Wulff muss weg!! Über die moralische Radikalisierung der Öffentlichkeit

19 Dezember 2011 um 15:51 116 Kommentare

Der Bundespräsident steckt in der Kreditklemme. Und alle fordern: Weg mit ihm. Verliert die öffentliche Empörungskultur die Realität aus den Augen?

 

1. Der Pawlowsche Reflex scheint zum Markenzeichen der Netzöffentlichkeit zu werden: Sobald die Herren der Leitmedien kräftig mit ihren Schreibarmen ausholen, rennt das Bloggerrudel den geworfenen Stöckchen laut kläffend hinterher und apportiert sie in freudigster Erregung. Es ist ein Verhalten, das nur noch in Nuancen zu unterscheiden ist von den hechelnden Kommentatoren, die sich in den Foren der Großmedien über „die da oben“ austoben. Es ist das Verhalten von Wadenbeißern. Man orientiert sich an den Vorgaben des Chefs und versucht ihn moralisch zu übertreffen. Das heißt: Wo einst im Netz Gegen-Öffentlichkeit war, ist Verstärker-Öffentlichkeit entstanden. Das Netz ist kein Korrektiv der Vierten Gewalt mehr, sondern ihr verlängerter Arm. Es dient den Leitmedien als Publikumsjoker.

 

2. Der sichtbare Trend zum moralischen Rigorismus könnte aber auch ganz anders interpretiert werden: Nicht die Blogger und Twitterer haben sich den Leitmedien angepasst, sondern die Leitmedien den Bloggern und Twitterern. Herausgefordert durch deren kräftige (oft populistische) Sprache, greifen nun auch etablierte Medien immer häufiger zu drastischen Begriffen und Vergleichen, fordern eilends Rücktritte und rigorose Konsequenzen, und zelebrieren die unfreiwilligen Abgänge aus dem öffentlichen Leben als reinigende Buß- und Sühneopfer fürs Volk. Kommentare in Leitmedien sind deshalb kein abwägendes „Wischi-Waschi“ mehr, sondern drastische, dramatisierende, oft hemmungslos übertreibende Ermahnungen, Urteile und Orakel. In der verschärften Konkurrenz mit den freien Netz-Autoren, die sich ihre Leserschaft durch besondere Originalität, Streitlust oder Theatralik erschreiben, haben die etablierten Medien kräftig dazu gelernt. Sie werfen nicht mehr nur ihre Stöckchen – sie rennen auch gleich laut kläffend hinterher. Anders als früher sind die Leitmedien nicht mehr die ängstlichen Kritiker der „Netz-Meute“, sondern konkurrieren mit der „Meute“ um die größtmögliche moralische Empörung. Es geht einfach darum, wer lauter und durchdringender kläfft, und wer als erster die Beute zu fassen bekommt. Der Lärm, den die etablierten Medien dabei veranstalten, hat viele Blogger nachhaltig beeindruckt. Manche ziehen verdutzt den Schwanz ein, andere wechseln die Seiten oder versuchen, lärmtechnisch mitzuhalten. Netzautoren und etablierte Medien belauern sich nicht mehr voller Misstrauen, sie feuern sich gegenseitig an und steigern auf diese Weise ihre populistische Macht. Heraus kommt ein Moralwächtertum, das oft weniger dem öffentlichen Leben nützt als der eigenen Sache.

 

3. In der Krise ist häufig zu hören, dass sich die entfesselten Finanzmärkte von der Realwirtschaft gänzlich abgekoppelt hätten. Könnte es nicht sein, dass auch die Medien in ihrem verschärften Konkurrenzkampf um Einfluss, Deutungshoheit und Kundschaft die Realwelt hinter sich gelassen haben, indem sie aus jedem Skandal-Mäuschen mittels geschickter „Verbriefung“ (= Aufbauschen und Hochjubeln) einen Moral-Elefanten machen? Vor allem die privatwirtschaftlich organisierten Leitmedien vertreten heute in Benimmfragen ein moralisches Jakobinertum, das sich selbst die Katholische Kirche nicht mehr von den Kanzeln zu predigen traut, während öffentlich-rechtliche Medien auffallend oft einen kühlen Kopf bewahren (Es kann sich dabei natürlich auch um reine Bequemlichkeit handeln).

 

4. Die gegenwärtig kritisierte Freunderl- und Amigowirtschaft ist weder neu noch eine niedersächsische Spezialität. Auch die Sitzplatzvergabe an Unternehmer (oder Journalisten) bei Flügen in ferne Länder ist eine typische Gunstbezeugung aller Kanzler und (Minister-)Präsidenten. Die politische Landschaftspflege mit Hilfe von Spenden und anderen Wohltätigkeiten ist trotz aufgedeckter Flickaffäre nie beendet worden. Durch mediale Empörung werden – wenn’s hoch kommt – einige Figuren ersetzt, mehr ändert sich nicht. Was sich jedoch ändert, sind Intensität und Umsatzmenge der Empörung – bei weitgehend fehlender Gewichtung der Fälle. Der Panzerdeal mit Saudi-Arabien ist im Zweifel weniger Empörung (und Schlagzeilen) wert als die nicht korrekt abgerechnete Bonusmeile, der günstige Privat-Kredit unter „Freunden“ mehr als das von einer Lobby frech geschriebene Gesetz. Es kommt nur darauf an, wessen „Abschuss“ gerade ins politische und geschäftliche Kalkül passt. Insofern haben die Empörungswellen etwas Beliebiges – und in ihrer Dimension Unberechenbares. Kaum ist diese Kampagne vorbei, folgt schon die nächste. Man könnte deshalb von einer Dauerempörung sprechen, die letztlich nicht den Verstand schärft, sondern den Mob erzeugt. 

 

Update 20.12.: Inzwischen gibt es doch ein paar kritische Stimmen. Wolfgang Lieb schreibt heute auf den NachDenkSeiten über “Wulff als Watschenmann auf dem Rummelplatz der Medien”; und Tom Strohschneider im Freitag über “die Würde und andere Konjunktive”. Besonders zu empfehlen: Das sehr einfühlsame Wulff-Porträt von Renate Meinhof, das die Süddeutsche Zeitung im Juni letzten Jahres veröffentlichte.

Update 21.12.: Unter dem Titel “Biedermeier 2.0″ setzt sich Hans Hütt heute im Blog Wiesaussieht (Nachfolger von Weissgarnix) mit den Kommentaren von Lieb, Strohschneider und mir auseinander. Inklusive lebhafter Debatte in den Kommentaren. Und Felix Dachsel schreibt in der taz über die Rolle der Medien im Fall Wulff. In der Freitag-Community spricht Magda über ihren Unwillen, sich über Wulff aufzuregen. Und Jakob Augstein macht sich am Ende eines Interviews mit dem ARD-Morgenmagazin Gedanken über die Rolle der Springer-Presse, die zu Augsteins Überraschung jetzt offenbar Wulffs Frau thematisiert.

