Frontalangriff auf den Datenschutz

4 Mai 2015 um 20:19 • 1 Kommentarpermalink

Wer die Privatsphäre zu sehr schützt, schützt am Ende Terroristen. Das sagt der Chefkommentator der „Welt“. Besser hätte es der BND auch nicht formulieren können.

 

Ab und zu lassen die Chefredaktionen in ihren Zeitungen Leute schreiben, die die Aufgabe haben, für ordentlich Wumms zu sorgen.

Die Welt provoziert besonders gern. Bei Springer kaufen sie sogar gezielt Leute ein, die früher mal gegen Springer waren (Wolf Biermann z.B.). Da kann man nur den Hut ziehen. Das hat eine gewisse Größe. Böse Leute meinen zwar, das sei eine besondere Form der Verachtung („Ich scheiß dich sowas von zu mit meinem Geld…) – aber Zeithistoriker halten es für eine psychologisch erklärbare Form der Vergangenheitsbewältigung, und Versicherungsmathematiker erkennen in dieser Personalpolitik sogar eine kluge Vorsorgestrategie gegen künftige „Enteignet Springer!“-Rufe. Es kann aber auch sein, dass Springer einfach alle vom Markt kauft, die vom lieben Gott mit so viel Chuzpe und dicker Haut gesegnet wurden, dass sie sogar Shitstorms „mit Würde“ (Hl. Franziskus!) zu ertragen wissen.

In der Welt haben sie jetzt einen für die Vorratsdatenspeicherung plädieren lassen. Jemand, der sogar als „Chefkommentator“ (und Ex-Berater des Bundeskanzleramtes) ausgewiesen ist (Cheftrolle gibt’s ja noch nicht). Dieser Chef will also Tacheles reden und plädiert nicht für drei, auch nicht für sechs Monate Vorratsdatenspeicherung, er plädiert für 10 JAHRE Vorratsdatenspeicherung! Damit man hinterher weiß, wer die Täter sind. Denn vorher nützen die Daten ja eher selten. Siehe Terroranschläge. Siehe NSU.

Da trifft es sich gut, dass Anschlagsvorbereitungen mutmaßlicher Terroristen immer dann aufgedeckt und vereitelt werden, wenn der BND oder ein anderer Dienst gerade tief in der Bredouille stecken. Dann bekommen wir aus Journalistenmund im Basta-Stil zu hören, dass unsere Gesellschaft ohne Vorratsdatenspeicherung und ohne Kooperation der Geheimdienste absolut verloren wäre.

„Die Vorratsdaten müssen her, und das nicht nur sechs Monate, sondern auf zehn Jahre. Wer Terrorist ist, weiß man vorher nie so genau, ähnlich wie bei Steuerhinterziehern. Aber wenn man es von einer Minute zur anderen weiß, muss sofort das komplette Bild greifbar sein. Wer das nicht will, soll ehrlich sagen: Für meine Freiheit müssen notfalls andere sterben.“

Nach meinem Verständnis heißt das, dass sich Leute, die gegen die Vorratsdatenspeicherung sind, künftig den Vorwurf der fahrlässigen Tötung oder der unterlassenen Hilfeleistung gefallen lassen müssen. Datenschützer, die weiter auf dem Schutz der Privatsphäre bestehen, werden zu kaltschnäuzigen Egoisten erklärt, die den Tod unschuldiger Menschen in Kauf nehmen und den Terroristen mit ihrer blöden Grundrechtsfrömmelei indirekt auch noch Beihilfe leisten. Also lautet die Überschrift des Welt-Kommentars:

„Wenn Datenschutz zum Terroristenschutz wird“

Mit einer derart perfiden Wenn-Dann-Verknüpfung lässt sich natürlich irgendwann auch der Minderheitenschutz aushebeln, der Umwelt-, der Arbeits- oder der Verbraucherschutz. Im Grunde jeder Schutz, der dem Bürger dient und nicht dem „Staatswohl“.

P.S. Oliver García beschreibt die jüngsten Pro-VDS-Kommentare als gezielte Kampagne.


