Die Engel fangen an, dumme Fragen zu stellen

27 Dezember 2013 um 12:18 • 0 Kommentarepermalink

Unglaublich, wie dreist der US-Geheimdienst selbst den Vatikan abhörte! In seiner Weihnachtsausgabe enthüllt der Guardian nun exklusiv, wie Gott den Verantwortlichen ins Gewissen redete.

 

Gott war außer sich. Ausgerechnet an Halloween musste ihm sein Abwehrchef Petrus die Nachricht beichten, dass sämtliche Geheimgespräche des Allmächtigen mit dem Heiligen Stuhl von der NSA abgehört worden waren (Gottseidank nur die auf dem Parteihandy).

Daraufhin ließ Gott NSA-Chef Keith Alexander und dessen Geheimdienstdirektor James Clapper ins Himmelreich einbestellen. Man traf sich in der Cloud.

Ein Mitarbeiter des britischen Geheimdienstes GCHQ, der als Friedensattaché im 4.Stock der Himmelspfortenbotschaft unweit der Himmelreichskanzlei stationiert war, konnte das Gespräch abfangen. Ein Whistleblower namens „Holy Spirit“ sandte anschließend eine Kopie an den Chefredakteur des Guardian.

Wir danken Alan Rusbridger für die freundliche Genehmigung, zeitgleich mit dem Guardian eine visualisierte Fassung des abgehörten Gesprächs wiedergeben zu dürfen.

 

Gott (sichtlich verärgert): You fucking fucking basterds! Ist euch denn gar nichts mehr heilig? (Zu Clapper gewandt) Dein Großvater (Clappers Großvater war Priester) würde dich am liebsten gleich hier oben behalten.

Keith Alexander (schlägt die Hacken zusammen): Sir! Es gab Grund zu der Annahme, dass Benedikts Rücktritt

Gott: Herrgott nochmal!! Ihr… habt… euren Schöpfer… belauscht.

James Clapper* (beflissen): Das Ausspähen ausländischer Spitzenpolitiker ist das Kernziel von Spionage!

Gott (zieht die Augenbrauen hoch): Wir sind Verbündete… Schon vergessen? Wir haben mal einen Bund geschlossen…

Alexander: Wir legen wirklich hohe Maßstäbe an uns selbst an. Egal wo wir operieren.

Gott: Spar dir deine Predigten für die EU-Kommission. Ich will von euch Pfeifen wissen, was dieser gottverdammte Whistleblower über mich in der Hand hat. (Gott zerrt ein weißes Kryptohandy aus seinem Umhang) Ich kann mit dem Scheißding nichts anfangen.

Alexander: Hat Steve Ihnen das aufgeschwatzt?

Gott (seufzend): Er verkauft dir ein iPhone, ohne dass du es merkst. Er fällt allen hier auf den Wecker… (dann zu Clapper gewandt): Seit wann hört ihr mich ab?

Clapper (flüsternd): Als dieses Kind in der Galiläa-Zelle auftauchte und drei Al Kaida-Führer aus dem Morgenland…

Gott (macht eine abwehrende Handbewegung): Ist Vatileaks dabei? Die Schwulenverschwörung? Hat der Kerl die Unterlagen der Vatikanbank? Die ganzen Missbrauchsgeschichten?

Alexander (blickt betreten zu Boden, nickt)

Gott: Die Beichtstühle auch…?

Alexander (nickt noch betretener)

Gott: Die Sauna in Quarto Miglio? Die Darkrooms?

Alexander (nickt am betretendsten)

Gott (schlägt die Hände vors Gesicht): Oh mein Gott!

Alexander: Die Journalisten verstehen doch gar nicht, was sie da sehen.

Gott: Ach nein?

Alexander: Da gibt es viele Fehlinterpretationen.

Gott (zornig): Ihr beiden habt mich mit euren gottverdammten Allmachtsphantasien in diese beschissene Lage gebracht. Petrus sägt am Heiligen Stuhl. Die Engel fangen an, dumme Fragen zu stellen.

Clapper: Ich schwöre hoch und heilig…

Alexander (leise zu Clapper): Ist hier nicht nötig.

Gott (greift in die Cloud, zieht eine Flagge heraus): Das ist das Wappen des Vatikan, ihr Gipsköpfe. Und was seht ihr da? Zwei gekreuzte Schlüssel. Und warum?

Clapper (zuckt mit den Achseln)

Gott: Das sind die Kryptoschlüssel meines Abwehrchefs, ihr Hornochsen. Sie bedeuten: Zugriff von außen… ist… nicht… erlaubt.

Clapper (strahlend): Wir konnten sie knacken, Sir.

Alexander (nickt): Die Glaubenskongregation des Vatikan hatte um Amtshilfe gebeten. Sie gehören – wie die Briten – zur Triple A, zur „Allianz des Allsehenden Auges“ (One Eye)…

Gott (schüttelt den Kopf): Ihr führt euch auf wie der liebe Gott.

Clapper (beflissen): Das ist unsere Aufgabe.

Alexander (stolz): Wir tun, was wir können.

Gott: Leider Gottes… War Obama unterrichtet?

Clapper (lacht): Von uns nicht.

Gott: Hört ihr ihn etwa nicht ab?

Clapper: Das macht der BND für uns.

Gott: Und?

Clapper (starrt zu Boden)

Alexander (extrem leise): Die Deutschen haben aus Versehen die Festplatten geschreddert.

Gott (in sich zusammensinkend): Was hab’ ich da bloß erschaffen!?

 

*Die Antworten von Clapper und Alexander sind z.T. wörtliche Zitate aus den parlamentarischen Anhörungen der beiden Geheimdienstchefs.


Was würde passieren, wenn Edward Snowden Asyl in Deutschland bekäme?

6 November 2013 um 16:32 • 0 Kommentarepermalink

Die deutschen Transatlantiker sind tief besorgt, dass die Snowden-Anhänger die Bevölkerung überzeugen könnten. Also malen sie schon mal die 20 schlimmsten Folgen eines deutschen Snowden-Sonderwegs an die Wand. Im Vertrauen: Es wäre der reinste Horror.

 

Es ist sonnenklar, dass die Amerikaner beinhart reagieren würden, wenn Edward Snowden in Deutschland Asyl bekäme. Die US-Schock-Strategie bestünde aus drakonischen Maßnahmen:

 

1. Alle McDonalds-Filialen in Deutschland würden sofort schließen.

2. Die Deutschen dürften keine amerikanischen TV-Serien mehr kaufen oder ausleihen, insbesondere nicht Homeland, Mad Men, Breaking Bad, 30 Rock, 24, Game of Thrones, Boardwalk Empire, The Walking Dead, How I met your Mother, Dr.House, die Simpsons, The Big Bang Theory, The Office, Taras Welten, Southpark und Family Guy. Nur alte Seinfeld-Folgen dürften – auf Bitten Henryk M. Broders – weiter erworben werden.

3. Alle deutschen Facebook-Nutzer würden gezwungen, auf Vkontakte (Russland) oder Renren (China) umzusteigen.

4. Typische amerikanische Vornamen wie Ed, Dean, Marvin, Jason, Jesper, Kevin, Rico, Dave, Blake, Bill, Ron, Nic, Zac, Mic, Ozzy, Tyson, Emmett, Dexter, Dwayne und Percy bzw. Chelsea, Amy, Kim, Cheyenne, Paris, Peaches-Honeyblossom, Jamie, Mackenzie, Raven, Willow, Cynthia, Charlize, Meagan und Scarlett dürften nicht mehr an deutsche Kinder vergeben werden.