Update 22.12.: Die Tageszeitung „Der Standard“ hat meinen Beitrag übernommen. An der heftigen Diskussion dort ist ablesbar, was ich oben unter Punkt 1 angedeutet habe.  

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116 Antworten auf Wulff muss weg!! Über die moralische Radikalisierung der Öffentlichkeit

  • 1
    Konstantin Neven DuMont sagt:

    Das Wulff-Thema nervt seit Tagen. Es ist gut, dass Sie diesen Hype in gewohnter Qualität analysiert haben.

  • 2

    Danke dafür. Man fragt sich, cui bono. Warum schießen Bild und Spiegel unisono gegen Wulff? Wem soll da nützen außer einem eigenartigen “Killerinstinkt” von Leitartiklern? – Und sehr richtig: es gäbe gerade jetzt so viel Wichtigeres und Brisanteres, über das man streiten könnte/müsste.

  • 3

    Da ist etwas dran, was mich nachdenken läßt über das eigene Verhalten im Blog…

  • 4
    Andreas Weck sagt:

    Ich finde, bei einem solchen Vergehen, kann der Shitstorm egal von wo, gar nicht groß genug sein. Es ist notwendig das solche Vergehen, auch wenn es wichtigeres gibt, unter Beschuss stehen. Denn: wer einer Besoldungsgruppe ensprechend der Wullfs unterliegt, sämtliche Vorteile des öffentlichen Dienstes genießt und trotzdem den Steuerzahler betrügt, dem darf man solch Einstellungen nicht durchgehen lassen. Auch wenn die Berichterstattung einige nervt. Es bleibt doch immer noch die Möglichkeit nicht auf den Artikel zu klicken oder nicht auf den Beitrag zu reagieren, oder?

  • 5
    Antje Radcke sagt:

    Danke für diesen Beitrag. Was mir an der gegenwärtigen Empörungswellenreiterei am meisten Sorge bereitet, ist, dass so die vernünftigen Maßstäbe flöten gehen. Mich graust es bei der Vorstellung, dass wir uns gar nicht mehr anständig aufregen können, wenn Aufregung wirklich angemessen wäre.
    Und meine Hoffnung, die Moral könnte zu Gunsten ethischer Grundsätze endlich mal aus der Politik verabschiedet werden, wird von Tag zu Tag kleiner. Dabei wäre es dringend nötig. Woran soll sich das empörte Volk bloß orientieren? An denen da oben, die ja sowieso alles Verbrecher sind? Na, gute Nacht.

  • 6

    @Andreas Weck: Wie Antje Radcke ja schreibt, geht es darum, nicht die Maßstäbe zu verlieren. Ich würde auch nicht von Betrug sprechen. Dieser Begriff wäre doch eher auf Banken anzuwenden, die die Finanzkrise ausgelöst haben.

  • 7
    Lioman sagt:

    Und Wulff muss trotzdem weg!
    1. Weil er nicht ganz koschere Finanzgeschäfte getätigt hat und eventuell sogar bei der Geldwäsche geholfen hat. Und
    2. Weil er das Amt nicht gestaltet! Von ihm kommt einfach nix. Haben wir einen Bundespräsidenten wie Wulff brauchen wir gar keinen. Er ist absolut obsolet. Zum Kindergarten eröffnen kann man auch andere schicken.

  • 8
    Andreas Weck sagt:

    Naja aber mit den Maßstäben ist es doch so: der eine fühlt sich bei Thema A besonders herausgefordert und der andere bei Thema B. Jeder hat sein “Wut”-Thema, welches großspurig schwadroniert wird. Augenscheinlich macht es dann den Eindruck, dass sich jeder über alles aufregt. Aber das glaube ich passiert so nicht. Nichtsdestotrotz, das Netz ist nunmal der digitale Stammtisch geworden. Früher wurden solche Dinge lautstark in der Kellerkneipe ausdiskutiert und heute eben im Netz. Rein gesellschaftlich hat sich da glaube ich nichts großartig geändert. Rein technisch wurde eben alles nur auf eine andere Ebene transportiert.

  • 9

    @Lioman: Sehen Sie, das ist eins dieser Probleme: Erst mal was von Geldwäsche streuen und dann darauf hoffen, dass es schon bewiesen werden kann. Der korrekte Weg wäre: Erst die Belege.
    @Andreas: Der Stammtisch sollte auch Stammtisch bleiben. Etwas in die Öffentlichkeit zu pusten, ist etwas ganz Anderes. Und mit den Maßstäben ist es so: ein Meter ist bei Ihnen ein Meter und bei mir auch :-)

  • 10
    Andreas Weck sagt:

    Nur ist der Stammtisch im Netz zum Sprachrohr der Öffentlichkeit geworden. Und ja, ein Meter ist ein Meter… da stimme ich zu :)

  • 11
    A. G. sagt:

    “Was können auf der anderen Seite die Politiker tun, um ihre Integrität zu sichern?” ( http://www.zeit.de/2002/31/Kontaktkleber_fuer_Geld_und_Macht/seite-4 ) Um die Integrität von Wulff, immerhin Staatsoberhaupt, geht’s derzeit. Kein unwichtiges Thema. Empörung ist menschlich, vielleicht nicht professionell. 

  • 12
    Raventhird sagt:

    Ich habe schon lange (jenseits der ganzen Wulff-Debatte) niemanden mehr auf einem Blog so einsichtig und unaufgeregt über diese unsägliche und permanent übersteuernde Shitstorm-Empörungskultur in größeren Teilen der Social Media-Welt schreiben sehen. Vielen Dank für den Beitrag.

  • 13
    soundo sagt:

    Das Moralisieren über die Moralisierung ändert an den rechtlich relevanten Vorwürfen gegen den Bundespräsidenten nichts. Daher: Ja, Wulff muss weg!! Die Rufe nach dem Rücktritt Wulffs sind weder realitätsfern, noch radikal moralisierend. Betrachtet man den Sachverhalt näher, ist es meiner Meinung nicht nur erwünscht, sondern eine Pflicht des vernünftigen Bürgers sich gegen den Missbrauch politischer Ämter zu wehren. Ich habe das Gefühl, dass es vielmehr die von Ihnen angeregte Metadiskussion über die Moralität des Moralisierens ist, die hier von der Realität ablenken soll.

  • 14
    soundo sagt:

    Indem Sie die Netzöffentlichkeit mit einem Rudel pawlowscher Hunde vergleichen, radikalisieren Sie im Übrigen schon im ersten Satz auf genau jene Art und Weise, die Sie selbst moralisch verurteilen:

    “Der Pawlowsche Reflex scheint zum Markenzeichen der Netzöffentlichkeit zu werden”

  • 15

    Tom Strohschneider hat beim Freitag zum gleichen Thema geschrieben. Das kann ich nur unterstreichen. http://is.gd/CbrVw6

    @soundso: Noch sind wir ein Stückchen entfernt vom Landesverrat ;-) Und in dieser Woche wird erst mal Jesus die Titelseiten bestimmen.

