ein E-Book von den Bibliotheken genau so behandelt wird wie ein gebundenes Buch. Das heißt, sie wollen die Ausleihe von E-Books durch Bibliotheken auf – sagen wir – 26 Ausleihen pro Lizenz beschränkt wissen, und pochen darauf, dass jedes E-Book, das ausgeliehen ist, nicht zur gleichen Zeit von einem zweiten interessierten Nutzer ausgeliehen werden darf.

Diese restriktiven Maßnahmen erschweren den öffentlichen Leihbibliotheken den Erwerb und die Ausleihe von E-Books erheblich. Und deshalb gibt es einen harten Verteilungskonflikt, der mit dem Aus der öffentlichen Leihbibliotheken oder ihrer allmählichen Umwandlung in öffentliche Buch-Museen oder Bücher-Flohmärkte enden könnte.

 

Soziale Spaltung als Lösung?

Anders als gedruckte Bücher dürfen E-Books nicht ohne Genehmigung des Rechteinhabers (in der Regel des Verlags) von öffentlichen Leihbüchereien verliehen werden. Die Bibliotheken müssen für jeden Titel (bzw. für jeden Verlag) eine gesonderte Lizenzvereinbarung mit dem jeweiligen Rechteinhaber schließen.

Die Verlage können die Lizenz für den E-Book-Verleih verweigern – was viele auch tun, da sie eine Kannibalisierung ihrer digitalen Geschäftsmodelle durch die kostenlose Ausleihe befürchten. Um dennoch an neue E-Books zu kommen, verlangen die Bibliotheken seit geraumer Zeit eine Erweiterung der Schrankenregelungen im Urheberrecht. Sie fordern einen gesicherten freien Zugang für alle zu allen verfügbaren E-Books – auch ohne Zustimmung der Verlage. Die Büchereien argumentieren, es sei nun mal ihre vornehmste Aufgabe, für alle Bürger einen Zugang zu Information und Wissen bereit zu stellen und verweisen dazu auf Artikel 5 Grundgesetz. Dieser Artikel schließe „das Recht auf elektronisches Lesen“ selbstverständlich mit ein.

Die Bibliotheken wollen nicht länger für jedes E-Book bei den Verlagen betteln gehen – und sie wollen hinsichtlich der Ausleihbedingungen nicht länger absurde Restriktionen seitens der Verlage hinnehmen. Warum z.B. sollte ein E-Book Bibliotheken wesentlich teurer kommen als das gebundene Hardcover? Warum wird die Zahl der Ausleih-Vorgänge künstlich begrenzt? Warum soll ein E-Book nicht gleichzeitig an mehrere Bibliotheksbenutzer verliehen werden können?

Die Verlage argumentieren, E-Books würden sich heutzutage sowieso kaum noch als echter Download „verkaufen“ lassen; man müsse sie kommerziell vermieten, d.h. ausleihen. Dies entspreche der Mentalität der User, zu deutsch: Die Leser haben begriffen, dass ihr angeblicher Kauf gar kein Eigentum begründet. Die Nutzer wollten neue Bücher nur regelmäßig auf ihren Endgeräten zur Verfügung haben. Ein kommerzielles Verleihmodell im Stile eines digitalen Buchclubs könne aber mit der praktisch kostenlosen Leihe aus öffentlichen Bibliotheken (die für ein entliehenes Buch allenfalls 3 bis 4 Cent Bibliothekstantieme an Verwertungsgesellschaften abführen würden) nicht konkurrieren. Deshalb müsse man hier einen Modus Vivendi finden.

Am liebsten wäre den Buchverlegern folgende Lösung: Die öffentlichen Büchereien lassen sich künftig auf die Klientel der Schulkinder, Hartz IV-Empfänger, Migranten, Hausfrauen, Rentner und Niedriglöhner verpflichten, die Verlage könnten sich dann ganz auf das Leseinteresse der gebildeten Gutverdiener konzentrieren. Das würde letztlich beiden Seiten nützen: Die öffentlichen Büchereien bekämen preiswerte E-Book-Lizenzen für meist alte, ausgemusterte, nicht mehr nachgefragte Inhalte, und die kommerziellen E-Book-Verleiher könnten sich ganz den aktuellen und lukrativen Neuerscheinungen und gewissen Spezialmärkten (Fachbücher etc.) widmen.

In Amerika ist diese digital-soziale Spaltung der Gesellschaft schon weit gediehen. Die Zahl der öffentlichen Bibliotheken nimmt ab (sie war auch nie besonders groß), und neue kommerzielle Verleihmodelle treten an ihre Stelle. Auch „Flatrates“ spielen dabei eine zunehmende Rolle. Bei Oyster etwa kann man sich für monatlich knapp zehn Dollar unbegrenzt E-Books aus einem Sortiment von 100.000 Büchern ausleihen. Bei eReatah zahlt der Kunde zwischen 17 und 33 Dollar für monatlich zwei, drei oder vier Bücher-Nutzungslizenzen. Amazon bietet allen Prime-Kunden seit 2012 ein kostenloses Kindle-Buch pro Monat. Und Google scheint den Einstieg in den kommerziellen Mietmarkt gerade vorzubereiten.

In Deutschland existiert mit Skoobe eine Art „Bertelsmann-Buchclub“ in zeitgemäßer E-Book-Form. Mehrere Großverlage (u.a. Bertelsmann und Holtzbrinck) haben sich zusammengeschlossen und verleihen – entsprechend dem eReatah-Modell – für zehn bis 20 Euro im Monat drei oder fünf oder gar 15 E-Books.

 

Öffentliche Bibliotheken als Pflichtaufgabe

Diese Entwicklung könnte die öffentlichen Bibliotheken – wenn der Gesetzgeber nicht aufpasst – auf eine billige Reste-Verwertung für Arme reduzieren. Denn die Anschaffung überteuerter E-Books würden die kommunalen Stadtkämmerer wohl monieren. Der kanadische Science Fiction-Autor Cory Doctorow kritisiert schon heute, dass viele Bibliotheken gezwungen seien, überteuerte E-Books gleich im Dutzend zu kaufen, um sie – der Nachfrage entsprechend – ausleihen zu können. Zudem müssten die Bibliotheken in teure Software investieren, deren einzige ‚perverse’ Aufgabe es ist, die technischen Kopier-Möglichkeiten des Internets umständlich außer Kraft zu setzen. So würden Bibliotheken gezwungen, E-Books nach einer bestimmten Anzahl von Ausleihen zu löschen. „Das ist so, als ob man darauf besteht, dass Glühbirnen nur 0,15 Watt haben dürfen, weil eine vergleichbare Kerze auch nicht mehr schafft.“

Helfen könnte den öffentlichen Bibliotheken nur der Gesetzgeber. Aber nicht nur der Bundestag (indem er das Urheberrecht novelliert), auch die 16 deutschen Bundesländer könnten mehr für die Allgemein-Bildung tun. Denn schon seit vielen Jahren fordern die Bibliotheken eine gesetzliche Festschreibung ihres Bildungsauftrags. 2007 empfahl die Enquete-Kommission „Kultur in Deutschland“, die öffentlichen Bibliotheken als „Pflichtaufgabe“ der Städte, Gemeinden und Landkreise zu begreifen und entsprechend gesetzlich zu verankern. Der Deutsche Bibliotheksverband beschloss daraufhin einen Musterentwurf für ein Bibliotheksgesetz. Dort heißt es in Paragraf 2:

Die Städte, Gemeinden und Landkreise unterhalten Öffentliche Bibliotheken als Pflichtaufgabe. Sie sind nach Maßgabe für jedermann zugänglich. Mit ihren geordneten und erschlossenen Sammlungen gewährleisten sie in besonderer Weise das Grundrecht auf freien Zugang zu Informationen… Alle Bürgerinnen und Bürger haben einen Anspruch auf Grundversorgung.“

Aber die Landtage können sich bislang nicht dazu durchringen. Weder in Thüringen noch in Hessen (wo es bereits Bibliotheksgesetze gibt) hielten sich die Abgeordneten an die Empfehlungen der Enquete-Kommission. Die Länder und Kommunen betrachten ihre öffentlichen Bibliotheken lieber weiterhin als freiwillige Leistungen – abhängig von Konjunkturlage und politischer Gnade. Und weil das so ist, machen gerade in strukturschwachen Gebieten immer mehr Bibliotheken dicht.

So könnte das E-Book die soziale Spaltung noch beschleunigen.


Lokalblogs: Gegenöffentlichkeit oder Subunternehmertum?

28 April 2014 um 10:56 • 1 Kommentarpermalink

Einst als Teil der Gegenöffentlichkeit entstanden, werden sublokale Medien immer öfter von Zeitungen umworben. Ist die Lokalblog-Bewegung dabei, sich zu professionalisieren?

 

Im Juli 2009 hatte ich über die gerade entstehende Lokalblog-Bewegung geschrieben: „Das nächste große Ding im Internet könnten regionale Online-Magazine sein, die von freien und freigesetzten Lokalredakteuren gemacht werden.“ Als Beispiele waren genannt: die Ruhrbarone, das Pottblog, die erzgebirgsblogger, die heldenstadt (Leipzig), das Heddesheimblog oder die Thüringer Blogzentrale.

Inzwischen ist die Lokalblog-Bewegung ein ganzes Stück weiter. Wer die Vielfalt und Lebendigkeit der Szene kennenlernen will, sollte die Vernetzungsportale istlokal.de, kiezblogs.de oder lokalblogger.de studieren. Auf lokalblogger.de sammelt der junge Journalist Julian Heck – nach Bundesländern geordnet – die Adressen der auf dem Markt befindlichen Regional- und Lokalblogs.