5. Die deutschen Apple-Stores würden nur noch Nicht-Deutschen Zutritt gewähren.

6. Alle Deutschlandkonzerte von Britney Spears, Katy Perry und Mariah Carey würden abgesagt.

7. Andrew B. Denison und Don F. Jordan würden nicht mehr als typisch amerikanische Journalisten für deutsche Talkshows zur Verfügung stehen.

8. Die geplanten Hollywood-Blockbuster Avatar 2, 3 und 4, Stirb Langsam 6, Bad Boys 3, Star Wars Episode VII und Terminator 5 dürften in Deutschland nicht gezeigt werden.

9. Die HuffPost Deutschland würde aus Protest jeden Tag mit einer leeren Seite erscheinen.

10. Alle Direkt-Flüge von Deutschland in die USA würden über Guantanamo umgeleitet, was die Reisezeit auf bis zu drei Jahre verlängern könnte.

11. Erdnussbutter und Marshmallow-Creme würden über Nacht aus deutschen Supermarktregalen verschwinden.

12. Amerikaner, die bislang die Marken BMW, Porsche oder Mercedes bevorzugten, würden auf Dongfeng, Chery oder Quoros umsteigen.

13. Die Abo-Preise für das Wall Street Journal, den New Yorker, die New York Times, Esquire, The Atlantic, Time, Vanity Fair, Rolling Stone, Fortune, MAD, Macworld, American Scientist, Sports Illustrated, Wired, In Style, Vogue, National Geographic, Official Xbox Magazine, UFO Magazine, Bird Talk, Hustler, Foreign Affairs und The American Philatelist würden für Bestellungen aus Deutschland stark angehoben.

14. Dirk Nowitzki würde von den Dallas Mavericks an die Würzburg Baskets verkauft.

15. Der Film-Oscar für den besten ausländischen Schwarzweißfilm in Überlänge würde doch nicht an „Die andere Heimat“ von Edgar Reitz vergeben.

16. Beim 54. Deutsch-Amerikanischen Freundschaftsfest in Berlin würden Doppel-Looping-Bahn, Break Dance-Karussell, Crazy Mouse-Achterbahn, Auto Scooter, Florida-Eis und Hot Dogs von den Amerikanern demonstrativ durch Halma, Brio-Eisenbahn und Reiswaffeln ersetzt.

17. Jürgen Klinsmann, Thomas Gottschalk und Florida-Rolf würden aus Florida nach Deutschland abgeschoben.

18. Deutsche Kids dürften folgende Markenklamotten nicht mehr erwerben: Tommy Hilfiger-Hosen, Old Navy-Shirts, Tory Burch-Flip-Flops, American Eagle-Hoodies, J Crew-Bags, USA Rebel Basecaps, Guess-Jeans, Jack Wolfskin-Parkas, Levis-Jacken, Nike-Sneakers und Converse-Chucks.

19. Henry Kissinger würde seine Jahreskarte für den Fußballclub SpVgg Greuther Fürth öffentlich an Wladimir Putin verschenken.

20. Die US-Computerspiel-Industrie würde die Deutschland-Lizenzen für folgende Spiele zurückziehen: Grand Theft Auto, World of Warcraft, Medal of Honor, Diablo, Half-Life, Counter-Strike, Battlefield, Star Wars, Dead Space, Dragon Age, Doom, BioShock, Call of Duty, Age of Empires und FIFA.

 

P.S. Nicht ganz so schlimm wie die vorstehenden Folgen, aber immer noch relativ unangenehm: Die NSA würde jeden Tag ein anderes abgehörtes Gespräch deutscher Pro-Snowden-Politiker an Bild, BamS, WamS, SZ, NDR, Spiegel, Focus, Report München, Titanic oder heuteshow leaken.


Hurra, wir werden missioniert!

17 April 2012 um 12:09 • 2 Kommentarepermalink

Kann es Zufall sein, dass die Deutschen gleichzeitig einen Koran und eine Bildzeitung geschenkt bekommen?

 

Am 23. Juni dieses Jahres sollen alle deutschen Haushalte zu Ehren Axel Cäsar Springers (er wird 100, sein Blatt wird 60) eine kostenlose Ausgabe der Bild-Zeitung erhalten. Ebenfalls sollen alle deutschen Haushalte – zu Ehren des Propheten Mohammed – eine kostenlose Ausgabe des Koran erhalten. Was bedeutet das?

Nun, es bedeutet, dass in beiden Fällen große Propheten geehrt werden. Sowohl die Aktionen der Salafisten als auch die Aktionen der Springerianer sind kühne Missionierungsversuche. Zwei große Religions- und Wertegemeinschaften werben friedlich für ihre Sicht der Welt. Beide Gruppen haben bedeutende Männer im Programm, die ganz direkt von Gott inspiriert wurden.

Nun könnte man zu Recht einwenden, dass das eine ja wohl nicht ernsthaft (!) mit dem anderen verglichen werden könne (Günter Grass weiß das). Diesem Einwand stimmen wir vollumfänglich zu. Die beiden Aktionen sind absolut unvergleichlich. Axel Cäsar Springer ist so einmalig – wie der Prophet Mohammed, Bild ist so einzigartig – wie der Koran, und die Geschenkaktion der Salafisten ist so originell wie die der anderen Strenggläubigen. Also bitte keine unstatthaften Vergleiche! Koran-Aktion und Bildzeitungs-Aktion haben nichts, aber auch gar nichts miteinander zu tun.

Selbst der aufkommende Ärger über die beiden mutigen Missionierungsversuche sollte nicht miteinander verwechselt werden: Die CDU möchte die Verteilung des Korans verhindern, die Bildzeitungs-Gegner wollen dagegen die Verteilung der Bildzeitung verhindern, nicht umgekehrt! Beide Gruppen handeln eigenständig und völlig frei.

Apropos unvergleichlich: Da kriegen wir endlich mal was geschenkt (Kostenlos-Kultur!) und dann ist es auch wieder nicht recht.

 

P.S. Bei der Überschrift dieses Beitrags handelt es sich um die leichte Abwandlung eines Buchtitels. Der Autor des Buchs, ein weltlicher Missionsexperte, würde eine der beiden Aktionen höchstwahrscheinlich ablehnen. Wir verraten aber nicht welche. Erraten Sie’s?

Crosspost


Der Verlierer der Präsidentenwahl heißt Lothar Dombrowski

23 Februar 2012 um 21:54 • 27 Kommentarepermalink

Die Absage des politischen Kabarettisten Georg Schramm „an das Internet“ war durchaus vernünftig, doch sie beraubt uns einer großen Hoffnung: Das Rededuell zwischen den beiden wortmächtigsten Kandidaten der Republik wird nicht stattfinden. Lothar Dombrowski endet als gebrochene Figur – so wie der von Schramm gespielte ängstliche Sozialdemokrat August.