  • 16

    […] Wulff muss weg!! Über die moralische Radikalisierung der Öffentlichkeit […]

  • 17
    soundo sagt:

    @Michal: Jesus. Heilig und talentiert; das würde doch zu den Christdemokraten passen. Und zudem würde er eine moralische Lücke füllen. Vielleicht sogar mehr als nur eine?

  • 18
    Martin sagt:

    Schön wie Sie die Vorgänge bagatellisieren. Lassen Sie uns das 10 Jahre machen, dann können wir die Demokratie wieder begraben.

  • 19

    […] wolfgangmichal.de: » Wulff muss weg!! Über die moralische Radikalisierung der Öffentlichkeit: So. Ab heute hat Herr Michal einen festen Platz in meinem RSS-Reader. Und wenn ich euch etwas raten kann: tut es mir gleich! Der Pawlowsche Reflex scheint zum Markenzeichen der Netzöffentlichkeit zu werden: Sobald die Herren der Leitmedien kräftig mit ihren Schreibarmen ausholen, rennt das Bloggerrudel den geworfenen Stöckchen laut kläffend hinterher und apportiert sie in freudigster Erregung. […]

  • 20
    bogolt sagt:

    schon die nominierung von wulff, aber auch der von gauck, hat einen erheblichen ansehensverlust für das amt mit sich gebracht. man hat damals deutlich gemerkt, dass in der bundespolitik und im bundesparlament das amt des bundespräsidenten keinerlei stellenwert hat: nur schnell mit einem zahnlosen tieger besetzten, damit sich der politik- und wirtschaftsfilz schön weiter spinnt.
    ein mario barth wäre beim derzeitigen ansehen das amts die richtige besetztung.
    je mehr von diesem korrupten und dummen pack aus dem amt gekegelt werden, angefangen bei guttenberg, desto besser. ich hoffe, das ein möglicher rücktritt wulffs mit einer streichung aller bezüge und pensionsanprüche einher geht.

  • 21
    Theo sagt:

    Lieber Wofgang Michal,

    ich mit Ihnen eins, wenn es um die Hysterisierung und die Skandal-Sucht vieler Medien geht. Aber bei allen Nebensächlichkeiten zum Thema Wulff: die Art und Weise, wie er den Landtag in Hannover getäuscht hat und noch heute herumlaviert (man vergleiche seine Aussage mit der des Kreditgebers), muss man bei einem Bundespräsidenten nicht als Lappalie durchgehen lassen.
    Wulff selbst, der seinerzeit Johannes Rau als BuPrä ja moralisch nun gar nicht ertragen konnte und dessen Zitat von damals nun ja wieder die Runde macht, Wulff selbst also dürfte keinen Grund haben, sich über die Berichterstattung zu empören.

  • 22
    Martin Rath sagt:

    @ 9 Wolfgang Michal:

    Dass der Begriff “Geldwäsche” eingebracht wurde, habe ich nicht als zusätzliches und unzulässiges polemisches Element verstanden (wenn man Ihr “Einstreuen” und “hoffen, dass bewiesen wird” so auslegen darf).

    Von “Geldwäsche” wurde, soweit ich das verfolgt habe, gesprochen, weil die juristisch-ökonomische Geldwäscheanalyse auf die faktischen Verhältnisse (Wer wurde wirtschaftlich ‘ärmer’? – Wer wurde – im Ergebnis – bereichert?) schaut und sich nicht mit der etwas überformalen Verteidigungsstrategie aufhält, derzufolge von heiklen Beziehungen zwischen Ministerpräsident und Unternehmer nicht mehr gesprochen werden kann, wenn das beziehungsfördernde Geld erst über das Konto der Gattin(nen) läuft.

    Aber vielleicht habe ich den Bedeutungswandel des Geldwäscheaspekts auch nicht mehr mitbekommen. Wenn’s mir mit einem Hype zu bunt wird, lese ich ein Buch.

    Nebenbei und hoffentlich zum Vergnügen meine Lieblingslösungsvorschläge:

    1) Das Amt des Bundespräsidenten wird abgeschafft, das Repräsentieren übernehmen die Bundesratspräsidenten (föderale Tourismusförderung, wenn das diplomatische Corps in die Provinz reist) & das Ausfertigen von Gesetzen tätigt eine Hilfskraft beim Bundesverfassungsgericht (vom berüchtigten “3. Sentat”, gerne mit Perücke und Seidenstrümpfen).

    2) Analog zu den steinalten US-Supreme-Court-Richtern, die nach ihrer Pensionierung wieder als einfache Teilzeit-Bundesrichter aushelfen: Könnten Scheel, Weizsäcker, Herzog und dieser jüngst zurückgetretene Interimsmonarch nicht noch etwas tun für ihr Geld?

  • 23
    A. G. sagt:

    Ein paar Anmerkungen:

    „Der Bundespräsident steckt in der Kreditklemme.“
    Wohl eher ‚steckte‘.

    „… rennt das Bloggerrudel den geworfenen Stöckchen laut kläffend hinterher und apportiert sie in freudigster Erregung.“
    Weil Blogger strunzdumm sind und zu eigenständigem Denken nicht fähig sind?

    „2. Der sichtbare Trend zum moralischen Rigorismus könnte aber auch ganz anders interpretiert werden:“
    Besagt, dass das, was unter 1. geschrieben wurde, den Autor nicht überzeugt. Gute Einsicht.

    „Heraus kommt ein Moralwächtertum, das oft weniger dem öffentlichen Leben nützt als der eigenen Sache.“
    Das ist ja die Frage. Welche eigene Sache ist gemeint? Wulff ist Staatsoberhaupt.

    „Könnte es nicht sein, dass auch die Medien in ihrem verschärften Konkurrenzkampf um Einfluss, Deutungshoheit und Kundschaft die Realwelt hinter sich gelassen haben, indem sie aus jedem Skandal-Mäuschen mittels geschickter „Verbriefung“ (= Aufbauschen und Hochjubeln) einen Moral-Elefanten machen?“
    Gut, gegen die Frage ist nichts einzuwenden; die Presse war recht fix in ihren Darstellungen – und nicht besonders akkurat.

    „Die gegenwärtig kritisierte Freunderl- und Amigowirtschaft ist weder neu noch eine niedersächsische Spezialität.´…“
    Richtig, aber irgendwann hat man die Nase voll. Der interessierte Bürger möchte sich nicht weiter von Spitzenpolitikern mit einem Mangel an Integrität veräppeln lassen. Erfreulich, dass die Leitmedien sich nicht ducken, sondern an der Aufdeckung beteiligt sind.

    Einen analytischen Text kann ich nicht erkennen. Letztendlich wird auf denen herumgehackt, die gutgemeint, im Interesse eines funktionierenden Rechtsstaats ihre Meinung kundtun.

    Führungskräfte ohne Integrität sind eine Fehlbesetzung. Gegen personelle Fehlbesetzungen darf man sich wehren, auch mal empört sein.