Am interessantesten erscheinen derzeit wohl die „Hyperlokal-Blogs“. Das sind sublokale Onlinemedien, Dorf-, Stadtteil-, Quartier- oder Kiez-Magazine, deren Berichtsgebiete so klein sind, dass sie nicht oder nicht mehr im Blickfeld lokaler Zeitungsredaktionen liegen.

 

Geordneter Rückzug

Die Lokal-Berichterstattung der professionellen Medien hat sich in den letzten Jahren aus der Fläche zurückgezogen, die weißen Flecken auf der journalistischen Landkarte werden größer. Für diese Entwicklung gibt es drei Gründe:

1. Der massive Anzeigenverlust und die hohen Fixkosten traditioneller Verlagsapparate zwingen die Geschäftsführer zu einer immer stärkeren Ausdünnung oder gar zur völligen Aufgabe von Lokalredaktionen. Das heißt: Heute muss ein einzelner Redakteur mehr Seiten füllen. Das geht natürlich zu Lasten der Qualität; oder führt zu gewaltigen Lücken in der Berichterstattung. Die Verlage verschlimmbessern die Lage dadurch, dass sie versuchen, die Berichterstattungs-Lücken durch nicht-professionelle Mitarbeiter zu schließen. Die freien Mitarbeiter werden sehr schlecht bezahlt und betreiben das Schreiben und Fotografieren eher als Hobby. Journalistische Berufs-Standards werden dadurch mehr und mehr vernachlässigt.

2. Weil die Anzeigen wegbrechen und die verbliebenen Kunden unbedingt gehalten werden müssen, wird die Lokalberichterstattung immer vorsichtiger und zahmer. Viele Zeitungen veröffentlichen inzwischen gekaufte PR-Beiträge auch im redaktionellen Teil. Die Aufhebung der Trennung zwischen Journalismus und Werbung (man nennt es beschönigend „Native Advertising“) unterminiert aber die Glaubwürdigkeit des Lokaljournalismus.

3. Die regionalen Monopolzeitungen, die so genannten Ein-Kreis-Zeitungen, unterschätzen – weil ihnen die journalistische Konkurrenz weitgehend fehlt – in provozierender Weise ihr Publikum. Sie halten ihre Leser für genügsam, treu und doof. Entsprechend ist ihre Lokalberichterstattung meist unkritisch und liebedienerisch gegenüber den lokalen Honoratioren, uninspiriert und erschütternd langweilig in der Themenauswahl und äußerst sparsam in der Verwendung unterschiedlicher journalistischer Stilformen.

 

Die Lokalmedienstruktur der Zukunft

Aufgrund dieser Entwicklung haben wir es auf beiden Seiten der Öffentlichkeit mit unzufriedenen Bevölkerungsgruppen zu tun: Leser und Lokaljournalisten leiden gemeinsam unter Produktenttäuschung. Kein Wunder also, dass immer mehr Bürger- und Journalisten-Initiativen versuchen, eigene Lokal-Medien auf die Beine zu stellen. Das Internet macht’s möglich. Auf lokaler Ebene existiert auch (fast) die einzige Marktlücke für Online-Journalismus.

Ich würde sagen: NOCH existiert sie.

Denn mittlerweile erkennen die Zeitungen, dass sie sich öffnen müssen, wenn sie den Kampf um die Leser nicht völlig verlieren wollen. In Stuttgart, Regensburg oder Hamburg haben die örtlichen Presseorgane erlebt, was passiert, wenn nach heftigen lokalen Konflikten eine engagierte Gegenöffentlichkeit entsteht. Die Auflagen geraten unter Druck.

- In Stuttgart gründeten Bürger und ehemalige Lokaljournalisten die Kontext-Wochenzeitung – weil sie unzufrieden waren mit der einseitigen Berichterstattung zu Stuttgart 21.

- In Hamburg punkteten die lokalen Blogs in der Auseinandersetzung um das berüchtigte „Gefahrengebiet St.Pauli“. Findige Bürger entwickelten sogar eine App namens „Call a Journalist“, mit der Journalisten angefordert werden können, sobald etwas im Gefahrengebiet passiert.

- In Regensburg waren die Übermacht der katholischen Kirche und die Dominanz der CSU-hörigen Regionalzeitung die tieferen Beweggründe, warum der freie Journalist Stefan Aigner eines Tages die lokale ‚Gegenmacht’ Regensburg-digital ins Leben rief.

- Im Ruhrgebiet entstanden die Blogs Pottblog und Ruhrbarone mehr oder weniger als Alternativen zum alles beherrschenden WAZ-Konzern.

Aber wie gesagt: Die Zeitungen lernen daraus.

- Die Hamburger Wochenzeitung Die Zeit expandiert seit geraumer Zeit ins Regionale und arbeitet dabei auch mit hyperlokalen Blogs zusammen. Diese Blogs heißen z.B. hh-mittendrin, Elbmelancholie oder Wilhelmsburg Online. Das heißt, die etablierten Zeitungen integrieren Blogs, um ihre Berichterstattungs-Lücken zu füllen, Honorarkosten zu sparen, den Puls der Zeit zu spüren und potentielle Kritiker frühzeitig einzubinden. Und die neuen Blogger verstehen sich nicht als Gegenöffentlichkeit – wie in der Frühphase der Bewegung –, sondern als Ergänzung, als zusätzlichen Service, als Bonusmaterial, und lassen sich ohne Widerstreben einbinden.

- Auch die taz arbeitet gern mit Lokalbloggern zusammen. Die Stuttgarter kontextwochenzeitung liegt ihrer Wochenendausgabe bei, die taz nord kooperiert mit Hamburger Lokalbloggern.

- Das Hamburger Abendblatt schickt – dem Trend folgend – seit zwei Jahren ‚Rucksack-Reporter’ in die Stadtteile, die mit Netbook, Kamera, Mikrofon, Recorder, Block und Kugelschreiber durch die Kieze wandern, um Geschichten zu reportieren oder irgendwann sogar live ins digitale Nachrichtenstudio zu schalten.

Aus dieser neuen Konstellation könnte sich die Lokal-Medienstruktur der Zukunft entwickeln: Wenige professionelle Zentralredaktionen arbeiten dann als Leit- und Steuerzentralen, während um sie herum zahlreiche selbstständige, halbprofessionelle Subunternehmer als Zulieferer kreisen.


Wäre Edward Snowden in Deutschland wirklich sicher?

17 April 2014 um 12:09 • 0 Kommentarepermalink

Die Wau Holland-Stiftung und die Journalisten-Organisation „Reporter ohne Grenzen“ wollen von der Bundeskanzlerin wissen, warum eine Befragung Edward Snowdens vor dem NSA-Untersuchungsausschuss mit der Auslieferung des Whistleblowers enden könnte.

 

Eine gute Frage! Irritiert hat die Fragesteller vor allem eine kolportierte Bemerkung des Vizekanzlers Sigmar Gabriel. Der soll am 31. März vor Berliner Schülern gesagt haben:

„Deutschland ist ein kleines Land, in dem der amerikanische Geheimdienst sehr genau weiß, wer hier was tut. Ich bin sicher, dass der Geheimdienst der USA versuchen würde, ihn unter seine Kontrolle zu bringen. Wer garantiert eigentlich, dass er hier sicher lebt?“

Das klingt, als vertrete der Vizekanzler nicht den ‚mächtigen’ EU-Staat Deutschland, sondern eine kleine abhängige Bananenrepublik im Hinterhof der USA. War es also bittere Ironie, die den Vizekanzler zu seiner Einschätzung bewog? Oder war es echte Sorge, nicht die volle Kontrolle im eigenen Land zu haben? Könnte Snowden von amerikanischen Diensten auf deutschem Boden gekidnappt, im Dagger-Komplex gefangen gesetzt und dann von Ramstein aus nach Amerika geflogen werden?

 

Es ist so verdammt schwer, souverän zu sein

Grob gesagt hätte die US-Regierung zwei Möglichkeiten, Snowden in Deutschland zu bekommen: 1. Sie verweist auf das Auslieferungsabkommen zwischen der EU und den USA. 2. Sie beruft sich auf das NATO-Truppenstatut.

Zu 1.: Bereits im Sommer vergangenen Jahres wurde anlässlich der Asylfrage diskutiert, ob Deutschland Snowden im Falle einer Einreise an die USA ausliefern müsse – wegen des 2010 zwischen der EU und den USA unterzeichneten Auslieferungsabkommens. Die Frage wird von manchen Juristen und Diplomaten bejaht, ist aber letztlich eine rein politische Entscheidung.

Eine souveräne Regierung könnte nämlich einfach erklären, dass eine Auslieferung Snowdens gar nicht in Frage komme. Das nationale Interesse gebiete es vielmehr, die Aktivitäten eines fremden Geheimdienstes aufzuklären, insbesondere wenn es sich um illegitime Aktivitäten wie Wirtschaftsspionage, Total-Überwachung der Bevölkerung und ähnliche nicht unmittelbar der Terrorismusbekämpfung dienende Tätigkeiten handle. Die Interessen der Bundesbürger hätten also logischerweise Vorrang vor den Interessen einer ausländischen Regierung. Aber wie gesagt – so könnte nur eine souveräne Regierung argumentieren. Was aber, wenn die Souveränität der Regierung nicht existiert?