 

Damals, im Juni 2010, nach Horst Köhlers plötzlichem Rücktritt und Joachim Gaucks erster Nominierung, hatte er sicher nicht geglaubt, dass es eines Tages ernst werden könnte für ihn. Dass er seine ins Publikum geschleuderte Kampfansage tatsächlich einlösen muss. Am 8. Juni 2010 hatte der magenkranke Patientensprecher der ZDF-Heilanstalt – Lothar Dombrowski – bei seinem Abschied lauthals verkündet, er werde „draußen“ in der realen Welt („im Schützengraben“) als Bundespräsident kandidieren. Es fehle nur eine einzige klitzekleine Voraussetzung dafür. Wörtlich sagte er:

„Ein einziges Mitglied der Bundesversammlung muss bereit sein, mich als Kandidat zu benennen, und dann kann ich mich zur Wahl stellen. … Und das kann ich Ihnen garantieren, der Gauck kriegt meine Stimme nur, wenn er nach dem zweiten Wahlgang mehr Stimmen hat als ich…“

Gut gebrüllt, Löwe. Mit diesem Auftritt stand Lothar Dombrowski im Wort. Und weil die Realität die Satire nicht selten zu überholen pflegt, war die Situation knappe 21 Monate später tatsächlich kabarettreif. Die Piraten baten den Mann, der gegen Stuttgart 21 und die Oberschicht den Zorn Gottes geschleudert hatte, um eine Kandidatur gegen Gauck. Und die Linken fanden den Vorschlag ebenfalls „interessant“.

Doch da verließ den großen Dombrowski der Mut. Nichts war mehr übrig vom „Zorn“ des Überzeugungstäters, den er so mitreißend und überzeugend auf der Bühne verkörpern konnte, und sein aufständischer Satz zu Jochen Malmsheimer – „Träumen wir nicht alle davon, Spuren zu hinterlassen“ – war plötzlich schal geworden. Er werde nicht gegen Gauck kandidieren, erklärte Schramm dem Sender N24.  „Meine Stärke liegt in dem, was ich beruflich mache als Kabarettist.“ Er, Schramm, wolle nicht „als Schachfigur“ der Parteien herumgeschoben werden. Er glaube auch nicht, dass er für das Amt wirklich tauge, „und meine Frau wäre auch keine gute First Lady“. Was für ein Rückzieher! Damit schrumpfte das Leit- und Erlöserbild aller renitenten Rentner und zu kurz Gekommenen wieder auf Normalmaß, auf das Maß einer Witzfigur. Alles nur heiße Luft.

Die Figur des Lothar Dombrowski hat mit diesem öffentlichen Kneifen ihre Kraft und ihren Nimbus verloren. Schramm wird sie einmotten müssen. Dombrowski ist mit seiner Absage an die „politische Aktion“ zu jenem weinerlichen, ängstlichen Sozialdemokraten geworden, der sich nichts traut.

Martin Sonneborn, übernehmen Sie!

 

Update 29.3.: Die Kritik hat offenbar gewirkt. In seiner Rede zum Erich Fromm-Preis hat Georg Schramm den Bühnen-Tod seiner Figur Lothar Dombrowski angekündigt. Ab Minute 25.


Wulff, die Endlosschleife. Eine Satire

16 Januar 2012 um 11:19 • 8 Kommentarepermalink

In einem Jahr werde er die Geschichte ausgesessen haben, hofft der Präsident. Doch die Enthüllungen werden immer grauenhafter und die Folgen der Enthüllungen werden immer gespenstischer. Überzeugen Sie sich selbst!  


22. Januar 2012: Unter der Schlagzeile „Wie viele denn noch, Herr Wulff?“ enthüllt die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung einen weiteren „Freund“ des umstrittenen Präsidenten. Ein Osnabrücker Legohändler soll Wulff im Herbst 1970 zwei Kartons mit gelben Dachsteinen für den Anbau eines Wintergartens an das Lego-Sommerhaus „Creator“ überlassen haben. Der heute 80-Jährige, der weder im Grundbuch noch in der Lego-Aufbauanleitung eingetragen ist, räumt auf Nachfragen ein, dass nicht er, sondern sein Sohn, ein alter Schulfreund Wulffs, die Verhandlungen über die Herausgabe der Dachsteine geführt habe. FAS-Recherchen bei Lego-Experten ergeben jedoch, dass Dachstein-Überlassungen dieser Art weder der Höhe noch der Farbe nach in den siebziger Jahren üblich gewesen seien. Die Welt und die Frankfurter Rundschau entbinden Wulffs Rechtsanwälte daraufhin von der Verschwiegenheits-Pflicht für folgende Journalisten-Anfragen: „Wie viele Dachsteine haben Sie am Nachmittag des 17. Mai 1971 verbaut?“ und „Waren noch andere Personen, die in einem engen Verwandtschaftsverhältnis zum Osnabrücker Lego-Händler standen, beteiligt oder zugegen, als die gelben Dachsteine am Nachmittag des 17. Mai 1971 verbaut wurden?“ Bisher sind diese Fragen von der Pressestelle des Bundespräsidialamts nur unzureichend oder gar nicht beantwortet worden. Wie lange sich der Präsident angesichts der neuerlichen Enthüllungen im Amt halten kann, ist ungewisser denn je.

 

5. Februar 2012: In den Reihen der Union wächst der Unmut über Wulff. Die BILD-Zeitung berichtet unter Berufung auf Leserreporter, dass vor dem Eingang des Aldi-Discounters Fallingbostel zwei Mitglieder des CDU-Ortsverbandes offen den Rücktritt des Bundespräsidenten gefordert hätten. Auch im Unterausschuss Kultur des niedersächsischen Kreisverbands Fallersleben soll bereits über eine Alternativkandidatur zu Wulff beraten worden sein. Darüber hinaus verdichten sich Hinweise, dass Wulff bereits zu Beginn der siebziger Jahre Geld von reichen Damen genommen hat, denen er anbot, sie heil über die Straße zu bringen. Das scheinheilige Schwiegersohn-Image des Präsidenten habe dadurch empfindliche Kratzer erhalten. Aufgrund der neuen Enthüllungen kündigen die Anwälte des Präsidenten an, ein Foto des von Wulff seinerzeit für die Vorteilsnahme verwendeten Sparschweins ins Internet zu stellen. Unterdessen versucht das Wiki SparschweinPlag, ein Foto des Schweins mit User-Hilfe aus privaten Fotoalben der siebziger Jahre zu rekonstruieren.

 

22. März 2012:  In der FAZ erscheint Frank Schirrmachers General-Abrechnung: „Ich beginne zu glauben, dass die Rechten link sind“.

 

9. April 2012: Das Nachrichtendienst-Magazin Focus enthüllt in seiner sexteiligen Serie „Die 50 machtgeilsten Frauen Deutschlands“ sämtliche Blusen, die Präsidentengattin Bettina Wulff im Zeitraum zwischen Juli 2010 und März 2012 als Leihgabe bekannter Markenunternehmen auf Staatsempfängen getragen hat (eine entsprechende Klickstrecke findet sich bei süddeutsche.de). Wie der Focus weiter unter Berufung auf Berliner Sicherheitskreise berichtet, soll sich unter den enttarnten Blusen auch eine geblümte aus dem Wäscheschrank von Carsten Maschmeyers Frau Veronika befinden. Diese sei in den Spendenbüchern der „Maschmeyer Charity Foundation“ (Mach 3) fälschlicherweise als Stilberatungshonorar verbucht. Maschmeyer dementiert, davon gewusst zu haben. Die Blusenüberlassungsgebühr sei ohne sein Wissen über die Corporate Publishing-Abteilung des Verlags Hoffmann & Campe abgewickelt worden. Er, Maschmeyer, habe lediglich darum gebeten, auf der Rechnung den Buchtitel „Die Blusen des Bösen“ auszuweisen.