  • 24
    daMasta sagt:

    Es ist komisch, dass Sie zu sehr ähnlichen Einschätzungen kommen wie ich, aber die im Gegensatz zu mir nicht gutheißen.

    Ja, durch das Internet sind auch die Mainstreammedien kritischer geworden.
    Ja, die Politik war schon immer korrupt und heute entsteht eine größere und kritischere, weil besser informierte Öffentlichkeit.
    Ja, es bildet sich “ein Mob” entrüsteter Menschen, die sich den ganzen korrupten Wahnsinn in einer- wenn es so weiter geht- dem Untergang geweihten Welt nicht mehr bieten lassen wollen, bzw. denen klar ist, dass sich was ändern muss.
    Ich hoffe, ich muss Ihnen da nicht im Einzelnen aufzählen, was dazu gehört…

    Ihre persönliche Kritik und den damit anscheinend verbundenen Hang zur sich gerade verändernden Gegenwart (also bald schon Vergangenheit) in Ehren, aber sich hinzustellen und zu sagen: “Ach Leute, findet euch doch damit ab, dass die Welt im Arsch ist. Regt euch nicht auf. Es war doch schon immer so, es schreitet nur voran.” ist nicht gerade im positiven Sinne gewagt…

  • 25
    Hans sagt:

    Haha. Jetzt ist es schon “Moralwächtertum” wenn man von einem absolutut farblosen wischiwaschiglamour-Prinzen wenigstens zeitgemäßes Krisenmanagement erwartet.
    Übrigens strotzt dieser Beitrag nur so von eben jener moralischen Empörung, die dem durchschnittlichen spon-Kommentator zu Recht vorgeworfen wird.
    @ Michael: Wenn ich noch einmal dieses saublöde “cui bono” lesen muss, kann ich für nix garantieren. Fehlt nur noch, dass der “deutsche Michel” bemüht wird.

  • 26
    Das E sagt:

    Moralwächter..soso…Bei Guttenberg und Co. klang das alles aber anders. Da war die Rede von Betrug und unrechtmäßig ergaunertem Doktortitel. Und bei Wulff soll das jetzt plötzlich stören?
    Und ich denke nicht, dass der Panzerdeal weniger Leute interessiert, aber der “kleine Mann” fühlt sich bei Themen die ihn persönlicher angehen wesentlich sensibler. Unsereins bekommt nicht einfach so 500.000 Euro KRedit und wenn, dann nicht zu den Konditionen. Wenn wir bescheissen, wird uns der A**** aufgerissen und wir haben nicht die Möglichkeit auf Podiumsdiskussionen in Kanada teilzunehmen oder gar die EU zu beraten.
    Das verstehen und akzeptieren die Bürger nicht. Dass das alles nun schneller an die Medien kommt wundert euch? Willkommen im 21.Jhd. Der Stammtisch ist tatsächlich digital geworden und es wird von überall nach überall berichtet.
    Das Problem ist nur, dass man hier sehr schwer grenzen setzen kann und es sehr sehr schnell auch mal eine unangenehme Hetzjagd werden kann.

  • 27

    Nicht allüberall wird “der Meute gefolgt”. Unzählig sind doch die strukturellen (!) Sauereien, die täglich die Bürger treffen. Da werden Kranken notwendige Medikamente und Behandlungen verweigert/nicht bezahlt, während die Kassen Überschüsse erwirtschaften, da leiden Bürger unter irren Honorarsätzen (und völlig überzogenen “Streitwerten”) für Anwälte, Notare, Insolvenzverwalter, etc.
    Ein laut Gutachten Grundrechte verletzendes Abkommen wie ACTA ist nur der TAZ und ein paar Blogs einen Beitrag wert – von den kritikwürdigen Aktivitäten der Banken und Versicherungen will ich gar nicht erst anfangen. Man könnte Seiten füllen mit Themen, die es wirklich wert wären, in aller Breite die Gazetten und Talkshows zu füllen.

    Personalisierung in der Politik ist ganz allgemein Entpolitisierung – wenn es nurmehr darum geht, wer grade (oder in irgend einer Vergangenheit) welchen Fehltritt gemacht hat, dann interessiert im Grunde nicht mehr, WAS GEMACHT wird. Die Inhalte verschwinden aus der öffentlichen Debatte – finden aber trotzdem statt!

    Gerade Debatten rund um den Bundespräsidenten sind das inhalsleerste und irrelevanteste, womit man ein Volk beschäftigen kann – schließlich hat der sowieso keinerlei Macht und ist ein reiner “Grüß-August”. Man stelle sich vor, es müsste bald ein neuer gewählt werden – das wär doch über Wochen / Monate eine Spitzen-Ablenkung von allem, was in Sachen Finanzen/Europa etc. grade abgeht.

    Mehr dazu im Kommentargespräch hier:
    http://www.claudia-klinger.de/digidiary/2011/12/15/nurmehr-heilige-in-die-politik-woher-nehmen/

  • 28
    rofl sagt:

    Der Typ ist offenbar regelmäßig korrupt. Da sind Samthandschuhe fehl am Platz und es ist schlimm genug, dass man solchen Leuten noch explizit die Tür weisen muss.

    Wenn in der Politik keinerlei Hygene mehr vorherrscht muss wer anders den Job tun. Gute Sache.

  • 29

    Ja, ok, Wulffs Gehampel war und ist ziemlich Banane, ebenso wie Vieles mehr, das uns eine farblose, über weite Strecken entweder völlig inkompetente oder aber weitgehend merkbefreite Politikerkaste so alles zumuten zu müssen glaubt. Aber das uns als Ersatz für einst wirklich investigativen Journalismus aufgedrückte neue Leitgewissen der Systemmedien, die kollektiven Treibjagden der zum pseudomoralischen Sprachrohr puritanischer Mittelstandsspießer verkommenen Journaille geht mir inzwischen dermaßen auf den Senkel, dass ich die moralingetränkte Behelfs-Propaganda dieser schillernden Wanderpredigerschar inzwischen einfach nicht mehr hören kann und will. – Danke für diesen Exzellenten Text, der die Dinge in meinen Augen exakt auf den Punkt bringt.

  • 30
    lioman sagt:

    @Wolfgang Michal
    Nein, ich bin wirklich dafür, dass erst mal alles bewiesen wird. Am Besten macht man das schnell und öffentlich und optimal wäre das ganze über einen entsprechenden Ausschuss. Aber Scheibchenweise etwas veröffentlichen und über Anwaltsbüros mit der Öffentlichkeit zu kommunizieren halte ich für nicht sinnvoll und schürt nur Misstrauen.