Politico oder: Das Märchen von der europäischen Öffentlichkeit

22 April 2015 um 11:19 • 7 Kommentarepermalink

Nun gibt es endlich den europäischen Ableger des supererfolgreichen US-Magazins Politico. Und Mitgesellschafter Springer haut dazu kräftig auf die Pauke. Ist der PR-Lärm berechtigt? Entsteht eine „europäische Öffentlichkeit“?

 

Medien, so Jürgen Trittin kurz nach seinem Ausscheiden aus der ersten Reihe der Politik, sind nicht die Kontrolleure der Macht, sondern Teil der Macht. Das müsse man immer im Hinterkopf behalten, wenn man aktiv Politik betreibe. Deshalb schrieb sich der Grüne seine Erkenntnis auch erst von der Seele, als er mit der aktiven Politik fertig hatte. Vorher, in seiner Zeit als Umweltminister und Sprecher der Grünen, wäre eine solche Äußerung wohl kontraproduktiv gewesen, denn Politik und Medien sind aufeinander angewiesen.

Diesen besonderen Umstand des gegenseitigen Aufeinanderangewiesenseins machte sich das Washingtoner Erfolgs-Startup Politico von Beginn an zunutze, ja es machte das Aufeinanderangewiesensein zu seinem entscheidenden Programm-Inhalt.

Denn Politico ist kein gewöhnliches Online-Medium für die breite Öffentlichkeit, es ist eine politische Pressure Group, eine Art Think Tank oder Beratungsinstitut, das sich geschickt als Medium zu verkleiden weiß. Frederick J. Ryan Jr., der in den neunziger Jahren Stabschef des Weißen Hauses unter Ronald Reagan war und seinem Chef auch danach noch politisch verbunden blieb, hat die Website Politico 2007 mitgegründet und durch einige Deals auch mit großgezogen (heute ist er Herausgeber der Washington Post). Ryan ist ein vom Politikbetrieb outgesourcter Medienmacher, der, wie man heute gern sagt, politisch „bestens vernetzt“ ist und immer die richtigen Verbindungen pflegt. Die ehrgeizige White House-Reporterin Zoe Barnes aus der US-Serie „House of Cards“ wäre in echt sicher White House-Reporterin bei Politico.

Nun also startet das politische Wundermagazin aus Washington seine lange angekündigte transatlantische Ausgabe, und dieses Ereignis wird uns – wieder einmal – als die große „Medienrevolution“ verkauft, als Geburtsstunde einer „europäischen Öffentlichkeit“, herausragend „durch eine andere Form von Journalismus“.

 

Preis für ein Jahresabo: 7500 Dollar

Natürlich könnte man sich als Europäer selbstkritisch fragen, warum ausgerechnet amerikanische Verleger auf die Idee verfallen mussten, eine europäische Öffentlichkeit herstellen zu wollen, aber der Streit um TTIP, Snowden und Google zeigt ja, dass in Europa etwas gewaltig schief läuft. Dass die Europäer bzw. ihre gewählten Politiker offenbar bessere und richtigere Informationen brauchen als die, die sie bislang zur Verfügung haben. Und damit kommen wir zum eigentlichen Zweck des Groß-Unternehmens politico.eu.

Wie Christoph Keese, der „Executive Vice President“ des Springer-Verlags (der 50 Prozent am europäischen Politico-Projekt hält), in einem aufschlussreichen Interview mit Vera Linß klarstellte, geht es Politico gar nicht so sehr um die Herstellung einer breiten europäischen Öffentlichkeit, sondern eher um die mediale Versorgung einer kleinen Elite von EU-Entscheidungsträgern mit Argumentationshilfen und so genanntem Hintergrundwissen. Christoph Keese:

„POLITICO besteht aus mehreren Produkten. Das eine ist eine parlamentstäglich erscheinende Zeitung. Die gibt es dort kostenlos. Die wird finanziert durch Anzeigen, also ein relativ traditionelles Modell, das aber nicht den wichtigsten Teil des Umsatzes darstellt. Der wichtige Teil des Umsatzes ist die Webseite. Und die Website besteht aus zwei Teilen, einem offenen Teil, werbefinanziert, auf den jeder drauf gehen kann, wo aber nur ein Bruchteil dessen steht, was die journalistisch produzieren. Der wichtige Teil (!), und hier liegt die Innovation, ist die Berichterstattung über bestimmte Themengebiete, die so genannten Verticals, zum Beispiel zu den Themen Energiewirtschaft, Gesundheitswirtschaft, IT-Technologie oder Kartellrecht. Zu diesen Themengebieten beschäftigt POLITICO dramatisch mehr Journalisten als die Konkurrenz. Um ein Beispiel zu nennen: Obamacare, die große Gesundheitsreform der USA, wird von den traditionellen Medien „Washington Post“ oder „New York Times“ mit ungefähr ein bis zwei Redakteuren begleitet. POLITICO deckt dieses Themengebiet mit 12 oder 13 Leuten ab, es ist also ein enormer Aufwand, der da getrieben wird. Dafür erfahren die Profis, die es benötigen, alles, was sie für ihre Arbeit brauchen und bezahlen dafür einen exorbitant hohen Abopreis, 7500 Dollar pro Jahr. Dieser Preis wirkt auf den ersten Blick absurd hoch, ist aber aus Sicht derjenigen, die ihn zahlen, eigentlich niedrig, weil sie dadurch in den Genuss von Informationen kommen, die sie ganz dringend brauchen, aber sich auf anderem Wege nicht zusammenstellen könnten.“

Im Stammland von Politico, in den USA, bestehe die ideale Zielgruppe für diese Superinformationen aus zwei Personen: dem Stabschef des Weißen Hauses und dem Mehrheitsführer des Kongresses. Für diese beiden schreibe Politico oder besser gesagt: diese beiden sollte jeder Politico-Mitarbeiter als potentielle und ideelle Adressaten immer vor Augen haben.

Auf europäische Verhältnisse übertragen wären das laut Keese nicht zwei, sondern vier Personen: EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker, der Präsident des Europäischen Rats, Donald Tusk, Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Staatspräsident Francois Hollande. Diese vier, plus Mitarbeiter, Zuträger, Einflüsterer und Kritiker (und nicht etwa die normalen EU-Bürger) sind die Zielgruppe, die das europäische Politico mit seinen „Vertical“-Dossiers erreichen möchte. Zu diesem Zweck sollen die vielen Brüsseler Redakteure bei den EU-Hinterbänklern, EU-Bürokraten, Ausschuss-Mitgliedern und Fachleuten vorstellig werden und das dort gesammelte Wissen zu gewaltigen, aber leicht lesbaren Dossiers verarbeiten, die für politische Richtungs-Entscheidungen (etwa in den Themenfeldern Gesundheitswirtschaft, Energiewirtschaft oder Informationstechnologie) wichtig sein könnten.

 

Kritik und Pflege der politischen Landschaft

Die teure Variante von Politico wäre mithin eine Art Nachrichten-Special für die EU-Elite und für amerikanische Firmen, ein stratfor-Newsletter, ein wissenschaftlicher Dienst oder eine kuratierte Pressemappe im Sinne der Pflege und Durchdringung der politischen Landschaft. Damit die Parlamentarier und ihre Mitarbeiter, die EU-Bürokraten in Brüssel und die Entscheidungsträger in den nationalen Parlamenten die richtigen „Echtzeit-Informationen“ in ihren Postfächern finden. Das mag strategisch und ökonomisch durchaus vernünftig klingen, aber ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, wie man die politischen Service-Leistungen und den angeschlossenen Journalismus da noch sauber voneinander trennen kann.

Andererseits: 7500 Euro für ein Jahresabo!? Bezahlt aus Mitteln der EU (aus Steuergeldern)? Ein tolles Geschäftsmodell.


FAZ, Vorratsdatenspeicherung, Burnout, Wulff und die fabelhaften Springer-Boys

24 Dezember 2011 um 11:46 • 3 Kommentarepermalink

Natürlich ging es 2011 auch noch um andere wichtige Themen – um die Krise Europas z.B. oder den Arabischen Frühling. Doch die oben genannten „Big Five“ fanden auf dieser Seite das meiste Interesse.