 

21. Mai 2012: Der Spiegel eröffnet mit seinem 17. Wulff-Titel: „Der ehrlose Präsident“ (nach „Der peinliche Präsident“, “Der Pudding-Präsident”, „Der schändliche Präsident“, „Der Teflon-Präsident“, „Der schäbige Präsident“, “Der Pattex-Präsident” und “Der schnorrende Präsident”) die Sommer-Offensive des Magazins. Spiegel-Chef Georg Mascolo erklärt in den Talkshows von Beckmann, Plasberg, Illner, Lanz, Maischberger, Will, Jauch und Domian, er habe sich schweren Herzens dazu durchgerungen, die Freiheit der Presse unter Einsatz seines Lebens zu verteidigen und dafür notfalls – wie Amts-Vorgänger Augstein – ins Gefängnis zu gehen. BILD-Chef Kai Diekmann und FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher kündigen an, Mascolo persönlich zum Tor der Haftanstalt Fuhlsbüttel-Nord begleiten zu wollen. RTL und Pro7 erklären, aus der riskanten Aktion die Doku-Soap „Ich bin ein Starjournalist, holt mich hier raus“ zu entwickeln.

 

30. Juni 2012: Kaum ist der Bundespräsident aus dem Norderney-Urlaub zurück, sieht er sich mit neuen Vorwürfen konfrontiert. Ein Wallenhorster Süßwarenladenbesitzer bestätigt gegenüber SpiegelOnline, dem 13jährigen Wulff im Frühjahr 1972 einen zinslosen Kredit für den Erwerb von Schaumzuckermäusen und Lakritzschnecken gewährt zu haben. Wulff, so das Online-Magazin, habe den Kredit später bei der Kreissparkasse Salzgitter-Süd in einen rollierenden Geldmarktkredit umgewandelt, um die Spur der Lakritzschnecken zu verwischen. Auch Bild am Sonntag berichtet von einem weiteren Begünstigungs-Fall: Wulff habe sich als Landesvorsitzender der Jungen Union Niedersachsen im März 1985 beim Starkbieranstich auf dem Münchner Nockherberg von Bauunternehmer Stefan Schörghuber zu einem großen Saftschorle einladen lassen. Der Original-Bierdeckel mit dem original Kugelschreiber-Strich der Bedienung liegt der Bild-Redaktion vor. Die Frankfurter Rundschau titelt: „Schreckt dieser Präsident denn vor gar nichts zurück?“

 

9. Juli 2012: Vor dem Bundespräsidialamt beginnt die erste Massendemonstration gegen Wulff. Laut Polizeiangaben haben sich über 200 Personen versammelt, um dem „Besatzer von Schloss Bellevue“ ihre Schuhe über den Zaun zu werfen. Die von adidas unterstützte Aktion löst eine wahre Flut von Anti-Wulff-Demonstrationen aus: Handschuhhersteller fordern die Bürger auf, dem Bundespräsidenten ihre (Fehde-)Handschuhe hinzuwerfen, Louis Vuitton bittet alle Demonstrantinnen, ihre Handtäschchen zu schleudern, es folgen Billabong, Jack & Jones, Calvin Klein, Boss, Bugatti, Aigner, Burlington, Levis und Schießer, doch schwere Rangeleien zwischen Samsung und Apple sowie verschiedenen Klingelton-Anbietern führen schließlich zu einer allmählichen Einschränkung solcher Protestformen. Auch die Deutsche Bahn muss ihr Sonderangebot für Berlinreisen wieder zurückziehen, da deutsche Autohersteller Wettbewerbsverzerrungen befürchten.

 

13. August 2012: In einer Nacht- und Nebelaktion lässt die Regierung Merkel einen Schutzwall um Schloss Bellevue errichten. Bei der anschließenden Regierungserklärung im Bundestag („Eine Stabilitätsunion ohne Mauer ist wie ein Haushalt ohne Schuldenbremse“) kommt es zum politischen Eklat. Die Grünen sowie die CDU-Abgeordneten Wellmann & Bellmann verlassen unter Protest den Plenarsaal, Oppositionsführer Gabriel wirft der Regierung Wagenburg-Mentalität vor, bietet der Kanzlerin aber gleichzeitig eine konstruktive Zusammenarbeit bei möglichen Passierscheinregelungen an. Die Linke ist hin- und hergerissen. Am Abend melden Stern-Reporter, ein bislang Unbekannter habe 1984 bei einem Lüneburger Bahnhofsbuchhändler die gesamte Stapelware des allerersten Wulff-Buches „Nur die Wahrheit. Nichts als die Wahrheit“ (erschienen im katholischen Gebetbuch-Verlag Dümmer See) aufgekauft. Anhand der Aussagen des Händlers lässt der Stern ein Phantombild des Käufers anfertigen. Das BKA wird ersucht, ein Fahndungsplakat herauszugeben.

 

11. September 2012: Mit einem Kleinflugzeug überfliegt der Vorsitzende der Liberalen, Philipp Rösler, die Mauer und landet im Garten von Schloss Bellevue, wo er sich an die Standarte des Dienst-Mercedes von Bundespräsident Christian Wulff ankettet. Die Aktion wird per livestream auf bild.de übertragen. Die Umfragewerte der FDP steigen auf 15 Prozent, BILD-Kolumnist Franz Josef Wagner nennt Rösler einen Freiheitskämpfer, worauf Wulff sich demonstrativ weigert, vor die Bundespressekonferenz zu treten.

 

3. Oktober 2012: Tag der Deutschen Einheit. Die ersten Stuhl-Reihen im Festsaal des Berliner Schlosses bleiben leer. Der Bundespräsident wird vom Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz und anderen christlichen Würdenträgern boykottiert. Nach einem Aufruf von Kardinal Verleger Döpfner, Wulff aus dem Amt zu streiken, legen die Berliner Korrespondenten ihre Arbeit für zwei Stunden nieder. Dieter Bohlen, Bushido und Florian Silbereisen erklären gemeinsam in BILD, einem solchen Präsidenten nie mehr die Hand schütteln zu wollen (es sei denn, er verleiht einen Bambi). Das FAZ-Feuilleton dokumentiert auf vier Seiten den Wortlaut der Allgemeinen Geschäftsbedingungen des Kreditvertrages mit der Kreissparkasse Salzgitter-Süd unter dem Titel „Die Systemfrage und das Kleingedruckte“. Die SZ veröffentlicht in ihrer Sonderbeilage „Verfassungspatriotismus“ eine synoptische Gegenüberstellung der Mailboxnachricht mit dem Grundgesetz. Die taz verschickt einen Fragebogen mit 400 detaillierten Fragen zur Mailbox von BILD-Chefredakteur Kai Diekmann. Diekmann antwortet im Rahmen einer doppelseitigen, von Springer bezahlten Anzeige in der taz.

 

11. November 2012: +++Breaking News+++ SpiegelOnline meldet, Bundespräsident Wulff habe auch bei der Chefredaktion von Bild der Frau angerufen und dort mit der sofortigen Abbestellung der Springer-Zeitung durch seine Frau gedroht (obwohl er, Wulff, diese für die Pressefreiheit so wichtige Zeitung immer ganz gern gelesen habe). Der Vorsitzende des Deutschen Journalistenverbandes, Michael Konken, sieht darin nicht nur einen Verstoß gegen die Pressefreiheit, sondern auch einen maßlosen Angriff auf die westliche Wertegemeinschaft. Gemeinsam mit Springer-Chef Döpfner fordert er die Anrufung der OECD-Menschenrechtskommission, des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte sowie des UN-Sicherheitsrats. BILD druckt am folgenden Tag die Schlagzeile „Jetzt reicht’s! Wie viele Skandale verheimlichen Sie uns noch, Herr Präsident?“

 

27. Dezember 2012: Endlich Weihnachten! Tage der Ruhe. Tage der Ruhe?? Nein. Die Jahresrückblicke der Fernsehstationen kennen Ende 2012 nur ein Thema. Andere Themen? Fehlanzeige.