    Mir ging es eigentlich um 2.
    Ich halte Wulff einfach nicht für einen guten Präsidenten – er hat dem Amt bisher noch nichts gegeben. Und wenn er in der Weihnachtsansprache kein wirklich großes Geschenk präsentiert sollte er möglichst bald den Platz räumen.
    —–
    Schade, dass man hier nicht per E-Mail folgen kann – dann könnte man schneller auf Kommentare antworten

  • 31

    […] bei BILDblog entdeckte ich auch diesen sehr lesenswerten Einwurf zur Debatte von Wolfgang Michal […]

  • 32
    Michael Haase sagt:

    WEr sucht eigentlich nach den Leichen in den Kellern der Journalisten. Denn dort finden sich bestimmt die eine oder andere Leiche. Das Fatale an der Sache ict, dass die Medien anfangen Politik zu mache, anstatt sie, wie es ihre Pflicht wäre, zu kommentieren.

  • 33
    Raúl sagt:

    Ein sehr guter Beitrag. Ich finde, bevor man sich über unseren Bundespräsidenten wegen eines Kredits so aufregt, sollte man doch lieber über die munter weiterzockenden Banken oder die Diktatur in Syrien beschäftigen. Aber heutzutage ist sowas ja nicht mehr so wichtig für Bild und Co solange man noch Schlagzeilen mit der “Jagd” auf Prominente machen kann. Dass sich gerade in dem Fall die Medien als Moralapostel aufspielen mutet mir doch sehr unpassend an, wenn man bedenkt, was bestimmte Medien unter Moral verstehen -> siehe BILD
    MfG aus Hamburg

  • 34
    murry sagt:

    Naja, die These vom “Bloggerrudel” mit Pawlowschem Reflex mit einem Link zu einem einzigen Blog (von dem ich persönlich noch nie gehört habe) zu untermauern finde ich jetzt aber schon ziemlich dürftig. Da würde ich eigentlich eine Liste von mindestens einem Dutzend Blogbeiträgen erwarten, um diese These auch nur ansatzweise zu belegen.

    Deshalb behaupte ich hier einfach mal bis zum Beweis des Gegenteils: Das Bloggerrudel existiert nur in der Phantasie des Autors.

    Im übrigen: Die Tatsache daß es andere zum Teil größere Verfehlungen gibt, die zum Teil unbemerkt bleiben oder nicht thematisiert werden diskreditiert die Berichterstattung nicht. Das ist ein typisches Kinderargument “Der Kevin und der Marvin haben aber auch….”.

  • 35
    zur sagt:

    Posten Sie doch mal ein paar Links zu Kommentaren, wo offen der Rücktritt von Christian Wulff gefordert wird.

  • 36

    @Martin Rath: Ich würde mich Ihrem Lieblingslösungsvorschlag Nr.1 anschließen (schon wegen der Seidenstrümpfe).

    @daMasta: Sie haben Recht. Trotzdem finde ich nicht, dass die Blogger und Twitterer unbedingt den Verstärker für einen Kampagne abgeben müssen.

    @Hans/lioman: Mir geht es nicht um den “farblosen” Präsidenten und seine Arbeit; allerdings erwarte ich von einem Bundespräsidenten auch keine moralische Orientierung (ich halte das Amt für nicht mehr zeitgemäß). Ich könnte mir freilich denken, dass hinter dem Unmut über den nicht “amtstauglichen” Wulff (wie schon seinerzeit bei Köhler) die Abneigung gegen den hochgekommenen Kleinbürger steckt. Es fehlt ihm halt das von Weizsäckerische. Wulff spielt sehr bemüht eine gravitätisch-väterliche Rolle, weil er glaubt, das gehöre zum Amt. Das musste Richie nicht. Der konnte KLartext zum 8.Mai 45 reden, aber auch mit Wolfgang Neuss streiten. Lesen Sie mal das oben im Update verlinkte Wulff-Porträt von Renate Meinhof. Da wird einiges klar.

    @Das E: Den Vergleich mit Guttenberg müssen Sie mir noch mal erklären. Aber weil wir gerade dabei sind: Ändert der Wechsel zu deMaiziere denn etwas an der Politik? Am Waffenhandel, am Rüstungsexport, an der Afghanistanpolitik? Siehe auch Claudias Kommentar (Nr. 27).

    @rofl: Ist man schon korrupt, wenn man bei Freunden zu Gast ist? Nach meiner Definition erfordert das doch eine Gegenleistung. Die müsste ihm nachgewiesen werden. Und das ist extrem schwierig, wenn man sich etwa all die Politiker (oder Journalisten) anschaut, die nach ihrem Amt/Job sehr gut dotierte Posten als “Türöffner” in der Wirtschaft bekommen.

    @A.G. 1. und 2. im Text sind die zwei Seiten derselben Medaille. Oder anders ausgedrückt: Da finden Wechselwirkungen statt. Das ist manchmal sehr positiv, aber die Medienstrategen (besonders in bestimmten Häusern) haben inzwischen auch erkannt, wie sie das Netz als Kampagnen-Verstärker nutzen können. Über diese Entwicklung sollten wir zumindest nachdenken.

  • 37
    Theo sagt:

    „Ich leide physisch darunter, dass wir keinen unbefangenen Bundespräsidenten haben.“ (Christian Wulff über Johannes Rau)

    “Ist man schon korrupt, wenn man bei Freunden zu Gast ist? Nach meiner Definition erfordert das doch eine Gegenleistung. Die müsste ihm nachgewiesen werden.” (W. Michal)

    Als BuPä darf er nicht einmal den Anschein erwecken, in irgendeiner Abhängigkeit zu stecken. Kann man kritisieren, aber so sind die Usancen. Und diese waren Wulff – siehe Zitat zu Rau – schon lange bewusst.

    Aber noch einmal: es geht hier zunächst einmal weniger um den Kredit, sondern um sein Auftreten vor einem Parlament. Und darum, dass er noch heute nicht aufrichtig ist. Wenn man meint, das Amt des Bundespräsidenten sei sowieso “nicht mehr zeitgemäß” (W. Michal), dann allerdings kann einem so etwas egal sein.

    Aber dann fehlte mir der Grund für die Empörung über die Empörung.

  • 38
    rofl sagt:

    @ Wolfgang Michal

    “Ist man schon korrupt, wenn man bei Freunden zu Gast ist?”

    Ich hab ne Menge gute Freunde, aber mir hat noch keiner mal eben 500.000 geliehen. Oder mein Buch mit selbstbezahlter Werbung gepusht. Und im Urlaub zahlt irgendwie auch jeder für sich, bzw das läuft Abendweise in der Runde. Und wenn man mal eingeladen wird, lädt man zurück ein. Freundschaft ist ja schließlich keine Einbahnstrasse, oder?
    Aber wenn man Ihrer Argumentation ganz oben denn folgen soll und einige Journalisten die Sache aufbauschen, kommt man nicht umhin zu bemerken, wie Sie selber grad tiefstapeln bis zum geht nicht mehr.

    “Nach meiner Definition erfordert das doch eine Gegenleistung. Die müsste ihm nachgewiesen werden.”

    Wenn jemand mal eben 500.000 locker macht und danach – ich glaub es waren 3 Jahre lang – auf jede offizielle Reise mitgenommen wird, halten Sie die Vermutung da für so abwegig? Ich denke eine Menge kleiner Beamter würde sowas ganz schnell den Kopf kosten im Sinne eines Indizienbeweises. Dass diese Vorgänge nicht ordnungsgemäß angegeben wurden, deutet auch in die selbe eindeutige Richtung.
    Und selbst Unwissenheit schützt bekanntlich vor Strafe nicht.