 

Liebe Leserinnen, liebe Leser und Kommentatoren,

die wilden Springer-Boys brettern ungeniert auf ihren schweren Harleys durch die Medienlandschaft, die FAZ stellt die Systemfrage, die Leitmedien fordern mehr Anstand und Moral in der Politik, im freien Netz macht sich Erschöpfung breit und die SPD demonstriert auf ihren Parteitagen, warum sie schon drei verwandte Parteien (Grüne, Linke, Piraten) neben sich dulden muss. Es waren diese Themen, die Sie im abgelaufenen Jahr am meisten interessierten:

 

1. Die fabelhaften Springer-Boys

2. Rückt die FAZ nach links? Oder gibt das Feuilleton nur den Klassen-Clown?

3. Wulff muss weg!! Über die moralische Radikalisierung der Öffentlichkeit

4. Burnout im Netz?

5. Die SPD und ihre innere Haltung zur Vorratsdatenspeicherung. Ein Lehrstück

 

Vermutlich werden uns diese Themen auch im kommenden Jahr beschäftigen. Wie können, sollen und werden sich Medien, Politik und Internet zueinander verhalten? Welche Umbrüche und Entwicklungen sind erkennbar? Und welche Prophezeiung wird sich als richtig erweisen: Die der Maya (Weltuntergang 2012), die der Leitartikler (Euro am Abgrund) oder die der Nerds (iPad 4 mit drei Kameras und einem USB-Anschluss)?

Ich wünsche Ihnen frohe Festtage, ausreichend Zeit zum Vor-sich-hin-Schildkröteln und einen sicheren Rutsch ins neue Jahr.

Ihr Wolfgang Michal

 


Die fabelhaften Springer-Boys

26 Juni 2011 um 15:06 • 18 Kommentarepermalink

Beim Springer Verlag regiert eine „Wilde Reiter GmbH“. Eine… ähem… „junge Garde“ aus Mittvierzigern, Mittfünfzigern und Mittsechzigern, die auf ihren virtuellen Harleys durch die Medienlandschaft brettert. Eine Mediensatire.


Schach

Springer-Selbstbild: Schach dem König!

 

Männliche Putztruppen gibt es in vielen Varianten. Mal treten sie als „Ocean’s Eleven“ auf, mal als „Die sieben Samurai“, mal als „Ladykillers“ und mal als „Die Halbstarken“. Der große Unterhaltungswert solcher Gruppen-Filme resultiert aus der Mischung extrem unterschiedlicher Charaktere – und aus der Tatsache, dass alle zusammen eine unschlagbare Seilschaft Einheit bilden.

Auch Mathias Döpfner, Kai Diekmann, Christoph Keese, Thomas Schmid und Manfred Hart, die fabelhaften Springer-Boys, kämpfen seit Jahren mit verteilten Rollen für die gerechte Sache. Sie wollen – endlich! – ihre eigene 68er-Revolution.

Der Anführer der Gruppe, Mathias Döpfner, markiert nach außen den starken Mann. Er würde sonst von seiner wilden Truppe nicht anerkannt. Er schlägt sich, wann immer er sich im Recht wähnt. Und er wähnt sich immer im Recht. Während seine Hausjuristen die letzten Feinheiten des Leistungsschutzrechtes durchspielen, poltert er gegen die Feinde im Internet, gegen die „spätideologisch verirrten Web-Kommunisten“, die seine Inhalte vergesellschaften wollen. Döpfners Hassliebe zu den 68ern, seine klammheimliche Bewunderung ihrer Methoden ist so stark in ihm verwurzelt, dass er immer wieder versucht, ihre Kulturtechniken zu imitieren: durch Sit-Ins auf Podien, durch Sprechchöre in den Medien, durch Provozieren und freches Dazwischenreden in den Mediendiensten. Obwohl seine äußerliche Eleganz und sein Max Raabe-Charme leicht darüber hinwegtäuschen, ist er dem Polterer Franz Josef Strauß nicht unähnlich. So wie der Bayer die eigene Doppelrolle liebte – Tyrann und Rebell zugleich zu sein – so liebt Döpfner das Anti-Autoritäre im Autoritären.