Zu 2.: Vermutlich könnte das US-Militär Snowden ganz offiziell verhaften lassen. Denn die in Deutschland residierenden Militärbehörden der Nato-Macht USA haben laut Nato-Truppenstatut von 1951 (Artikel VII) – einschließlich des Zusatzprotokolls (Artikel 19) – das Recht dazu. Die Militärbehörden müssten lediglich eine Gefahr für ihre in Deutschland stationierten Truppen konstatieren. Diese Gefahr ist nach Ansicht der Militärbehörden gegeben, da Snowden durch seine Enthüllungen und seine Anreise aus Moskau den US-Militärgeheimdienst und damit die Sicherheit der US-Truppen gefährdet (Hochverrat, Geheimnisverrat, Spionage). Als ziviler Mitarbeiter des Pentagon untersteht Snowden somit vorrangig der US-Militärgerichtsbarkeit. Die Bundesregierung würde sich in den Fall wohl nicht einmischen.

Eine Ladung Edward Snowdens vor den NSA-Untersuchungsausschuss würde daher die Gretchen-Frage nach der deutschen Souveränität aufwerfen.

Diese Problematik hat man vermutlich auch dem überraschend zurückgetretenen Ausschuss-Vorsitzenden Clemens Binninger nachdrücklich klargemacht.


Der Umsturz in der Ukraine folgt einem alten Muster

6 März 2014 um 12:09 • 3 Kommentarepermalink

Ost und West zerren erneut an der Ukraine. Das nützt nicht dem Land, sondern nur den jeweiligen Clans.

 

Wladimir Putin will die neue Regierung in Kiew nicht anerkennen und spricht von einem Staatsstreich gegen den legitimen Präsidenten. Die westlichen Regierungen finden den Umsturz prima und versprechen der provisorischen Regierung Unterstützung.

Der Westen wollte und will ein Assoziierungs- und Freihandelsabkommen, das der Ukraine eine zweite Schocktherapie verabreichen soll. Denn die Kredite des IWF und die Hilfsgelder der EU sind an strikte Auflagen gebunden, die das Land in seinem gegenwärtigen Zustand nur schwer erfüllen kann.

Russland versprach und verspricht der Ukraine billige Kredite und billiges Gas, verlangt dafür aber den Beitritt zur postsowjetischen Zollunion und den Verzicht auf EU- und Nato-Beitritt.

Die hoch verschuldete Ukraine muss sich also entscheiden. Und das zerreißt sie. Besser: Es hat sie zerrissen.

 

Das Geschwätz vom kulturell gespaltenen Land

Auch vor Viktor Janukowitschs Wahl zum Staatspräsidenten war die Ukraine in einer desolaten Situation. Die Schocktherapien des IWF in den neunziger Jahren hatten nichts gebracht – außer einer lukrativen Verscherbelung des Tafelsilbers (Privatisierungen) an die Oligarchen und einem Rückgang des Bruttoinlandprodukts um 60 Prozent.

Viktor Juschtschenko und Julia Timoschenko, die Helden der Orangenen Revolution von 2004, versagten allerdings als Staats- und Regierungschefs in den Jahren danach. Die weltweite Finanzkrise verschlimmerte die Situation, ausländische Banken plünderten zusammen mit ukrainischen Oligarchen weiter das Land.

Die Wettbewerbsfähigkeit der ukrainischen Wirtschaft verbesserte sich kaum. Denn weder Russland noch die EU noch die USA investierten in nennenswertem Umfang in eine Modernisierung der energieintensiven Schwerindustrie (Stahl, Chemie), der Kohle-, Gas- und Ölförderung (Bergwerke), der Atomindustrie (Tschernobyl, Riwne etc.), des Flugzeugbaus (Antonov-Werke) oder des Agrarsektors (Problem Bodenerosion). Größter Direktinvestor 2008 war Zypern (!).

Auch vor Janukowitsch vermochte nur ein 16,4 Milliarden Dollar schwerer Kredit des Internationalen Währungsfonds den Staatsbankrott abzuwenden (wobei der Kredit gar nicht vollständig ausgezahlt wurde, da die Ukraine die Auflagen nicht erfüllte). Und korrupt waren die ukrainischen Oligarchen-Clans, die das Kiewer Parlament durch Abgeordnetenkauf beherrschen, schon zu Zeiten der Präsidenten Krawtschuk, Kutschma und Juschtschenko.

Es gab also keine wirklich neue Situation im Herbst 2013. Janukowitsch war durch korrekte Wahlen an die Macht gekommen. Denn die Präsidentschaftswahlen im Jahr 2010 wurden nicht von Janukowitsch und seiner Partei der Regionen organisiert, sondern von der Regierung Timoschenko:

„Die Leiterin der OSZE-Wahlbeobachtungsmission, Heidi Tagliavini, zollt der Arbeit des Ministerkabinetts bei der Vorbereitung der Präsidentschaftswahlen hohe Anerkennung. Dies erklärte sie bei einem Treffen mit der Premierministerin der Ukraine, Julia Timoschenko, am 7. Januar (2010). Heidi Tagliavini unterstrich dabei, dass die Position der Regierungschefin bei der Gewährleistung von transparenten Wahlen eine sehr wichtige ist.“

Julia Timoschenko erklärte: “Wir möchten Fälschungen nicht zulassen und haben uns an die OSZE und andere internationale Organisationen gewandt, die Beobachter schicken können, damit eine Wiederholung der Fälschungen, ähnlich denen im Jahre 2004, nicht zugelassen wird. Das ist unser Ziel“.

Im ersten Wahlgang zur damaligen Präsidentschaftswahl traten 18 Kandidaten an. Julia Timoschenko erreichte dabei rund 25 Prozent der abgegebenen Stimmen, Viktor Janukowitsch 35 Prozent.

Während Janukowitsch in allen Regionen der Ostukraine führte, erreichte Timoschenko in fast allen Regionen der Westukraine die meisten Stimmen. Allerdings, und das spricht gegen die behauptete kulturelle Zweiteilung des Landes, erreichte Janukowitsch auch in den meisten Regionen der Westukraine die zweitmeisten Stimmen hinter Timoschenko!!

In der Stichwahl am 7. Februar 2010 konnte sich Wiktor Janukowitsch mit 49 Prozent gegen Julia Timoschenko durchsetzen. Die Regierungschefin erhielt 45,5 Prozent. Die Ergebnisse entsprachen den unabhängigen Umfragen, die vor der Wahl durchgeführt wurden. Die externen Wahlbeobachter waren sehr zufrieden:

“Die Abstimmung, die gestern stattfand, wurde zu einer überzeugenden Äußerung demokratischer Wahlen. Für jeden in der Ukraine wurden diese Wahlen zu einem Sieg. Jetzt ist die Zeit für die politischen Führer des Landes gekommen, das Urteil des Volkes zu hören und die Machtübergabe auf friedliche und konstruktive Weise zu gewährleisten”, erklärte Joao Soares, der Leiter der Parlamentsversammlung der OSZE und Koordinator der Mission der kurzfristigen Beobachter der OSZE…. Die Beobachter hoben besonders die Rolle der in der Ukraine unabhängigen Medien hervor, die eine Vielfalt an ausgewogenen Informationen über die Kandidaten geboten hätten. Auch die Auszählung der Wahlzettel sei professionell gewesen. “Diese Wahl war insgesamt effektiv und mit Respekt für die grundlegenden Freiheiten organisiert – trotz lückenhafter und widersprüchlicher Gesetze”, sagte die leitende OSZE-Wahlbeobachterin Heidi Tagliavini.”

Aber nicht nur die Beobachter der OSZE waren voll des Lobes, sondern auch die Beobachter der Parlamentarischen Versammlung des Europarates, des Europäischen Parlamentes und der Parlamentarischen Versammlung der NATO.

Es gab im Verlauf der Jahre nur ein Problem: Je länger Janukowitsch die Entscheidung „Pro Westen“ oder „Pro Osten“ hinauszögerte, desto stärker wurde er in westlichen Medien als „Diktator“ hingestellt. Und seine Gegner waren die Helden und „Kräfte der Freiheit“.

Diese Einflussnahme von außen verdeckt, dass auch die jüngste „Revolution“ in der Ukraine keine Revolution, sondern nur ein geschickter Clanwechsel (zur weiteren Ausplünderung des Landes) ist.

 

Ein notwendiger Rückblick in die Geschichte

1982 weihte die ukrainische KP in Kiew das „Denkmal der Völkerfreundschaft“ ein. Es liegt direkt hinter der Philharmonie. Unter einem stählernen Regenbogen von etwa 30 Metern Durchmesser stehen ein russischer und ein ukrainischer Arbeiter und halten den sowjetischen Orden der Völkerfreundschaft über ihre Köpfe als wäre es eine schützende Regenplane. Kiewer Jugendliche treffen sich hier, um über den großen Fluss ins weite Land zu blicken, bevor sie ihre leer getrunkenen Bierflaschen über die Brüstung ins Gestrüpp hinunter stoßen.

Das Denkmal der Völkerfreundschaft erinnert an den folgenschweren Beschluss der Dnjepr-Kosaken von 1654. Die Vorfahren der heutigen Ukrainer hatten sich damals unter den Schutz des russischen Zaren begeben. Sie verbanden damit die Aussicht auf ewigen Frieden und die Absicherung ihrer soeben erkämpften Freiheit. Denn die Kosaken-Republiken, die im 16. Jahrhundert in den Flusswäldern am unteren Dnjepr entstanden waren, bildeten den ersten Versuch, eine unabhängige ukrainische Nation zu schaffen.

Vor dieser Zeit dienten die meisten Kosaken als Grenzwächter des polnisch-litauischen Adels. Ihre Aufgabe war es, die „ukraina“ – die Ostgrenze des Königreichs Polen-Litauen – vor einfallenden Tataren zu schützen. Sie wurden mit Privilegien belohnt, mussten dafür aber verschärfte Kontrollen ertragen: als „Register-Kosaken“ wurden sie in die polnisch-litauische Armee integriert.