    “Und das ist extrem schwierig, wenn man sich etwa all die Politiker (oder Journalisten) anschaut, die nach ihrem Amt/Job sehr gut dotierte Posten als “Türöffner” in der Wirtschaft bekommen.”

    Diese ganze Praxis gehört an den Pranger und vor allem endlich mal vor die Gerichte, aber die zuständigen Staatanwaltschaften werden ja seltsamerweise nicht tätig. Das Gesetz gehört meiner Meinung nach geändert an dieser Stelle. Wenn Geld und Gegenleistungen geflossen sind, verlange ich von dem Politiker, dass er beweist, dass da eben kein Zusammenhang besteht. Dann wäre der Zirkus Kurrupti ruck-zuck geschlossen.
    Diese Leute werden von uns großzügigst mit Transfergeldern bedacht – das ist angeblich so viel, um die Unabhängigkeit zu wahren. Also los gehts: macht endlich sauber euern Job, für den ihr die ganze Kohle einstreicht liebe Politiker.

    PS: Es gibt am Spiegel und vor allem auch an der Bild weiss Gott ne ganze Menge zu rügen – die Pleitegriechen und die zig Hartz4 Kampagnen seien hier nur mal exemplarisch negativ erwähnt. Da kommt man nicht umhin zu bemerken, dass da nicht mal thematisiert wurde, welchem Zweck solche Methoden letztlich dienen und nun, bei jemandem, der nun über etliche angenommene Vergünstigungen stolpert, wird nun plötzlich auf empört gemacht?
    Sorry, aber da kann ich nur noch zur Neukalibrierung des inneren Kompass raten.

  • 39

    @murry Zu den Bloggern gehören natürlich auch die Micro-Blogger. Folgen Sie bitte den hashtags zu Wulff.
    Hier z.B. einer der ersten Blogs zum Thema: http://is.gd/PxAGzG Und hier gibt’s eine ganze Serie als FAZ-Begleitung http://www.wiesaussieht.de/.
    @zur: Googeln Sie einfach mal die entsprechenden Wörter.

  • 40
    Mark sagt:

    Komisch das die Kritik an Wulff gerade von links kommt, es ist doch vorbildlich wenn er das Geld nicht den Banken in den Rachen wirft indem er hohe Zinsen zahlt :)

  • 41
    hans sagt:

    Jaja. Wahnsinn. Dieser Mob! Menschenjagd! Wutbürger! Angstuntertanen.
    Bisschen Lügen machen doch andere auch.

    Ich finds ganz lustig:
    http://christianwulfflookingatthings.tumblr.com
    http://istchristianwulffnochimamt.de/

  • 42
    JensE sagt:

    Hallo an Alle empörten,

    es ist mir manchmal unverständlich, warum sich die Leute über etwas empören, was Sie selber ohne mit der Wimper zu zucken selber machen würden, ohne an die eigene moralische Instanz auch nur den Hauch eines Zweifels hätten.

    Was hat Wulff den eigentlich gemacht? Ja, was denn?!

    Wenn man sich die Situation einfach mal vorstellt: Ich möchte ein Haus bauen, kann es mir im Moment aber nicht leisten, da ich den Kredit an die Bank gar nicht abzahlen könnte.

    Nun kommt ein Kumpel von mir — der hat einfach Kohle, aus welchen Grund auch immer, aber er ist mein Freund — und bietet mir Geld an, dass ich mir mein Haus bauen kann. Aber ich muss es Ihm natürlich wieder zurück zahlen, ist ja auch klar. Weiterhin, weil ich meinen Kumpel aber nicht ausnutzen will, vereinbaren wir einfach etwas Zinsen, die ich meinem Kumpel auch zurück zahlen werde.

    Wer hier aus diesem Forum oder wer von den Stammtisch-Babblern oder wer von den BILD-Leser würde das Angebot eines Freundes ausschlagen … Na, wer schon? Niemand! Eben.

    Alle die sich über diesen Vorgang empören sind realitätsfern und neidisch, dass andere immer mehr (bitte hier passendes Hauptwort einsetzen) bekommen/haben (buhä, Mutti alle anderen sind Doof!)

    Entschuldigung, ich muss mich wieder beruhigen.

    Also hat Wulff nichts gemacht, was in meinen Augen seine Integrität erschüttert hätte.

    Bis denn
    JensE

  • 43

    @Mark/Hans: Mob bezog sich nicht auf Blogs. Ursprünglich hing an meinem Text noch dieser letzte Satz: “Die kompromisslosesten Gegner des politischen Systems kommen heute von rechts. Wir liefern ihnen die Säuberungs-Stimmung dazu.” Im Sinne von: Politiker sind alle korrupt. Politiker machen Demokratie. Also ist Demokratie Scheiße. Ich hab den Satz dann wieder gestrichen. Er erklärt aber zum Teil, warum die Kritik am Wulff-Hype von links kommt. (Obwohl ich Marks Argument mit den Banken auch nicht schlecht finde.)
    Ich rede Korruption keineswegs klein, bestehe aber darauf a) die Verhältnismäßigkeit zu beachten und b) Belege beizubringen.

    @Hans: Sie schreiben “Ich finds ganz lustig”. Damit sind Sie ein Teil des Medien-Zirkus. Es ist Ihnen offenbar langweilig.

  • 44
    Theo sagt:

    @JensE:

    Es ist ihr gutes Recht, sich derart zu empören. Aber abgesehen davon, dass ein Amtsträger nicht das Parlament belügen darf, gelten – was Schenkungen für Beamte und Amtsträger betrifft – in diesem Land nun einmal Gesetze. Die FAZ hat diesen Aspekt, der Leute wie Wulff nun einmal anders betrachten lässt als den von Ihnen genannten “Kumpel”, heute nochmals dargelegt:

    http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/schenkungen-an-beamte-jeden-anschein-vermeiden-11571986.html

    Ich sag es mal mit meinen Worten: jeder kleine Amtsleiter, der sich so verhalten hätte wie Christian Wulff, hätte die Aufsicht am Hals.

  • 45
    Konstantin Neven DuMont sagt:

    Grundsätzlich ist es begrüßenswert, dass sich die Medien inklusive der Blogosphäre kritisch mit Wulff auseinandersetzen. Das kann bestenfalls dazu führen, dass sich Politiker in Zukunft verantwortungsvoller verhalten. Dennoch sollte dieses Thema nicht über einen zu langen Zeitraum als Aufmacher gesetzt werden, weil es dadurch wichtige andere Themen aus dem Blickfeld der Öffentlichkeit verdrängt. Dazu haben hier ja schon andere Kommentatoren etwas geschrieben.