 

Update 18.1.: Heute berichten Medien ohne jede Ironie von “neuen Vorwürfen”. Der gemeinsame Sohn von Christian und Bettina Wulff habe von einem Autohändler ein Bobby-Car geschenkt bekommen. Die “Staatskrise” könnte sich dadurch möglicherweise zu einer globalen Krise auswachsen. 


Rückt die FAZ nach links? Oder gibt das Feuilleton nur den Klassen-Clown?

8 Dezember 2011 um 11:28 • 49 Kommentarepermalink

Viele rätseln derzeit über den partiellen “Linkskurs” des konservativen Leitmediums. Vor allem der forsche Antikapitalismus im Feuilleton wirkt auf manche berauschend. Wird die Frankfurter Redaktion zum Zentrum der deutschen Occupy-Bewegung oder ist alles nur Schall und Rauch?

 

Frank Schirrmacher, der umtriebigste unter den FAZ-Herausgebern, hört bekanntlich das Gras wachsen. Und ich beginne zu glauben, dass er es sogar raucht. Überhaupt halte ich es für möglich, dass im Feuilleton der FAZ kollektiv jene Hortensien geraucht werden, die bei uns im Norden zu Tausenden aus den Einfamilienhaus-Gärten geklaut werden. Heide-Gras soll ja das politische Bewusstsein erweitern.

Mit einem Bewusstseins-Flash fing es in Frankfurt an. Mitten in der Krise, als sich die Empörten gerade auf den Marktplätzen der westlichen Finanzmetropolen (London, New York) zusammen zu rotten begannen, griff Frank Schirrmacher den luziden Gedanken eines britischen Konservativen auf, der mit britischem Understatement die rhetorische Frage gestellt hatte, ob die Linke mit ihren Kapitalismusanalysen nicht vielleicht doch recht gehabt habe.

Schirrmacher nahm die Scheinfrage Charles Moores ernst und konstruierte daraus einen typisch deutschen Gegensatz: den Gegensatz zwischen dem gutwilligen deutschen Bürgertum, das in seiner Naivität von den internationalen Spekulanten über den Tisch gezogen worden sei, und den böswilligen Finanzhaien, die die edlen Werte des Bürgertums für ihre fiesen Zwecke missbraucht hätten.

 

Eine berauschende Feuilleton-Rebellion  

Schirrmachers Text “Ich beginne zu glauben…” war ein genialer Debatten-Impuls, der im Netz – wo heute seine größten Fanboys sitzen – enormes Aufsehen erregte. Und Schirrmacher erklärte sein Statement hinterher nicht etwa zerknirscht zu einem Hysterie-bedingten „Ausrutscher“, nein, er setzte seinen Piraten-Kurs in der FAZ konsequent fort und präsentierte eine saftige Kapitalismuskritik nach der anderen. „Demokratie ist Ramsch“, schrieb er zornig über das politische Handling der Griechenlandkrise, und der Philosoph Jürgen Habermas sekundierte mit einer grundlegenden Kritik der antidemokratischen Europapolitik.

Schirrmacher ließ nicht locker. Er erteilte klugen und originellen Analytikern wie Jens Becker, Wolfgang Streeck, Michael Hudson und David Graeber das Wort („Die nächste Stufe der Finanzkrise“, „Was sind Schulden?“, „Und vergib uns unsere Schulden“ “Der Krieg der Banken gegen das Volk”). Er ließ die Analytiker sorgfältig herausarbeiten, dass Kreditgeber und Demokraten nicht immer die gleichen Interessen verfolgen, ja dass der Erfolg der einen oft die Niederlage der anderen war.

Überhaupt hielt sich nahm das Feuilleton nun kein ungerolltes Blatt mehr vor in den Mund: Schirrmacher lobte überschwänglich die Piratenpartei („Die Revolution der Piraten“) und verfluchte die Staatstrojaner-Politik der schwarz-gelben Bundesregierung („Außer Kontrolle“). Sein Kollege Nils Minkmar, frisch gebackener Feuilletonchef ab 2012, forderte im Zuge der Aufarbeitung des rechten Terrors gar die Abschaffung der unnützen Geheimdienste („Hauptsache, es macht peng!“). Albrecht Müller, der Gründer der NachDenkSeiten, schrieb über “die Lüge von der Systemrelevanz”, und die lange Zeit als Betonkommunistin ausgegrenzte Sahra Wagenknecht schlägt heute Wege aus der Krise vor, die eine Verstaatlichung und Zerschlagung von Banken mit einbeziehen (“Schluss mit Mephistos Umverteilung!”). Ist das FAZ-Feuilleton selbst “außer Kontrolle”?

Irritiert und beglückt über die neuen radikalen Verbündeten aus der alten bräsigen Papier-Welt reagierten viele Leser auf Twitter, Facebook und in Blogs geradezu euphorisch. Jeder möchte wissen, was im Feuilleton geraucht wird. Es scheint gute Qualität zu sein.

Aber ist die rauschhafte Revolte der “Kultur-Fuzzis” gegen den leitartikelnden Mainstream des eigenen Blattes überhaupt durchzuhalten? Werden die anderen Ressorts begeistert mitkiffen oder irgendwann doch den Antidrogen-Kommissar für den harten Entzug bestellen (wie seinerzeit beim Entfernen des unkontrollierbar gewordenen ZEIT-Feuilletonchefs Fritz Jöthe Raddatz)? Oder geht der Trip ganz von selbst wieder vorbei?

Ich erinnere mich, dass der Klassenclown meiner Schulzeit eines Tages, als er vorn an der Tafel stehend etwas erklären sollte, kurzerhand die Kreide nahm und sie durchs geöffnete Fenster aus dem dritten Stock in den Schulhof warf. Die Unterrichtsstunde musste abgebrochen werden, der Klassenclown war der Held des Tages. Er arbeitet heute als Dozent an einer Katholischen Universität in Bayern.

Mitte der achtziger Jahre, als ich bei der sozialdemokratischen Wochenzeitung Vorwärts das Kultur-Ressort leitete (und mich nebenbei auf der Seite 3 und im Wochenthema austoben durfte), ließ ich dort lauter Leute zu Wort kommen, die einer rot-grünen Zusammenarbeit das Wort redeten: prominente Schriftsteller, Musiker, Regisseure, Professoren, Friedensbewegte. Die SPD hatte die Formation rot-grün damals noch mit einem Tabu belegt. Und so kam eines Tages eine Abgesandte des Vorwärts-Herausgebers Egon Bahr in mein Büro und sagte: Wolfgang, ich glaube, du schreibst dich aus dem Blatt hinaus. Was dann auch wirklich so kam.

 

Schreibt sich Frank Schirrmacher aus der FAZ hinaus?

Legt es der führende intellektuelle Kopf der FAZ also darauf an, das Politik- und das Wirtschaftsressort gegen sich aufzubringen? Will er dem Blatt eine Wende verpassen? Hat er schon eine zweite Karriere im Hinterkopf? Oder schmeißt er nur die Kreide aus dem Fenster, um für etwas Unterhaltung und Abwechslung in der Krise zu sorgen?