Als die polnischen Großgrundbesitzer ihre Ländereien immer weiter nach Osten ausdehnten, die Bauern versklavten und sich auch in die Angelegenheiten der freien Kosaken einmischten, kam es zu Protesten und regelrechten Aufständen. 1648 besiegte der Kosakenführer Bogdan Chmelnitzki die polnischen Truppen und gründete beidseits des Dnjepr das Hetmanat der Zaporoger Kosaken, das viele ukrainische Historiker (auch der ehemalige Staatspräsident Viktor Juschtschenko) als Urform der unabhängigen Ukraine betrachten.

Drei Jahre später schlugen die Polen zurück, und Chmelnitzki brauchte dringend Bündnispartner gegen die feindliche Übermacht. Er fand sie im Großfürstentum Moskau. Mehrere Kosaken-Delegationen machten dem Zaren ihre Aufwartung, bis dieser, nach anfänglichem Zögern, den Schutz im Vertrag von Perejaslaw gnädig gewährte.

Russland verpflichtete sich dabei zu nichts. Die Kosaken aber verloren die Souveränität über ihre Außenpolitik und wurden Vasallen. Zug um Zug engte Moskau ihren Spielraum ein, stationierte eigene Truppen am Dnjepr und koordinierte die ukrainischen Angelegenheiten mit Hilfe der Kleinrussischen Kanzlei. 1667 teilten Polen-Litauen und Russland das Kosaken-Hetmanat unter sich auf.

Heute diskutieren ukrainische Historiker, warum sich das Kosaken-Hetmanat nicht zu einem unabhängigen Staatswesen entwickeln konnte, wie es etwa zur selben Zeit der Niederlande, der Schweiz oder Brandenburg-Preußen gelang. Die Großmächte in West und Ost, sagen die Historiker, hätten ihren Kampf um die Vorherrschaft auf dem Rücken des Hetmanats ausgetragen. Und die Führer des Hetmanats seien – ähnlich wie heute die Oligarchen – mehr an der Erhaltung ihrer Privilegien als an der Entwicklung eines funktionierenden Staatsgebildes interessiert gewesen.

 

P.S. Ich war vor einigen Jahren für eine Geo-Reportage bei den Stahlarbeitern von Krivij Rih, auf den Spuren von Julia Timoschenko in Dnipropetrowsk, in der Kohlegrube Zasjadko in Donezk, im Kiewer Parlament, bei der Internetzeitung Ukrainska Prawda, beim Schriftsteller Andrej Kurkow und in den Antonov-Flugzeugwerken von Kiew. 

Crosspost


Braucht es uns noch?

18 Februar 2014 um 11:28 • 0 Kommentarepermalink

Noch nie war die Digitalberichterstattung so gut wie heute. Nicht im Netz, sondern in den Altmedien. Eigentlich können wir unsere kleinen Digitalklitschen jetzt zusperren. Wir haben unser Ziel erreicht. Oder nicht?

 

Die führende Internetzeitung Deutschlands ist heute zweifellos die FAZ. Kein anderes Blatt berichtet so ausführlich über die Netzwirtschaft, kein anderes Blatt beschäftigt sich so liebevoll mit der Technik, kein anderes Blatt prägt die digitalen Debatten so stark wie das Feuilleton der FAZ.

Ihre Antennen ins digitale Neuland hat die Zeitung, die vor wenigen Jahren noch in Frakturschrift kommentierte, inzwischen weit ausgefahren, und an sonnigen Tagen sieht es manchmal so aus, als sei die FAZ die Vereinszeitung des Chaos Computer Clubs. Zuverlässig liefert das Blatt eine Breit-Seite nach der anderen gegen die Datenverräter von Google, Facebook, Apple und Amazon, und fast täglich müssen sich die Schurken von der NSA vor der beißenden Kritik dieser Zeitung in Acht nehmen.

Die FAZ ist heute das Leitmedium der liberalen, mittelständischen Kritik am digitalen Monopolkapitalismus und ficht beherzt gegen jene staatsmonopolistischen US-Trusts, die den gefürchteten militärisch-postindustriellen Komplex darstellen.

 

Treibende Kraft: die Wirtschaftsredaktionen

Auch die Süddeutsche Zeitung drischt – gefühlt – jeden zweiten Tag auf das Internet ein. Im bayerischen Weltblatt sammeln sich, vom Politikressort über das Feuilleton bis hin zur Wochenend-Ausgabe, die Biergarten liebenden Internet-Hasser, was wohl dem Umstand geschuldet ist, dass man in der Residenzstadt der Wittelsbacher die Ressentiments gegen alles Technische noch etwas lustvoller und katholischer pflegt als in der lutherisch geprägten Banken- und Börsenstadt Frankfurt. In der SZ ist das Internet zwar noch immer gleichbedeutend mit Shitstorm, Pornographie, Kriminalität, Hass und Bösartigkeit, doch für aufklärende Durchlüftung sorgen inzwischen die kleine, gut vernetzte Investigativ-Abteilung, die interessanten Serien der Auslandskorrespondenten, die Medienseite und einzelne, herausragende Autoren. Sie halten die SZ, trotz mancher Retro-Sehnsucht, in der Spitzengruppe der Digital-Berichterstattung.

Auch Die Zeit findet trotz ihrer bildungsbürgerlichen Reserven zunehmend digitalen Anschluss – seit ihr bewusst wird, dass der digitale Strukturwandel nicht nur die gebundenen Gesamtausgaben von Thomas Mann und Arno Schmidt erfasst. Wie überall in den Printmedien weisen bei der Zeit die Wirtschafts-, Technik- und Unternehmensredakteure den Weg ins Neuland, nicht die bockigen Politik- und Kulturressorts. Die Wirtschaftsredakteure haben die positiven Signale aus der Industrie 4.0 empfangen und drängen die Joffes, Ulrichs, Martensteins und Soboczynskis an den Rand.

 

“Der Text steht leider noch nicht online”

Kurz und gut – neugierige Leser sind heute bestens versorgt mit dem neuesten heißen Scheiß aus den Backstuben der Zuckerbergs, Sandbergs, Pages, Brins, Schmidts, Cooks, Bezos, Wojcickis, Nadellas und wie sie alle heißen. Vom Handelsblatt bis zum Freitag, von der ARD bis zu 3Sat beherrschen die traditionellen Marken das schon verloren geglaubte Neuland. Mussten sich die Redakteure der Altmedien früher heimlich im Netz informieren, um einigermaßen auf dem Laufenden zu sein, ist es heute umgekehrt: Die im Netz Sozialisierten beziehen sich fast ausschließlich auf das, was ihnen die Altmedien vorsetzen, ja sie hängen den Altmedien förmlich an den Lippen – was man an den #Hashtags zu den liebevoll gehassten Fernsehsendungen und an den aufgeregten Hinweisen auf neue Zeitungsartikel („steht leider noch nicht online“!) ablesen kann.

Dieses Phänomen der medialen Hörigkeit ist nicht nur bei Twitter und Facebook zu bestaunen, es trifft selbst auf eingefleischte Netzpublikationen zu: auf Blogs, auf den Perlentaucher, auf 6vor9, auf Rivva.

Auch die netzpolitischen Vorsänger rufen in ihren Sonntagsreden bei der re:publica und anderswo zwar periodisch zur Gründung eigener Netz-Medien auf, aber selbst schreiben sie dann doch lieber in den etablierten Medien. Eine eigene Agenda ist in den „neuen Medien“ heute noch weniger zu erkennen als vor fünf Jahren. Im Gegenteil: Die Ableger von Spiegel, Focus, FAZ, SZ, Zeit, Welt, ARD und Konsorten beherrschen die Linktipps und Empfehlungen, und das ‚unabhängige’ Netz hechelt den Zeitungs-News bewusstlos hinterher. Die Blogroll – die Quervernetzung – ist ins Hintertreffen geraten und wieder durch die alte Hierarchie ersetzt. Das Blogbarometer Rivva – ohne selbst im mindesten schuld daran zu sein – ist zu einem zweiten Google News degeneriert, und der Perlentaucher kann den kleineren Netzmedien auch nach dem Relaunch kaum gesteigerte Aufmerksamkeit schenken. Die alten Strukturen haben fleißig gelernt und den Sieg davon getragen.

 

“Geht sterben!”

Eigentlich könnte man jetzt sagen: Prima! Mission accomplished. Der Wandel ist geschafft. Wir, die ewig nörgelnden Geburtshelfer ins digitale Zeitalter, haben uns erfolgreich überflüssig gemacht. Wir haben es geschafft, den Wandel in die Mitte der Gesellschaft zu tragen. Unser notorischer Geldmangel muss nicht länger mit Idealismus, Originalität und Provisorien ausgeglichen werden. Mit den technisch wie optisch hochgetunten Websites der Altmedien können unsere klapprigen WordPress-Dinos sowieso nicht mithalten. Heute sind es die Blogs, die alt aussehen.

Also sperren wir den Laden doch einfach zu. In der Welt der Medien macht es keinen Sinn, etwas am Leben zu halten, was nicht mehr gebraucht wird. „Geht sterben!“ – diesen bösen Satz aus der arroganten Frühzeit des Internets – können wir nun endlich zu uns selber sagen.

Crosspost


Der gute Systemadministrator

29 Januar 2014 um 18:12 • 0 Kommentarepermalink

Wir Deutschen lieben Edward Snowden. Denn er entschädigt uns für die Schmach, dass uns die US-Regierung behandelt wie einen unmündigen Vasallen.