    In diesem Zusammenhang frage ich mich noch etwas anderes. Welcher intelligente Mensch will es sich zukünftig überhaupt noch antun, als Politiker für ein Spitzenamt zu kandidieren?

  • 46
    lupe sagt:

    ” Wo einst im Netz Gegen-Öffentlichkeit war, ist Verstärker-Öffentlichkeit entstanden. Das Netz ist kein Korrektiv der Vierten Gewalt mehr, sondern ihr verlängerter Arm.”

    So pauschal hingeschrieben ist es Kammschererei. Sowohl das BILDblog als auch meines sind keine verlängerten Arme der Medien. Auch der Begriff “Vierte Gewalt” ist irreführend, zumindest für die Zeitung, die ich beobachte. Eine Zeitung, die allzu gern Politikergewäsch nachplappert, statt Politiker kritisch zu befragen und einem Hang zur Schönschreiberei permanent nachgibt, kann keine 4. Gewalt im herkömmlichen Sinne sein. Sie übt allerdings Gewalt auf die zahlenden Leser aus, bildlich als verlängerter Arm von Politikern.

  • 47
    JensE sagt:

    @Theo “[…] was Schenkungen für Beamte und Amtsträger betrifft […]”

    Wo war hier ein Schenkung? Es war ein von Ihm bezahlter Kredit zu sehr günstigen Konditionen.

    Ich wollte aber eigentlich nur darlegen, dass sich Leute zu unrecht andere moralische Maßstäbe verpassen, als sie bei Anderen anwenden.

    Wenn er gegen ein Gesetz verstoßen haben sollte, sollen auch nur die dafür zuständigen Instanzen ein Urteil fällen.

    Moral ist nun mal etwas zutiefst subjektives. Weswegen es in einem objektiven Bericht nichts zu suchen hat.

    Bis denn
    JensE

  • 48

    @lupe Ich finde schon, dass es in den letzten Jahren eine wichtige Entwicklung gegeben hat. Von WikiLeaks über GuttenPlag bis zur Wulff-Kampagne ist die Kooperation zwischen 4. und 5. Gewalt enger und durchschlagender geworden. Die alte Frontstellung Blogger vs. Journalisten hat sich definitiv überlebt, viele Redakteure/Journalisten betreiben inzwischen Blogs und viele Blogger beziehen sich unmittelbar auf Zeitungsveröffentlichungen. Auch der Austausch zwischen beiden Gruppen ist stärker geworden. Das hat Vorteile, birgt aber eben auch Gefahren (wie den Hang, schneller, drastischer und alarmistischer zu werden). Darüber ist zu reden.

  • 49
    Arne sagt:

    @ Claudia Berlin
    Genau.

    @ Konstantin Neven DuMont
    Wir brauchen auf solchen Posten keine intelligenten Menschen.

    Warum diskutieren hier eigentlich keine Juristen mit? Weil sie die Antwort kennen. Es geht um Moral, die ist nicht justiziabel. Medien, PR, Politik, Blogosphäre und auch Du und ich – wir leben im Geschwätz, wir sind das Geschwätz.

    Diese ganze Aufregung hat nur einen Sinn, nämlich dass wir uns aufregen, uns wieder spüren können, eine Zugehörigkeit fühlen. Bei Aktivisten ist das extrem ausgeprägt.

    Von Medien und Politik habe auch ich keine hohe Meinung, was ich aber richtig finde. Im einen Fall ist es der Wettbewerb um Aufmerksamkeit (gleich Werbegeld) und im anderen das Ringen um Mehrheiten, mit allen Mitteln. Blogger wie wir sind da nur ein kleines Rad im Getriebe, das huckepack etwas Aufmerksamkeit bekommen will.

    Ich halte sehr viel vom deutschen Rechtssystem, es hat sich mir schon einige Male als letzte Bastion der Vernunft erwiesen. Die Richter sollen mal schauen, ob es da etwas gibt, wogegen Wulff verstoßen hat. Wenn nur mal jemand eine Anzeige machen würde, eine Straftat scheint man ihm ja nicht vorzuwerfen.

    Warum funktioniert das Rechtssystem als bestes Teilsystem in unserem Staat so hervorragend? Weil die Richter unabhängig sind, sie Moral Moral sein lassen, sich keinem, auch keinem Zeitdruck aussetzen und lediglich den Spielregelnkatalog anwenden, den wir Gesetze nennen.

    Moral und Rechthabenwollen sind nichts weiter als eine clever aufgestellte Falle, damit wir Menschen vergessen, dass wir niemals vollständig unseren eigenen, oder fremden, Maßstäben genügen werden.

    Ich habe das mal hier in plain English zusammengefasst, als ich während meines letzen Segeltörns immer wieder Schwierigkeiten mit meinem unbeflaggten Boot bekam.

    http://www.eggsplore.de/de/eggsplore-blogg/wind-speeds-and-directions-vs-flags-vs-war-religion.html

  • 50
    Eike sagt:

    Was mich an der Sache nervt ist auch diese Scheinheiligkeit!
    Anfangs hieß es Wulf hätte einen “Privatkredit” (den er vll. sogar niemals zurückgezahlt hätte) bekommen und für diesen Aufträge an den Kreditgeber zugeschustert. Ein Skandal sondergleichen und pure Korruption. Die Vorwürfe waren allerdings in keinster Weise haltbar. Sicher bleibt noch etwas ungeschicktes an der Sache aber nichts illegales.

    Aber wo sind wir gelandet, das man dem Bundespräsidenten öffendlich Korruption vorwirft, ohne gesicherte Beweise zu haben. Wir erwarten von Ihm höchsten moralischen Ansätzen zu entsprechen, lassen diese Maßstäbe aber bei den Kritikern außen vor.

    Dem Bundespräsidenten ungerechtfertigter Weise Korruption zu unterstellen, wäre früher ein Rücktrittsgrund für jeden Journalisten oder Politiker gewesen. Auf jedenfall weit schlimmer als das ungeschickte Handeln von Herrn Wulff.

    Unser ehemaliger Bundespräsident hatte recht, es ist jeglicher Respekt vor diesem Amt verlorengegangen!

  • 51
    zur sagt:

    @Wolfgang Michal: Habe ich gemacht. Ich finde keine Kommentare in großen Medien, die Wulffs Rücktritt fordern, außer einen in der Welt. Auch in der FAZ, die ganz vorne in der Berichterstattung mit dabei ist, hat noch keiner den Rücktritt gefordert. Ihre Prämisse “Der Bundespräsident steckt in der Kreditklemme. Und alle fordern: Weg mit ihm.” kann ich nicht nachvollziehen. Deshalb habe ich das Gefühl, dass Sie in Ihrem Blog-Eintrag eine radikalisierte Analyse der Kommentarlandschaft vollziehen – und genau das werfen Sie den Medien vor.