Schirrmacher hat, das nährt meine noch nicht ganz weichen wollende Skepsis, bereits auf so vielen Trends und Themen gesurft – und die Wellen dafür zum Teil selbst erzeugt -, dass mir ein Bruch mit der streng konservativen FAZ-Kultur kaum vorstellbar erscheint. Bislang tolerieren die anderen Ressorts, von ein paar Sticheleien abgesehen, Schirrmachers Eskapaden generös – so lange er im Rahmen der Leser-Blatt-Bindung eine wichtige Zielgruppe im Netz erschließt, die in 20 Jahren treue und brave FAZ-Abonnenten auf dem iPad sein sollen. Vermutlich liebt er genau dieses Schillernde und Ambivalente und vorausschauend Fürsorgliche seiner Rolle. Er tanzt den Seinen (den Konservativen) auf der Nase herum und meint es doch nur gut mit ihnen.

 

Update 13.12.: Der Konflikt zwischen Feuilleton und Wirtschaftsteil der FAZ wird jetzt auch offen im Blatt ausgetragen. Otmar Issing, ehemaliges Direktoriumsmitglied der EZB, sieht in Schirrmachers Kurs eine Feuilleton-“Kampagne”: Unter dem Titel “Der Weg in die Knechtschaft” heißt es bei Issing: “Dieser Befund macht es den Kritikern leicht, die Politik in den Fängen des Finanzsektors zu sehen. Das Feuilleton der F.A.Z. scheint geradezu eine Kampagne unter diesem Motto zu führen.” 


Schäuble, Bismarck und die deutsche Tea-Party-Bewegung

8 September 2011 um 15:42 • 25 Kommentarepermalink

Der bürgerliche Widerstand gegen den Euro-Rettungsschirm wächst. Die Kanzlerinnenmehrheit wackelt. Und was tut die Regierung? Wird Wolfgang Schäuble – wie einst Bismarck – eine Blut-und-Eisen-Rede halten?

 

In den Kreisen des verunsicherten Bürgertums gärt es. Die Bürgerrechtlerin Vera Lengsfeld zählt bereits die Tage bis zum Jüngsten Gericht: noch neunzehn, noch achtzehn, noch siebzehn Tage – dann wird Europa zwangssozialistisch werden, bezahlt mit deutschem Geld.

Ein Propaganda-Video (‚gefeatured’ von Welt Online), das derzeit im Netz herumgeistert, warnt vor dem Untergang, in den uns die verblendete Kanzlerin führt. Was ihre Finanzexperten da unter dem Titel „Europäischer Stabilitätsmechanismus“ (ESM) ausbaldowert haben, sei der Ausverkauf der deutschen Demokratie an eine staatssozialistische, bürokratische Finanzoligarchie, die uns alle enteignen wird.

Das ist die Grundstimmung. Und in diesem Gärbottich finden alle, die schon lange gegen die Kanzlerin sind, endlich zusammen: marginalisierte ostelbische Landadelige, strenge Erzieher, Vertreter der Achse des Guten, Ex-Redakteure bürgerlicher Zeitungen, ewige Warner vor dem Werteverfall, erzkatholische Unternehmer, Anti-Islam-Prediger, Goldbarren-Horter, Brüssel-Hasser und all die übrigen Esoteriker der Gegenmoderne.

Jetzt haben wir sie – die deutsche Tea-Party-Bewegung: eine Bürgerwehr, die sich rechts von der (von Gott und von allen guten Geistern verlassenen) CDU in Vereinen, Allianzen, Instituten und zivilgesellschaftlichen Initiativen organisiert und vernetzt. Diese Bürgerwehr behauptet, der „Eurosozialismus“ werde unsere parlamentarische Demokratie (per Ermächtigungsgesetz) zerstören, um uns in die ewige Zins-„Knechtschaft“ zu führen. Stimmen die Bundestags-Abgeordneten der „Euro-Finanzdiktatur“ zu, dann „Gute Nacht Deutschland“. Deshalb: Empört Euch! Widersteht!!

Das zweifellos gut gemachte „Enthüllungs“-Video „Die Schuldenunion“ zeigt, dass man sich auf der Seite der Guten wähnt und für die gutbürgerliche Sache kämpft: den Erhalt unserer Demokratie, und das heißt: die Verteidigung unseres Geldes gegen die Kost- und Müßiggänger der EU.

Die deutsche Tea-Party-Bewegung fordert von ihren Abgeordneten ein klares Nein zum Crash-Kurs der Regierung. Sie sollen sich einer Politik verweigern, die unser Geld sinnlos verpulvert.

Da kommt den tapferen Bürgern sicher der stolze Kampf der Liberalen in den Sinn, die 1862 – in einem für Deutschland wirklich folgenreichen Verfassungskonflikt – gegen König & Kanzler aufbegehrten. Otto von Bismarck, der ostelbische Junker und spätere Reichsgründer, hatte in verfassungswidriger Weise eine Heeresreform gegen das Parlament durchgedrückt, so, wie die Bundesregierung, nach Meinung der Tea-Party-Bürger, die Euro-Rettungsmaßnahmen gegen den parlamentarischen Widerstand ihrer eigenen Leute durchdrücken will.

Es wird ein spannender Herbst. Und man wird sehen, ob Wolfgang Schäuble („Den Weg, den wir gehen, müssen alle gehen“) in der Krise, in gereizter Stimmung, vor den Abgeordneten den Bismarck gibt. Dieser hatte 1862, ebenfalls Ende September, in seiner berühmten Blut-und-Eisen-Rede deutlich gemacht, wie man eine Reichseinigung unter der Führung Preußens erzwingen kann:

„…nicht durch Reden oder Majoritätsbeschlüsse werden die großen Fragen der Zeit entschieden – das ist der große Fehler von 1848 und 1849 gewesen – sondern durch Eisen und Blut.“

Ein härteres Durchgreifen wäre sicher nach Schäubles Geschmack: die europäische (Reichs-)Einigung unter deutscher Führung, mit Wolfgang Schäuble als oberstem Gouverneursrat im ESM. Denn eines ist schon jetzt gewiss: Trotz des „salomonischen“ Urteils aus Karlsruhe wird die nächste Bankenkrise viel raschere Entscheidungen verlangen als sie ein Parlament oder ein Haushaltsausschuss seriös und verfassungskonform (und das heißt: nicht nachträglich!) erbringen können.

Und die deutsche Tea-Party-Bewegung? Sie wird – nach heftigem Protest – in Scharen und mit wehenden Fahnen zu ihrem neuen Bismarck überlaufen und das ganze Reden und die Majoritätsbeschlüsse nicht mehr so wichtig finden – wie schon der Großteil des aufbegehrenden Bürgertums in den sechziger Jahren des 19. Jahrhunderts.

Immer vorausgesetzt, die Reichseinigung gelingt.

Update: Jens Berger schreibt zum gleichen Thema

Lesen Sie dazu auch: Europa unter Druck – von rechts


Zwölf hoffentlich finale Thesen zur Zukunft des Journalismus

10 Juli 2011 um 13:44 • 17 Kommentarepermalink

Die Medien-Debatte dreht sich im Kreis. Eine gewisse Müdigkeit in der Argumentation ist nicht zu übersehen. Sanftes Plädoyer für eine Denk- und Debattenpause.