 

Nein, es ist kein Zufall, dass die russische Regierung bevorzugt deutsche Journalisten und Politiker zu Snowden vorlässt. Es liegt im russischen Interesse, die Deutschen und die Amerikaner ein wenig voneinander zu entkoppeln. Und weil das so ist, gab es am vergangenen Sonntag einen “exklusiven” Snowden-Abend im deutschen Fernsehen (hier einige Reaktionen: SZ, SpOn, Uhle, Wolfsbeeren, Gillen).

Auch für Deutschland ist Snowden ein Glücksfall. Seine Enthüllungen erinnern uns daran, wie misstrauisch die Amerikaner uns immer noch begegnen. Snowdens Kritik entschädigt uns aber auch für die ‚Schmach’, selbst nach 65 Jahren Nato noch immer wie ein unmündiger Vasall vom großen Bruder behandelt zu werden.

Von solchen historisch verursachten Kalamitäten weiß der junge Amerikaner Edward Snowden vermutlich wenig. Sein Ziel ist die Wiederherstellung der inneren Werte Amerikas, nicht die Veränderung der geostrategischen Gemengelage.

 

Der Patriot

Da uns Snowdens amerikanischer Patriotismus aber wenig interessiert, haben wir sein Weihnachts-Interview mit der Washington Post auch kaum beachtet. In diesem bemerkenswerten Interview sagte Snowden, er arbeite noch immer für die NSA; er wolle den Geheimdienst nicht kaputtmachen, sondern verbessern. Er sei mit den Daten sorgfältig umgegangen und habe brisante Inhalte, die Amerika schaden könnten, unter Verschluss gehalten.

Sein Motiv, als Geheimdienst-Mitarbeiter die Öffentlichkeit zu informieren, begründete er damit, dass die NSA inzwischen mehr Amerikaner in Amerika abhöre als Russen in Russland. Die NSA, so konnte man diese Bemerkung interpretieren, solle sich wieder auf ihre Aufgaben konzentrieren und das Abhören des eigenen Volkes unterlassen.

Schließlich deutete Snowden noch an, dass er seine „Mission“ beenden werde, wenn Präsident Obama – wie versprochen – den aus dem Ruder gelaufenen Geheimdienst reformiere. Seine Aufgabe sei damit erfüllt: „Mission accomplished“. (So hieß übrigens auch die Rede, die George W. Bush nach dem Ende des US-Kampfeinsatzes im Irak auf dem Flugzeugträger Abraham Lincoln gehalten hat.)

 

Die Rolle des guten Cops

Vielleicht wollte Edward Snowden mit seinem Interview nur einen Fuß in jene Tür bekommen, die ihm den Rückweg in ein geläutertes Amerika ermöglichen soll. Doch sein Friedensangebot klang aufrichtig. Er sagte (ohne dass ihn die Washington Post danach gefragt hätte): Ich will die Gesellschaft nicht verändern. Ich bin auch nicht gegen Überwachung und Spionage, ich bin nicht einmal gegen die NSA. Als guter Patriot bin ich für eine gezielte Überwachung der Richtigen, für eine Mäßigung in der Zielauswahl, für saubere und plausible Methoden, für begrenzte, klar umrissene Operationen, für sichere und professionell arbeitende Dienste.

Snowden übernahm damit die Rolle des guten Cops, der seine über die Stränge schlagenden Kollegen auffliegen lassen muss, weil nur so die beschmutzte Weste seines Police Departments wieder weiß gewaschen werden kann. Damit folgte er dem Muster amerikanischer Selbstreinigung, die – nicht nur in populären Hollywood-Streifen – stets die Aufgabe einsamer Helden ist.

 

Ein echter Reformer

Kein „Verräter“ vor Snowden hat den Part des moralischen Erneuerers so überzeugend ausgefüllt wie er. Weder in seiner Selbstdarstellung noch im Verhalten gegenüber fremden Mächten und Medien hat er entscheidende Fehler gemacht.

Deshalb hat er auch – anders als seine Vorgänger – das Zeug zum politischen Reformer. Seine Bündnispolitik ist gut überlegt. Er lässt sich von vielen helfen, aber er weist z.B. den Alleinvertretungsanspruch von WikiLeaks zurück (siehe Sarah Harrisons Abreise aus Moskau!!). Er sucht sich Verbündete vor allem in jenem System, das er administriert hat: bei amerikanischen Demokraten und Republikanern.

Hinter den Kulissen scheint es auch längst um die Anbahnung eines Deals zu gehen. Indiz dafür ist, dass selbst die hartherzige New York Times Gnade und Rehabilitierung für den tapferen US-Bürger Snowden fordert. Und selbst der US-Justizminister nennt sich gesprächsbereit.

 

Falsche Hoffnungen

Vielleicht wird uns also der Patriotismus Edward Snowdens eines Tages enttäuschen. Vielleicht müssen wir erkennen, dass er zuallererst ein guter Amerikaner ist, der es ganz und gar ehrlich meint, wenn er sagt, dass er sich auch jetzt noch als NSA-Mitarbeiter fühlt. Vielleicht glaubt er wirklich an seine NSA!!! Vielleicht will er seinem Land nur zeigen, wie verwundbar der überdehnte Apparat durch seine innere Zügellosigkeit und Unkontrollierbarkeit geworden ist? Vielleicht will er, dass die NSA endlich wieder besser und effektiver „geführt“ wird?

Edward Snowden ist der gute Cop. Und der gute Cop kämpft nicht gegen „das System“, er kämpft für das System, weil er es prinzipiell für reformierbar hält.

Insofern machen sich Julian Assange und andere, die Snowden in ihre Hacker-Strategie gegen das System mit einbauen möchten („WikiLeaks’ battles are many“), falsche Hoffnungen. Und wir Deutschen lügen uns in die eigene Tasche, wenn wir glauben, dass Obamas NSA-Reform irgendeine Verbesserung für uns bringen wird.


Die Angst der deutschen Journalisten vor dem Aktivismus

6 Januar 2014 um 12:36 • 0 Kommentarepermalink

Ein Gespenst geht um im deutschen Mediengewerbe: der aktivistische Journalist!

 

Nein, eine eigene Meinung macht aus einem Journalisten noch keinen Aktivisten. Zu Aktivisten werden Journalisten in der Regel erst, wenn sie glauben, selbst aktiv gegen eine Entwicklung vorgehen zu müssen. Das ist der Fall, wenn sie sich, andere Personen, eine Gruppe von Menschen oder gar die ganze Gesellschaft in einer Notwehrsituation vermuten.

Aber wer stellt die fest? Der jeweilige Journalist? Der Zeitgeist? Art. 20, Abs. 4 GG? Darf sich ein Journalist (ein Diktum Carl Schmitts abwandelnd) so einfach zum Souverän erklären, der über den Ausnahmezustand entscheidet?

Versuchen wir eine Annäherung, die etwas weniger deutsch ist: Am 10. Dezember diskutierte Carta aus Anlass seines fünfjährigen Bestehens die Frage: „Wie engagiert darf, wie neutral muss Journalismus sein?“ Den Anstoß dazu hatte die Keller-Greenwald-Kontroverse gegeben, die in den USA Ende Oktober für mediales Aufsehen sorgte: Der aktivistische Journalist Glenn Greenwald warf den traditionellen Medien vor, nach 9/11 eine fatale Nähe zur Macht entwickelt zu haben, während Bill Keller, der ehemalige Chefredakteur der New York Times, darauf beharrte, dass Journalisten unter allen Umständen Distanz zum politischen Geschehen wahren müssten (Zur US-Debatte geht es hier entlang, sowie hier, hier, hier und hier).

Ende Dezember kam der Streit dann auch in Deutschlands Leitmedien an. Anlass war die Videobotschaft Glenn Greenwalds beim 30. Chaos Communication Congress in Hamburg. Greenwald machte deutlich, dass er sich durch die Überwachungspraxis der NSA in einem Konflikt befände, und dass er nicht so tun könne, als genüge es, diesen Konflikt neutral und distanziert wie einen Verkehrsunfall zu betrachten. Seither wird in Artikeln, Foren, Tweets und Blogs darüber gestritten, was „aktivistischen Journalismus“ ausmacht, und worin er sich vom „normalen“ Journalismus unterscheidet.

Da wir bei der eingangs erwähnten Carta-Veranstaltung ebenfalls um diese Frage kreisten, und weil aktivistischer Journalismus seither in vielen Beiträgen mit meinungsstarkem Journalismus verwechselt wird, möchte ich meine damaligen Notizen im Folgenden ergänzen:

 

Wie ist es zur aktuellen Trennung in neutralen und aktivistischen Journalismus gekommen?

- Die publizistischen Möglichkeiten, die das Internet bereitstellt, erlaubten erstmals eine breite öffentliche Kritik des traditionellen Journalismus durch die Adressaten des Journalismus selbst, durch politische Aktivisten, durch unabhängige oder dissidente Journalisten. Die Leistungen des traditionellen Journalismus waren nun öffentlich messbar. Gleichzeitig geriet der traditionelle Journalismus durch das Internet unter wirtschaftlichen Druck. Seine komfortable Situation und seine weitere Finanzierung sind seither in Frage gestellt. Beide Entwicklungen haben das Selbstverständnis des Journalismus wieder auf die Tagesordnung gesetzt. Viele Journalisten sind stark verunsichert. Wie sollen sie auf die neue Situation reagieren?