Kai Diekmann, der Zweite im Bunde, ist von anderem Kaliber. Er mimt den Clown in der Springerschen Putztruppe. Da es in jeder verschworenen Gemeinschaft einen geben muss, der die anderen mit Possen und Albernheiten bei Laune hält, hat Kai Diekmann die Rolle des Dieter Kunzelmann übernommen. Wie er mit diebischer Freude die taz vorführt, wie er lustvoll die Rampensau im Internet gibt, das dürfte bei den Herrenabenden im 19. Stock des Springer-Hochhauses immer wieder zu heftigem Schenkelklatschen und lustigem Gejohle führen. Kai Diekmann ist ohne Zweifel der begabteste Rocker der Truppe. Er rockt die Medien, den Papst, das eigene Geschlecht und sogar das widerspenstige Internet.

Extrem anders der Dritte im Bunde, Thomas Schmid. Er ist der dunkle Intellektuelle, der als Chefideologe die Losungen vorgibt und sich aus seiner großen Zeit als „Revolutionärer Kämpfer“ die nötige Intoleranz Strenge erhalten hat. Schmid sorgt dafür, dass immer genügend Windmühlen in der politischen Landschaft herumstehen, gegen die es sich zu kämpfen lohnt. Als politischer Renegat und Gruppen-Ältester hat er die Aufgabe, abends in den schweren Lederfauteuils die Geschichten aus der wilden Zeit zu erzählen, die bei den anderen die Sehnsucht weckt, auch mal so geil auszusehen wie Moritz Bleibtreu in Eichingers Baader-Meinhof-Verfilmung. Doch Schmid wäre nicht Schmid, wenn er die eigene Truppe nicht immer wieder trotzig aus ihren Träumen reißen würde, um sie auf den „Leuchtenden Pfad“ der Erkenntnis zu führen. Er weiß am besten, wie eine Revolution als Farce inszeniert wird. Zwar reicht seine Performance nicht ganz an die von Marlon Brando als Don Corleone heran, aber die Rolle des Professor Marcus in „Ladykillers“ wäre ihm zweifellos auf den Leib geschrieben.

Manfred Hart, der erfolgreiche Chef von Bild.de, ist der Smarte im Hintergrund. Derjenige, der jede Aufgabe, die man ihm überträgt, professionell, geräuschlos und unaufgeregt erledigt. In seiner  Schülerzeitungszeit hat er gelernt, wie man CDU-Anzeigen wegen „Verunglimpfung von Verfassungsorganen“ unbeschadet übersteht: Im Zweifel ist einfach alles Satire. Hart ist der Pragmatiker, der in einer Springer-Komödie („Matthias’ Eleven“?) die Pässe besorgen und den reibungslosen Ablauf des Unternehmens überwachen würde. Obwohl er seinen jüngeren Kumpels die 68er-Maskerade nicht so recht abnimmt, steht er loyal zu allem, was sie tun. Er ist nach außen der Unscheinbarste – aber vermutlich der Cleverste.

Bleibt als Letzter Christoph Keese, der Kleinste im Bunde. Als Außenminister der Truppe, als Mann für die „öffentlichen Affären“ (der anderen Gruppenmitglieder) verfügt er nicht nur über den so wichtigen Welpenschutz innerhalb der Wilden Reiter GmbH, er genießt auch, wie alle Außenminister, den Charme-Bonus die Charme-Boni des professionellen Vermittlers. Keese bügelt glatt, was die anderen rhetorisch vermasseln, er bezahlt die Kollateralschäden und trocknet – wenn keine Wurf-Tassen zur Verfügung stehen – die Tränen der Geschundenen. Er umtänzelt alle Wichtigen und lockt die Widerstrebenden. Seiner Geschmeidigkeit und seiner Arbeitsfreude verdanken die anderen den Anstrich von Seriosität und Kontinuität.

Alle fünf passen so ideal zusammen wie die legendären Bonanza-Boys auf der Ponderosa-Ranch. Nimmt man deren mediale Langlebigkeit zum Maßstab, so werden uns Thomas (Ben Cartwright), Mathias (Adam), Kai (Hoss), Christoph (Little Joe) und Manfred (Hop Sing) noch lange mit ihren tollen Abenteuern erfreuen. Das einzige, was den Fünfen auf ihrer Springer-Ranch wirklich fehlt, ist die Mutter. Denn Friede scheint diese Rolle nicht so recht ausfüllen zu wollen.


Wo bin ich?

You are currently browsing entries tagged with Springer at Wolfgang Michal.