 

Ja doch, ich bewundere alle Kollegen, die sich ernsthafte Gedanken um die Zukunft des Journalismus machen. Aber – ehrlich gesagt – ich kann’s auch nicht mehr hören! Es kommt nicht mehr viel Neues. Hier – zusammengefasst – der aktuelle Stand der Erkenntnisse:

1. Der Journalismus der Zukunft wird den gegenwärtigen Journalismus eines Tages ablösen.

2. Zukunftsfähig wird Journalismus nur dann, wenn er die Gegenwart nicht als Bedrohung empfindet.

3. Journalisten, die heute nicht vernetzt sind, werden morgen in den Netzen nicht vorkommen.

4. Alle Untersuchungen deuten darauf hin, dass die Leser der Zukunft auch tatsächlich die künftigen Leser sind.

5. Die zunehmende Abwendung von den heutigen Medien bedeutet nicht, dass die Zuwendung zu den künftigen Medien nicht zunehmen wird.

6. Im Kampf um die Aufmerksamkeit werden sich Journalisten und Leser mehr anstrengen müssen.

7. Mit der wachsenden Orientierungslosigkeit der Journalisten wächst auch die Navigationsfreude der Leser. Und umgekehrt.

8. Die Nähe zum Geschehen wird die Distanz zu den Lesern bestimmen. Und umgekehrt.

9. Rückkopplungseffekte machen den Journalismus der Zukunft erst dialogfähig.

10. Leser und Journalisten werden immer häufiger die Rollen tauschen. Beide werden deshalb die Frage beantworten müssen: Was macht das mit uns?

11. Die Nachfrage nach Qualitäts-Angeboten wird künftig von der Bereitschaft abhängen, Qualitäts-Angebote auch tatsächlich nachzufragen.

12. Wer den Journalismus der Zukunft finanzieren wird, ist noch nicht raus.

Diese 12 Thesen sind selbstverständlich unbeschränkt einsetzbar, podiums- und massenkompatibel – und schmücken jeden weiteren Workshop, jedes Panel und jede Keynote zum Thema. Aber sind sie die ständige Wiederholung wirklich wert?

P.S. Denen, die trotzdem weiter über die Zukunft des Journalismus nachdenken wollen, möchte ich den ersten Satz des Wikipedia-Eintrags zur „Geschichte des Journalismus“ empfehlen (der eigentlich völlig ausreicht):

„Der Journalismus hat sich im Laufe seiner mehr als 2000 Jahre währenden Geschichte jeweils der neuesten Technologien bedient.“


Die fabelhaften Springer-Boys

26 Juni 2011 um 15:06 • 18 Kommentarepermalink

Beim Springer Verlag regiert eine „Wilde Reiter GmbH“. Eine… ähem… “junge Garde” aus Mittvierzigern, Mittfünfzigern und Mittsechzigern, die auf ihren virtuellen Harleys durch die Medienlandschaft brettert. Eine Mediensatire.


Schach

Springer-Selbstbild: Schach dem König!

 

Männliche Putztruppen gibt es in vielen Varianten. Mal treten sie als „Ocean’s Eleven“ auf, mal als „Die sieben Samurai“, mal als „Ladykillers“ und mal als „Die Halbstarken“. Der große Unterhaltungswert solcher Gruppen-Filme resultiert aus der Mischung extrem unterschiedlicher Charaktere – und aus der Tatsache, dass alle zusammen eine unschlagbare Seilschaft Einheit bilden.

Auch Mathias Döpfner, Kai Diekmann, Christoph Keese, Thomas Schmid und Manfred Hart, die fabelhaften Springer-Boys, kämpfen seit Jahren mit verteilten Rollen für die gerechte Sache. Sie wollen – endlich! – ihre eigene 68er-Revolution.

Der Anführer der Gruppe, Mathias Döpfner, markiert nach außen den starken Mann. Er würde sonst von seiner wilden Truppe nicht anerkannt. Er schlägt sich, wann immer er sich im Recht wähnt. Und er wähnt sich immer im Recht. Während seine Hausjuristen die letzten Feinheiten des Leistungsschutzrechtes durchspielen, poltert er gegen die Feinde im Internet, gegen die „spätideologisch verirrten Web-Kommunisten“, die seine Inhalte vergesellschaften wollen. Döpfners Hassliebe zu den 68ern, seine klammheimliche Bewunderung ihrer Methoden ist so stark in ihm verwurzelt, dass er immer wieder versucht, ihre Kulturtechniken zu imitieren: durch Sit-Ins auf Podien, durch Sprechchöre in den Medien, durch Provozieren und freches Dazwischenreden in den Mediendiensten. Obwohl seine äußerliche Eleganz und sein Max Raabe-Charme leicht darüber hinwegtäuschen, ist er dem Polterer Franz Josef Strauß nicht unähnlich. So wie der Bayer die eigene Doppelrolle liebte – Tyrann und Rebell zugleich zu sein – so liebt Döpfner das Anti-Autoritäre im Autoritären.

Kai Diekmann, der Zweite im Bunde, ist von anderem Kaliber. Er mimt den Clown in der Springerschen Putztruppe. Da es in jeder verschworenen Gemeinschaft einen geben muss, der die anderen mit Possen und Albernheiten bei Laune hält, hat Kai Diekmann die Rolle des Dieter Kunzelmann übernommen. Wie er mit diebischer Freude die taz vorführt, wie er lustvoll die Rampensau im Internet gibt, das dürfte bei den Herrenabenden im 19. Stock des Springer-Hochhauses immer wieder zu heftigem Schenkelklatschen und lustigem Gejohle führen. Kai Diekmann ist ohne Zweifel der begabteste Rocker der Truppe. Er rockt die Medien, den Papst, das eigene Geschlecht und sogar das widerspenstige Internet.

Extrem anders der Dritte im Bunde, Thomas Schmid. Er ist der dunkle Intellektuelle, der als Chefideologe die Losungen vorgibt und sich aus seiner großen Zeit als „Revolutionärer Kämpfer“ die nötige Intoleranz Strenge erhalten hat. Schmid sorgt dafür, dass immer genügend Windmühlen in der politischen Landschaft herumstehen, gegen die es sich zu kämpfen lohnt. Als politischer Renegat und Gruppen-Ältester hat er die Aufgabe, abends in den schweren Lederfauteuils die Geschichten aus der wilden Zeit zu erzählen, die bei den anderen die Sehnsucht weckt, auch mal so geil auszusehen wie Moritz Bleibtreu in Eichingers Baader-Meinhof-Verfilmung. Doch Schmid wäre nicht Schmid, wenn er die eigene Truppe nicht immer wieder trotzig aus ihren Träumen reißen würde, um sie auf den „Leuchtenden Pfad“ der Erkenntnis zu führen. Er weiß am besten, wie eine Revolution als Farce inszeniert wird. Zwar reicht seine Performance nicht ganz an die von Marlon Brando als Don Corleone heran, aber die Rolle des Professor Marcus in „Ladykillers“ wäre ihm zweifellos auf den Leib geschrieben.

Manfred Hart, der erfolgreiche Chef von Bild.de, ist der Smarte im Hintergrund. Derjenige, der jede Aufgabe, die man ihm überträgt, professionell, geräuschlos und unaufgeregt erledigt. In seiner  Schülerzeitungszeit hat er gelernt, wie man CDU-Anzeigen wegen „Verunglimpfung von Verfassungsorganen“ unbeschadet übersteht: Im Zweifel ist einfach alles Satire. Hart ist der Pragmatiker, der in einer Springer-Komödie („Matthias’ Eleven“?) die Pässe besorgen und den reibungslosen Ablauf des Unternehmens überwachen würde. Obwohl er seinen jüngeren Kumpels die 68er-Maskerade nicht so recht abnimmt, steht er loyal zu allem, was sie tun. Er ist nach außen der Unscheinbarste – aber vermutlich der Cleverste.