- Die Vorwürfe an den traditionellen ‚neutralen’ Journalismus lauten: Er sei zu nahe an der politischen Macht, er sei in Konzerne und große Bürokratien eingebunden und dadurch weitgehend kaltgestellt, er habe keinen Biss, er gebe sich mit Oberflächlichkeiten und Nebensächlichkeiten zufrieden, er desorientiere anstatt den Dingen auf den Grund zu gehen, er manipuliere zugunsten bestimmter Interessengruppen, er verhalte sich neutral gegenüber Ungerechtigkeiten, er sei durch Beziehungsgeflechte und Vergünstigungen korrumpiert, er übe die Rolle der Vierten Gewalt nicht mehr aus, er sei so zahm und zahnlos wie ein Bettvorleger. Zu fragen wäre: Bestehen diese Vorwürfe zu Recht? Und: Ist aktivistischer Journalismus das richtige Mittel, um diese Vorwürfe zu entkräften?

- Die Jahrzehnte lang als unumstößlich geltende „Hanns Joachim Friedrichs-Doktrin“ („Ein Journalist macht sich mit keiner Sache gemein, auch nicht mit einer guten“) ist durch „aktivistische Journalisten neuen Typs“ wie Glenn Greenwald, Jeremy Scahill, Jacob Appelbaum, Laura Poitras ins Wanken geraten. Diese Journalisten ‚neuen Typs’ gehen aufgrund ihrer Recherchen von einer Gefahren-, Ausnahme- oder Notwehrsituation aus, die den gegenwärtigen Journalismus zur Aufgabe der professionellen Distanz zwinge. Zu fragen wäre daher: Existiert dieser Notstand? Und wenn ja, rechtfertigt er ungewöhnliche journalistische Herangehensweisen? Tritt aktivistischer Journalismus nur zu bestimmten Zeiten auf? Und wird er durch politische Reformen überflüssig?

 

Was ist aktivistischer Journalismus überhaupt?

- Aktivistischen Journalismus gibt es seit der Dreyfus-Affäre in Frankreich (1894) und seit dem Aufkommen der „Muckraker“ in Amerika (Upton Sinclair u.a.), d.h. seit etwa 120 Jahren. (Davor existierten Zeitung und Zeitschrift als Massenmedium noch nicht in nennenswertem Umfang).

- Aktivistischer Journalismus entsteht auf einem bestimmten Nährboden: Was ihn hervorruft und formt, sind wirtschaftliche Krisen, politische Umbruchzeiten, Vorkriegszeiten, Zeiten repressiver Politik, Zeiten des Niedergangs, Zeiten großer sozialer oder zwischenstaatlicher Spannungen, Zeiten forcierter Modernisierung und starker Konzentration von Wirtschaftsmacht.

- Der aktivistische Journalismus wird in der Regel von einzelnen herausragenden Journalisten oder Publizisten verkörpert, neuerdings auch von Gruppen und Netzwerken, welche die Verhältnisse nicht mehr nur beschreiben und interpretieren, sondern auch verändern wollen. Sie nehmen große Risiken, persönliche Nachteile, ja Verfolgung in Kauf; sie kämpfen für politische Ziele oder sie verteidigen politische Errungenschaften und gehen dabei weit über die traditionelle journalistische Aufgabenbestimmung hinaus. Aktivistische Journalisten begnügen sich nicht mit neutralen Beschreibungen „dessen, was ist“, sie streben Gesetzesänderungen, Politikwechsel, ja Umsturz an.

- Journalistische Aktivisten kommen häufig nicht aus dem traditionellen Journalismus, sondern waren bzw. sind zunächst politische Aktivisten, Lehrer, Rechtsanwälte etc. Den Journalismus verstehen sie als Mittel zum Zweck, als eine Handlungs-Option unter vielen.

- Aktivistische Journalisten sind (anders als besorgte traditionelle Journalisten dies darstellen) immer herrschaftskritisch und oppositionell. Seymour M. Hersh würde sagen: Aktivistische Journalisten sind Außenseiter, Outsider.

- Aktivistische Journalisten werfen sich mitten ins Geschehen. Sie verschmelzen mit ihrem Anliegen, bleiben hartnäckig am Thema und wirken dadurch oft glaubwürdiger und für Informanten vertrauenswürdiger. Da sie ihre Person mit einbringen und sich häufig als Protagonisten in den Mittelpunkt ihrer Ermittlungen stellen, gelten sie bei ‚normalen’ Journalisten als egoistisch und selbstverliebt. Nicht selten entwickeln sich aktivistische Journalisten zu Idolen ihrer Zeit.

 

In welcher Tradition steht der aktivistische Journalismus?

Man kann bis heute vier Hochphasen unterscheiden: die Wurzeln um 1900, die Zeit zwischen den Weltkriegen, den Umbruch der 68er-Jahre und die Ära der einzigen Weltmacht.

 

1. Die Wurzeln um 1900:

- In Europa erschüttert 1894 die „Affäre Dreyfus“ die alten Eliten. Der französische Artilleriehauptmann Alfred Dreyfus wird zu Unrecht der Spionage für Deutschland beschuldigt und – wider besseres Wissen (aber auch, weil er Jude ist) – zu fünf Jahren Straflager (eine Art Guantanamo) verurteilt.

Hintergrund: Militärstaat im Staat, Wagenburg der alten Eliten gegen Minderheiten und Mitbestimmung, imperiale Interessen, Antisemitismus.

- Der aktivistische (anarchistische) Journalist Bernard Lazare veröffentlicht 1895 seine Kampfschrift „Ein Justizirrtum“, später (Ende 1897) greift der bekannte Schriftsteller Émile Zola den Fall auf. Am 13. Januar 1898 veröffentlicht Zola in der Zeitung L’Aurore seinen berühmten Offenen Brief an den französischen Staatspräsidenten: „Ich klage an!“ Innerhalb weniger Stunden sind 200.000 Exemplare der Zeitung ausverkauft.

- In Amerika beginnt die Ära der journalistischen „Muckraker“ und des investigativen Journalismus (1900 – 1910).

Hintergrund: Politisch-ökonomische Machtkonzentration durch Kartelle (Trusts) und Branchen-Monopole (Öl, Eisenbahn, Stahl), wachsende soziale Ungleichheit, Korruptions- und Finanz-Skandale.

Zwei Beispiele:

- Ida Minerva Tarbell (ursprünglich Lehrerin) schreibt „The History of the Standard Oil Company“ über den Aufstieg John D. Rockefellers, die Serie erscheint ab 1902 in Mc Clure’s Magazine, dessen Auflage sich dadurch verdoppelt. Das 1904 erscheinende Buch wird ein Megaseller. Es hilft, 1911/12 das Öl-Monopol Rockefellers zu zerschlagen.

- Upton Sinclair (ein Sozialist und politischer Aktivist) schreibt „The Jungle“, eine Reportage über die Arbeitsbedingungen und hygienischen Zustände in der Fleischindustrie Chicagos. Die Reportage erscheint 1905 in der sozialistischen Zeitschrift Appeal to Reason. US-Präsident Theodore Roosevelt nennt Sinclair daraufhin einen Muckraker und sagt: „Überlassen Sie das Regieren des Landes für eine Weile mir!“

 

2. Die Zeit zwischen den Weltkriegen:

Hintergrund: Der aufkommende Faschismus und die Verteidigung der Republik.

- Der aktivistische Journalist Egon Erwin Kisch, berühmt geworden durch seine Enthüllung der Affäre um den Selbstmord des Obersten Redl 1913 (auch eine Spionageaffäre!) sowie als „Rasender Reporter“ im Berlin der zwanziger Jahre, hält beim 1. Internationalen Schriftstellerkongress zur Verteidigung der Kultur in Paris 1935 seine berühmte Rede über den Journalismus als „Kunst- und Kampfform“. (Die Kampfform ließen die Kischpreis-Stifter später gern unter den Tisch fallen).

- Leo Lania, zunächst Redakteur der Roten Fahne, später Mitarbeiter von Ossietzkys und Tucholskys Weltbühne, schleicht sich als italienischer Faschist beim Völkischen Beobachter in München ein und publiziert seine Erlebnisse in dem Buch „Die Totengräber Deutschlands“ (1924). Er wird deshalb des Landesverrats angeklagt. Der Berliner Reichstag verabschiedet 1925 sogar eine „Lex Lania“ zum Schutze journalistischer Berufsgeheimnisse.

Kisch und Lania sind Journalisten und aktive Kommunisten.

 

3. Der Umbruch der 68er-Jahre:

Hintergrund: Die unaufgearbeitete Nazizeit, gesellschaftliche Doppelmoral, Notstandsgesetze.

- Der aktivistische Journalist Günter Wallraff wird mit seinen Rollenreportagen bekannt. Er setzt sich für „die da unten“ ein und benutzt bei seiner Arbeit falsche Papiere und falsche Identitäten. Seine Methode ist heftig umstritten, aber überaus erfolgreich.

- Auch andere aktivistische Journalisten schlüpfen in fremde Rollen oder machen ein Thema zu ihrer ureigenen Sache: Gerhard Kromschröder etwa (Rollenreportagen), Jürgen Roth (Mafia, Korruption), Ernst Klee oder der Schweizer Niklaus Meienberg (Nazi-Vergangenheit).

- In Amerika etabliert sich eine neue Generation von Muckrakern: etwa Bob Woodward, Carl Bernstein, Seymour M. Hersh, Barbara Ehrenreich u.a.

 

4. Die Ära der einzigen Weltmacht:

Hintergrund: Das Ende des Kalten Krieges und der „War on Terror“,  Finanzspekulation und Überwachungsstaat.

- In den neunziger Jahren erscheint der Filmemacher Michael Moore auf der Bildfläche. Seine Art, mit der Kamera Aufklärung zu betreiben, wird von Kritikern als Propaganda abgetan. Moores Beispiel folgen eine ganze Reihe von Nachahmern (etwa Morgan Spurlock mit Super Size Me). Diese Filmemacher und Reporter erklären den riskanten Selbstversuch, das Sich-selbst-einer-Sache-aussetzen, zur aktivistischen Methode.   

- Von 2006 an baut Julian Assange gemeinsam mit befreundeten Hackern die Whistleblower-Plattform WikiLeaks auf. Er nennt sich später Chefredakteur und wird wegen seiner radikalen und rücksichtslosen Veröffentlichungspolitik schnell zum Staatsfeind Nr.1. Heute ruft Assange Hacker und Programmierer dazu auf, im Stile Günter Wallraffs Institutionen und Geheimdienste zu infiltrieren, um anschließend über deren Amtsmissbrauch berichten zu können.

- Für aktivistischen Journalismus stehen heute in erster Linie Glenn Greenwald, Laura Poitras, Jeremy Scahill, Amy Goodman, Jacob Appelbaum u.a. Sie operieren wie Widerstands- oder Dissidentengruppen. Die bekannteste aktivistische Journalistin Russlands war die 2006 ermordete Anna Politkowskaja.

 

Heute kommen aktivistische Journalisten nicht mehr so sehr aus Parteien (wie noch in den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts), sondern aus NGO-Organisationen, aus Umwelt- und Protestbewegungen (Greenpeace, Attac, Occupy), Entwicklungshilfeprojekten und Bürgerrechts-, Dissidenten- und Menschenrechtsgruppen (Amnesty International, Reporter ohne Grenzen etc.). Das unterscheidet sie von ‚normalen’ Journalisten, deren erste (und einzige) Erfahrung oft die Journalistenschule ist.

Crosspost


Die Engel fangen an, dumme Fragen zu stellen

27 Dezember 2013 um 12:18 • 0 Kommentarepermalink

Unglaublich, wie dreist der US-Geheimdienst selbst den Vatikan abhörte! In seiner Weihnachtsausgabe enthüllt der Guardian nun exklusiv, wie Gott den Verantwortlichen ins Gewissen redete.

 

Gott war außer sich. Ausgerechnet an Halloween musste ihm sein Abwehrchef Petrus die Nachricht beichten, dass sämtliche Geheimgespräche des Allmächtigen mit dem Heiligen Stuhl von der NSA abgehört worden waren (Gottseidank nur die auf dem Parteihandy).

Daraufhin ließ Gott NSA-Chef Keith Alexander und dessen Geheimdienstdirektor James Clapper ins Himmelreich einbestellen. Man traf sich in der Cloud.

Ein Mitarbeiter des britischen Geheimdienstes GCHQ, der als Friedensattaché im 4.Stock der Himmelspfortenbotschaft unweit der Himmelreichskanzlei stationiert war, konnte das Gespräch abfangen. Ein Whistleblower namens „Holy Spirit“ sandte anschließend eine Kopie an den Chefredakteur des Guardian.

Wir danken Alan Rusbridger für die freundliche Genehmigung, zeitgleich mit dem Guardian eine visualisierte Fassung des abgehörten Gesprächs wiedergeben zu dürfen.

 

Gott (sichtlich verärgert): You fucking fucking basterds! Ist euch denn gar nichts mehr heilig? (Zu Clapper gewandt) Dein Großvater (Clappers Großvater war Priester) würde dich am liebsten gleich hier oben behalten.

Keith Alexander (schlägt die Hacken zusammen): Sir! Es gab Grund zu der Annahme, dass Benedikts Rücktritt

Gott: Herrgott nochmal!! Ihr… habt… euren Schöpfer… belauscht.

James Clapper* (beflissen): Das Ausspähen ausländischer Spitzenpolitiker ist das Kernziel von Spionage!

Gott (zieht die Augenbrauen hoch): Wir sind Verbündete… Schon vergessen? Wir haben mal einen Bund geschlossen…

Alexander: Wir legen wirklich hohe Maßstäbe an uns selbst an. Egal wo wir operieren.

Gott: Spar dir deine Predigten für die EU-Kommission. Ich will von euch Pfeifen wissen, was dieser gottverdammte Whistleblower über mich in der Hand hat. (Gott zerrt ein weißes Kryptohandy aus seinem Umhang) Ich kann mit dem Scheißding nichts anfangen.

Alexander: Hat Steve Ihnen das aufgeschwatzt?

Gott (seufzend): Er verkauft dir ein iPhone, ohne dass du es merkst. Er fällt allen hier auf den Wecker… (dann zu Clapper gewandt): Seit wann hört ihr mich ab?

Clapper (flüsternd): Als dieses Kind in der Galiläa-Zelle auftauchte und drei Al Kaida-Führer aus dem Morgenland…

Gott (macht eine abwehrende Handbewegung): Ist Vatileaks dabei? Die Schwulenverschwörung? Hat der Kerl die Unterlagen der Vatikanbank? Die ganzen Missbrauchsgeschichten?

Alexander (blickt betreten zu Boden, nickt)

Gott: Die Beichtstühle auch…?

Alexander (nickt noch betretener)

Gott: Die Sauna in Quarto Miglio? Die Darkrooms?

Alexander (nickt am betretendsten)

Gott (schlägt die Hände vors Gesicht): Oh mein Gott!

Alexander: Die Journalisten verstehen doch gar nicht, was sie da sehen.

Gott: Ach nein?

Alexander: Da gibt es viele Fehlinterpretationen.

Gott (zornig): Ihr beiden habt mich mit euren gottverdammten Allmachtsphantasien in diese beschissene Lage gebracht. Petrus sägt am Heiligen Stuhl. Die Engel fangen an, dumme Fragen zu stellen.

Clapper: Ich schwöre hoch und heilig…

Alexander (leise zu Clapper): Ist hier nicht nötig.

Gott (greift in die Cloud, zieht eine Flagge heraus): Das ist das Wappen des Vatikan, ihr Gipsköpfe. Und was seht ihr da? Zwei gekreuzte Schlüssel. Und warum?

Clapper (zuckt mit den Achseln)

Gott: Das sind die Kryptoschlüssel meines Abwehrchefs, ihr Hornochsen. Sie bedeuten: Zugriff von außen… ist… nicht… erlaubt.

Clapper (strahlend): Wir konnten sie knacken, Sir.

Alexander (nickt): Die Glaubenskongregation des Vatikan hatte um Amtshilfe gebeten. Sie gehören – wie die Briten – zur Triple A, zur „Allianz des Allsehenden Auges“ (One Eye)…

Gott (schüttelt den Kopf): Ihr führt euch auf wie der liebe Gott.

Clapper (beflissen): Das ist unsere Aufgabe.

Alexander (stolz): Wir tun, was wir können.

Gott: Leider Gottes… War Obama unterrichtet?

Clapper (lacht): Von uns nicht.

Gott: Hört ihr ihn etwa nicht ab?

Clapper: Das macht der BND für uns.

Gott: Und?

Clapper (starrt zu Boden)

Alexander (extrem leise): Die Deutschen haben aus Versehen die Festplatten geschreddert.

Gott (in sich zusammensinkend): Was hab’ ich da bloß erschaffen!?

 

*Die Antworten von Clapper und Alexander sind z.T. wörtliche Zitate aus den parlamentarischen Anhörungen der beiden Geheimdienstchefs.


Morozov sagt…

9 Dezember 2013 um 22:08 • 0 Kommentarepermalink

Der Internet-Kritiker Evgeny Morozov wird von Netzaktivisten gern als Spielverderber gesehen. Aber kann man ihn und seine Kritik so einfach abtun? Versuch einer Gegenüberstellung.

 

Morozov sagt: Das Netz ist kapitalistisch und sonst nichts. Es ist das cleverste Instrument des entfesselten Kapitalismus. Mit ihm kann sich der böse Wolf perfekt als lammfrommes Schaf verkleiden, das nur edle Ziele verfolgt und die Welt besser machen will. Gegen diese Sichtweise wehren sich die Netzbewohner mit wütender Bockigkeit. Sie sagen: Unser Netz ist nicht kapitalistisch und es wird auch nie völlig kapitalistisch werden – sonst wären wir ja nicht drin. So lange wir aber drin sind, werden wir uns mit Händen und Füßen dagegen wehren, dass irgendein Hassprediger unser Netz als rein kapitalistisch verleumdet. Wir sind der lebende Beweis, dass das Internet offen, neutral und sympathisch sein kann. Es kommt darauf an, wer es mit welchen Absichten benutzt.

Morozov sagt: Ihr könnt so viel mit den Füßen aufstampfen, wie ihr wollt, es spielt überhaupt keine Rolle. Ihr seid nur die nützlichen Idioten, die dem Neoliberalismus die schwierige Überzeugungsarbeit erleichtern. So lange es Dumme gibt, die ernsthaft glauben, es sei ihr neutrales Netz, ihr technisches Spielzeug, können die superdicken Silicon Valley-Konzerne noch superdicker werden und ihre Profitabsichten ungehindert verfolgen. Die Netzbewohner halten dagegen, dass die Technik ohne ihre Benutzer lediglich eine leere Hülle sei – und die kapitalistische Gier vergebliche Liebesmüh’. Die User könnten jederzeit aufhören, am Netz zu hängen wie ein Junkie an der Nadel. Denn der Kunde ist König. Und Märkte sind Gespräche. Also muss der Kapitalismus die Bedürfnisse der Netzbewohner berücksichtigen. Das Ganze sei ein Geben und Nehmen – und längst nicht so einseitig, wie Morozov es in seinen Horrorgemälden darzustellen pflege.