Bleibt als Letzter Christoph Keese, der Kleinste im Bunde. Als Außenminister der Truppe, als Mann für die „öffentlichen Affären“ (der anderen Gruppenmitglieder) verfügt er nicht nur über den so wichtigen Welpenschutz innerhalb der Wilden Reiter GmbH, er genießt auch, wie alle Außenminister, den Charme-Bonus die Charme-Boni des professionellen Vermittlers. Keese bügelt glatt, was die anderen rhetorisch vermasseln, er bezahlt die Kollateralschäden und trocknet – wenn keine Wurf-Tassen zur Verfügung stehen – die Tränen der Geschundenen. Er umtänzelt alle Wichtigen und lockt die Widerstrebenden. Seiner Geschmeidigkeit und seiner Arbeitsfreude verdanken die anderen den Anstrich von Seriosität und Kontinuität.

Alle fünf passen so ideal zusammen wie die legendären Bonanza-Boys auf der Ponderosa-Ranch. Nimmt man deren mediale Langlebigkeit zum Maßstab, so werden uns Thomas (Ben Cartwright), Mathias (Adam), Kai (Hoss), Christoph (Little Joe) und Manfred (Hop Sing) noch lange mit ihren tollen Abenteuern erfreuen. Das einzige, was den Fünfen auf ihrer Springer-Ranch wirklich fehlt, ist die Mutter. Denn Friede scheint diese Rolle nicht so recht ausfüllen zu wollen.


Der Video-Beweis oder: Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte

12 Mai 2011 um 17:04 • 2 Kommentarepermalink

Die Vermutung, dass die “Terrorvilla” in Abbottabad die modernste und gefährlichste Kommandozentrale der Welt gewesen ist, konnte jetzt durch „Videobeweis“ zweifelsfrei belegt werden. Eine Satire.

 

Auch wenn der Anblick der Bilder für viele „grausig“ erscheinen mag – der Westen muss seine Scheu überwinden und der realen Fratze des Terrors ins Gesicht sehen. Das vorgelegte Video beweist nicht nur die Existenz Bin Ladens (deutlich zu erkennen: das Muttermal auf der rechten Oberlippe), es zeigt auch, wie raffiniert dieser Stratege des Terrors die Welt täuschte und in die Irre führte.

 

Der Video-Beweis (Quelle: YouTube)

 

Im Hintergrund des Bildausschnitts sehen wir das hypermoderne Kommando- und Kontrollzentrum Bin Ladens, ausgestattet mit allen nur erdenklichen technischen Schikanen (CIA-Chef Leon Panetta musste seinen Mitarbeitern bei der jüngsten Betriebsversammlung in Langley versprechen, den Dienst entsprechend aufzurüsten, um im Kampf gegen den Terror einigermaßen auf Augenhöhe zu bleiben).

Auf der linken Seite des militärisch-industriellen Schreibtischkomplexes erkennen wir einen mit normalen Mitteln kaum zu ortenden iServer der neuesten Generation. Rechts neben ihm ein Hochleistungs-Meme-Tracker, der kraft eines vertikal verlegten LTE-Glasfaserkabels direkt an den fliegenden Tarnkappen-Teppich des Terrorfürsten angeschlossen ist. Es handelt sich dabei um eine derart komplex aufgebaute Schaltung, dass eine gigantische Mehrfachsteckdose (untere Bildmitte) für den reibungslosen Betrieb erforderlich ist.

Mit einer zur Fernbedienung umgebauten Havanna-Zigarre (ein Geschenk Fidel Castros?) steuerte Bin Laden offenbar nicht nur das Fluggerät, er verschickte auch gleichzeitig mittels kaum wahrnehmbarer Nickbewegungen verschlüsselte Botschaften an Al-Kaida-Schläfer auf der ganzen Welt.

Links auf dem goldenen Beistelltisch neben dem militärisch-industriellen Schreibtischkomplex erkennen wir das berühmte Goldene Buch, in das sich alle zwischen Afghanistan und Pakistan verkehrenden Fahrradkuriere mit vollem Kampfnamen eintragen mussten.

Das prächtige bläuliche „Polsterstück“ unten links im Bild vermittelt uns einen Eindruck von den opulenten Stickereien und Verzierungen, die in dieser märchenhaft ausgestatteten Luxusherberge in allen drei Riesen-Stockwerken überreichlich vorhanden waren. Die Dechiffrierabteilung der NSA glaubte zwar zunächst, eine Bettwurst vor sich zu haben, doch übereinstimmende Aussagen der Navy Seals lassen darauf schließen, dass es sich um eine 300-Millimeter-Mikrowellen-Kanone handelt. Eine endgültige Verifizierung war nicht möglich, da das gute Stück wegen der vermuteten arabischen Geheimbotschaften auf seiner Oberfläche unmittelbar nach der Operation nach islamischem Ritus seebestattet werden musste.

Auffällig ist ferner der ausladende Brokatmantel (Größe 58), den Bin Laden bei diesen Aufnahmen trägt. Ausbuchtungen am Nacken und an den Schulterblättern lassen darauf schließen, dass unter dem „intelligenten Kleidungsstück“ ein Keramikplattenpanzer zum Schutz gegen Drohnenangriffe verborgen ist (Bin Laden hatte 5 Ehefrauen!), ebenso ein Exo-Skelett, das dem Träger durch ein ausgeklügeltes System von Minicomputern und Sprungfedern sechsfache Muskelkräfte verleiht. Ein am linken Unterarm befestigter Wassersack (Wölbung am unteren Bildrand) ist mit einem supraleitfähigen Trinkschlauch verbunden, der von der Zisterne auf dem Dach des villenartigen Anwesens direkt in den Ärmelschoner führt. Nährstoffpflaster in den Innentaschen versorgen den Träger über Wochen mit Nahrung; Minisensoren im Kragen überwachen den Gesundheitszustand des Kämpfers rund um die Uhr. Durch eingenähte Fotozellen und Reflektoren ist der Mantel in der Lage, seine Farbe zu wechseln wie ein Chamäleon. Außerdem verhindert er die Wärmeabstrahlung des Körpers, so dass Bin Laden – unbemerkt von den Infrarotkameras der CIA – in seiner Kommandozentrale schalten und walten (= zappen) konnte, wie es ihm gefiel.

Am aufschlussreichsten aber ist zweifellos der ungewöhnliche Helm Bin Ladens. Die aus der Kunstfaser Aramid gefertigte Tarnkappe enthält nicht nur den Stromgenerator zur Versorgung des Funkgeräts, des Restlichtverstärkers, des Navigationssystems und des Headsets, sie diente dem gefährlichsten Mann der Welt auch dazu, unsichtbar an den Sitzungen des pakistanischen Geheimdienstes teilzunehmen.

Im Grunde wird dem unvoreingenommenen Zuschauer erst durch diese Aufnahmen bewusst, wie heldenhaft die Operation der Navy Seals gegen den bis an die Zähne bewaffneten Terrorfürsten in seiner schier uneinnehmbaren und luxuriös gesicherten Villen-Festung war. Es laufen einem noch immer kalte Schauer über den Rücken, wenn man bedenkt, dass es in diesen verschwenderisch üppig ausgestatteten Gemächern freiliegende Mehrfachsteckdosen zur parallelen Stromversorgung aller nur denkbaren Endgeräte gab.


Wo bin ich?

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