Morozov sagt: Das kapitalistische Internet habe das Ziel, dem Einzelnen jedes eigenständige Denken zu rauben und an undurchsichtige Algorithmen zu delegieren, die den Mainstream und die erwünschten Normen definieren. Die Dauer-Überflutung mit Informationen, die eine bessere Entscheidungsfindung gewährleisten sollen, blockiere in Wahrheit die Anstrengung des Selberdenkens. Das Risiko werde ersetzt durch die Berechnung, die Verantwortung durch die Fremdbewertung. Die Netzbewohner würden ignorieren, dass die alte Maxime der Aufklärung – je mehr du weißt, desto besser – im Silicon Valley-Zeitalter unter einem Berg von Informationsmüll begraben werde. Die neue Freiheit basiere dagegen auf der Maxime: Je weniger du weißt, desto besser. Erst dann könne man aus eigener Kraft und Herrlichkeit wieder Entscheidungen treffen. Erst dann sei man frei. Auf diese John Wayne-Haltung reagieren die Netzbewohner mit Spott und Verachtung. Sie halten sich durchaus für fähig, aus einem Überangebot das für sie Brauchbare herauszufiltern. Ein Zuviel an Informationen habe noch niemandem geschadet, ein Zuwenig könne Katastrophen auslösen. Der Mensch sei nicht so manipulierbar wie der grimmige und griesgrämige Menschenfeind Morozov annehme. Morozov begehe den unentschuldbaren Fehler, alles, was in der Welt vor sich gehe, auf die Teufel aus dem Silicon Valley zu projizieren. Damit werde er zum Gefangenen seiner eigenen Wahnvorstellung. Er gebe zwar vor, das kapitalistische Internet in seiner ganzen Tiefe zu analysieren, beschreibe aber ausschließlich Oberflächen-Phänomene. Auch seine argumentative Technik sei leicht durchschaubar: Zuerst baue er einen Riesen-Popanz auf, um ihn anschließend unter wildem Geheul effektvoll zerschmettern zu können.

Morozov sagt: Oh, ihr Ahnungslosen! Ihr wisst doch nur, was euch das Netz gnädigerweise zuteilt. Ihr glaubt zu filtern, aber ihr werdet gefiltert. Ihr glaubt, ihr hättet die Joysticks in eurer Hand, aber die Joysticks manipulieren euch. Euer Freiheitsbegriff ist genau so oberflächlich und abgemagert wie eure technizistisch-neutralistische Netztheorie. Ihr betrachtet nur jenen Ausschnitt der Wirklichkeit, den euch die Scheuklappen von Google erlauben. Ihr stellt keine Zusammenhänge her, die über vorgegebene Verlinkungsstrukturen hinausgehen. Ihr dringt mit eurer Technologie-Fixierung nicht mehr zum Kern der Debatte vor: dass die digitale Technik sowohl integraler Bestandteil als auch Ausdruck des kapitalistischen Fortschritts ist. Ihr weigert euch wahrzunehmen, dass der Cyberspace nicht von der übrigen Welt zu trennen ist, ja dass er ohne diese gar nicht gedacht werden kann. Und dass er deshalb genau so kühl und unnachsichtig analysiert werden muss wie der übrige Neoliberalismus.

Gegen diese Kritik wehren sich die Netzbewohner aber nicht mit einer eigenen Analyse, nein, sie reagieren auf das sich bei der Morozov-Lektüre unweigerlich einstellende Gefühl der selbstverschuldeten Unmündigkeit rein impulsiv. Reflexhaft projizieren sie ihren Verdruss auf die Person. Sie sagen, es gehe Morozov immer nur um das eine: sich mit seinen unhaltbaren Thesen in den Vordergrund zu spielen. Dann spucken sie drei Mal verächtlich über die rechte Schulter und verfluchen den Mistkerl.

Siehe auch: Die kalifornische Ideologie und der deutsche Reflex

Crosspost


Was würde passieren, wenn Edward Snowden Asyl in Deutschland bekäme?

6 November 2013 um 16:32 • 0 Kommentarepermalink

Die deutschen Transatlantiker sind tief besorgt, dass die Snowden-Anhänger die Bevölkerung überzeugen könnten. Also malen sie schon mal die 20 schlimmsten Folgen eines deutschen Snowden-Sonderwegs an die Wand. Im Vertrauen: Es wäre der reinste Horror.

 

Es ist sonnenklar, dass die Amerikaner beinhart reagieren würden, wenn Edward Snowden in Deutschland Asyl bekäme. Die US-Schock-Strategie bestünde aus drakonischen Maßnahmen:

 

1. Alle McDonalds-Filialen in Deutschland würden sofort schließen.

2. Die Deutschen dürften keine amerikanischen TV-Serien mehr kaufen oder ausleihen, insbesondere nicht Homeland, Mad Men, Breaking Bad, 30 Rock, 24, Game of Thrones, Boardwalk Empire, The Walking Dead, How I met your Mother, Dr.House, die Simpsons, The Big Bang Theory, The Office, Taras Welten, Southpark und Family Guy. Nur alte Seinfeld-Folgen dürften – auf Bitten Henryk M. Broders – weiter erworben werden.

3. Alle deutschen Facebook-Nutzer würden gezwungen, auf Vkontakte (Russland) oder Renren (China) umzusteigen.

4. Typische amerikanische Vornamen wie Ed, Dean, Marvin, Jason, Jesper, Kevin, Rico, Dave, Blake, Bill, Ron, Nic, Zac, Mic, Ozzy, Tyson, Emmett, Dexter, Dwayne und Percy bzw. Chelsea, Amy, Kim, Cheyenne, Paris, Peaches-Honeyblossom, Jamie, Mackenzie, Raven, Willow, Cynthia, Charlize, Meagan und Scarlett dürften nicht mehr an deutsche Kinder vergeben werden.

5. Die deutschen Apple-Stores würden nur noch Nicht-Deutschen Zutritt gewähren.

6. Alle Deutschlandkonzerte von Britney Spears, Katy Perry und Mariah Carey würden abgesagt.

7. Andrew B. Denison und Don F. Jordan würden nicht mehr als typisch amerikanische Journalisten für deutsche Talkshows zur Verfügung stehen.

8. Die geplanten Hollywood-Blockbuster Avatar 2, 3 und 4, Stirb Langsam 6, Bad Boys 3, Star Wars Episode VII und Terminator 5 dürften in Deutschland nicht gezeigt werden.

9. Die HuffPost Deutschland würde aus Protest jeden Tag mit einer leeren Seite erscheinen.

10. Alle Direkt-Flüge von Deutschland in die USA würden über Guantanamo umgeleitet, was die Reisezeit auf bis zu drei Jahre verlängern könnte.

11. Erdnussbutter und Marshmallow-Creme würden über Nacht aus deutschen Supermarktregalen verschwinden.

12. Amerikaner, die bislang die Marken BMW, Porsche oder Mercedes bevorzugten, würden auf Dongfeng, Chery oder Quoros umsteigen.

13. Die Abo-Preise für das Wall Street Journal, den New Yorker, die New York Times, Esquire, The Atlantic, Time, Vanity Fair, Rolling Stone, Fortune, MAD, Macworld, American Scientist, Sports Illustrated, Wired, In Style, Vogue, National Geographic, Official Xbox Magazine, UFO Magazine, Bird Talk, Hustler, Foreign Affairs und The American Philatelist würden für Bestellungen aus Deutschland stark angehoben.

14. Dirk Nowitzki würde von den Dallas Mavericks an die Würzburg Baskets verkauft.

15. Der Film-Oscar für den besten ausländischen Schwarzweißfilm in Überlänge würde doch nicht an „Die andere Heimat“ von Edgar Reitz vergeben.

16. Beim 54. Deutsch-Amerikanischen Freundschaftsfest in Berlin würden Doppel-Looping-Bahn, Break Dance-Karussell, Crazy Mouse-Achterbahn, Auto Scooter, Florida-Eis und Hot Dogs von den Amerikanern demonstrativ durch Halma, Brio-Eisenbahn und Reiswaffeln ersetzt.

17. Jürgen Klinsmann, Thomas Gottschalk und Florida-Rolf würden aus Florida nach Deutschland abgeschoben.

18. Deutsche Kids dürften folgende Markenklamotten nicht mehr erwerben: Tommy Hilfiger-Hosen, Old Navy-Shirts, Tory Burch-Flip-Flops, American Eagle-Hoodies, J Crew-Bags, USA Rebel Basecaps, Guess-Jeans, Jack Wolfskin-Parkas, Levis-Jacken, Nike-Sneakers und Converse-Chucks.

19. Henry Kissinger würde seine Jahreskarte für den Fußballclub SpVgg Greuther Fürth öffentlich an Wladimir Putin verschenken.

20. Die US-Computerspiel-Industrie würde die Deutschland-Lizenzen für folgende Spiele zurückziehen: Grand Theft Auto, World of Warcraft, Medal of Honor, Diablo, Half-Life, Counter-Strike, Battlefield, Star Wars, Dead Space, Dragon Age, Doom, BioShock, Call of Duty, Age of Empires und FIFA.

 

P.S. Nicht ganz so schlimm wie die vorstehenden Folgen, aber immer noch relativ unangenehm: Die NSA würde jeden Tag ein anderes abgehörtes Gespräch deutscher Pro-Snowden-Politiker an Bild, BamS, WamS, SZ, NDR, Spiegel, Focus, Report München, Titanic oder heuteshow leaken.