  • 52
    hschmelz sagt:

    sehr auffällig, wie sehr sich auch herr prantl zurück bewegt, nachdem die sz den fall meterhoch aufgeblasen hat. na ja, sie alle haben noch ein hühnchen mit wulff zu rupfen, weil der partout nicht dem herrn gauck weichen mochte. nun muß er diese abgestandene und kalte suppe auslöffeln. zur sache nichts bedeutendes: die reisen sind seit jahren bekannt, waren bekannt, maschmeyer und co. dito, und ein kredit ist nicht verboten, auch nicht moralisch. guter artikel von herrn michal.

  • 53
    zur sagt:

    @Eike

    Nochmal: Welche Medien werfen dem Bundespräsidenten Korruption vor? Vor wird lauthals “Rücktritt” gerufen?

  • 54
    Peter Bierwirth sagt:

    So bedauerlich diese Entwicklungen für den Betroffenen selbst (aber auch für die Kanzlerin, die ihn ja in dieses Amt ausgewählt hat) auch sind: in einem Land, in dem „kleine“ Angestellte für geringfügige Verfehlungen (z.B, nicht abgerechneter
    Flaschenpfand-Bon in Höhe von 1.90 € oder für Genuss eines für einen Firmenempfang bestimmten, aber nicht verbrauchten Sandwiches)
    mit „höchstrichterlichen Urteil im Namen des Volkes“ entlassen werden können (obwohl es offensichtlich ist, dass dies nur vorgeschobene „Entlassungsgründe“ waren), sollte ebendieses Volk gerade auch bei seinem Präsidenten eine ebensolche ethisch/moralische Einstellung erwarten können, wie es die Gericht bei den kleinen Leuten verfügt haben. Bei seinem „Freundeskredit“ von einer halben Million Euro hat er sich ca. 60’000.– € gespart. Aber was sind schon 60’000.— bei einem Präsidenten gegen 1.90 € bei einer Kassiererin? Gleiches Recht für alle? Das gibt’s wohl nur in Utopia. Aber auch die Nähe des Präsidenten zu anderen dubiosen „Geschäftsleuten“ (Maschmeyer) ist ebenfalls bedenklich. Fazit: Vorbild an Kässmann nehmen und sofort ohne weitere spitzfindigen „Erklärungen“ à la Guttenberg z u r ü c k t r e t e n! Aber was verlange ich da überhaupt, wenn es
    bei uns in Frankreich einen ehemaligen Präsidenten gibt, der zu 8 Monaten auf Bewährung und einen jetzigen Aussenminister gibt, der 2004 zu 12 Monaten auf Bewährung verurteilt wurden. Dem ersteren macht’s ja nichts mehr aus, dem
    letzteren hat dadurch nur sein “Stehaufmännchen-Image” poliert. In Deutschland “empört” man sich wenigstens, wenn Politiker keine Vorbildfunktion mehr haben, in Frankreich hat man sich schon daran gaewöhnt!

  • 55

    Es geht aber auch beides: Der Malte Lehming, Meinungschef vom Tagespiegel, kriegt’s hin, im Tenor ähnlich wie hier Wolfgang Michal den Rudeljournalismus in einem Artikel für den ‘European’ zu kritisieren, während zugleich das Ressort, das er beim ‘Tagesspiegel’ leitet, sich kräftig am Wulff-Bashing beteiligen darf. So etwas hieß früher mal Doppelmoral, wenn ich mich nicht irre …

  • 56

    @zur http://is.gd/vAngBV
    Sie müssen natürlich schon lesen w-o-l-l-e-n! Da steht vielleicht nicht “Ich fordere den Rücktritt”, sondern “Dieser Präsident ist wahrscheinlich nicht zu halten” oder “Wir zählen die Stunden, bis Herr Wulff sein Amt zur Verfügung stellt.” Oder Ähnliches.

    Ein paar Boulevard-Überschriften aus der SZ zu den Wulffs:
    „Präsidentenpaar Christian und Bettina Wulff: Gefährlicher Glamour“
    „Wulffs Kreditaffäre: Was die Akten des Bundespräsidenten verraten“
    „Bettina Wulff: Die Piefkeflüsterin“

    Lauter Signalwörter: „Gefährlicher Glamour, verraten, Flüsterin“. Das klingt schon fast wie BILD. Welchen Eindruck vermittelt man damit? Und danach wird immer gern der “Respekt vor dem Amt” oder “die Würde des Amtes” bemüht…

  • 57
    vera sagt:

    “Selbst die Opposition verlangt keinen Rücktritt von Wulff
    Die Enttäuschung über den Bundespräsidenten ist groß – doch echtes Interesse an einem neuen Präsidenten hat offenbar auch in der Opposition keiner.”
    [http://www.tagesspiegel.de/politik/grosse-koalition-des-zauderns-selbst-die-opposition-verlangt-keinen-ruecktritt-von-wulff/5976738.html]

    Frag ich mich ja, wer jetzt enttäuscht ist.

  • 58
    A. G. sagt:

    @Wolfgang Michal
    „aber die Medienstrategen (besonders in bestimmten Häusern) haben inzwischen auch erkannt, wie sie das Netz als Kampagnen-Verstärker nutzen können. Über diese Entwicklung sollten wir zumindest nachdenken.“

    Das ist es auch, was ich aus Ihrem Beitrag als neuen Gedanken mitnehme.

    Manche Presseberichte und beispielsweise die ersten Tagesschau-Sendungen zu Wulff fand ich ziemlich überzogen, unsachlich. Die Leitmedien verfolgen eine Salamitaktik. Scheibchenweise werden einzelne Punkte geliefert und behauptet, dass der Sachverhalt zu klären ist (gestern: Die Urlaube bei Freunden, heute: Der Anzeigensponsor Maschmeyer). Dann kommt die nächste Meldung/Scheibe. In einem aufwändigeren Bericht hätte mehr gebracht werden können, wenn man denn gewartet hätte. Nein, es wurde erst berichtet (Mutmaßungen zu Darlehensgeber väterlicher Freund, ggf. mittelbar? Warum hat niemand an eine Schenkung unter Eheleuten und die ggf. zu entrichtende Schenkungsteuer gedacht?), dann recherchiert. Fast täglich gibt es eine neue ‚Scheibe‘ als Sensation. Die Medien agieren dann geschickt, indem sie behaupten, dass es ja Wulff sei, der nur das Unstrittige preisgebe und erwecken den Eindruck, ihn damit in Zugzwang gesetzt zu haben. Dabei kann ein juristisch bewanderter Journalist alle relevanten Fragen vollständig stellen und das Ergebnis seiner Bemühungen veröffentlichen. Gerade das scheint nicht gewollt zu sein, sodass man sich zu Recht fragt, ob die Medienmacher machtorientiert agieren.

    Das generelle Interesse der Medien, aufzudecken, dass wir einen Bundespräsidenten ohne Integrität (!) haben, ist hingegen begrüßenswert. Das heißt aber nicht, dass wir Laienschreiber uns von den Medienkampagnen mitreißen lassen. Im Gegenteil. Die Leitmedien sorgen für Empörung mit ihrer Machttaktik, bei mir jedenfalls gelegentlich – genauso wie eine Fehlbesetzung als Staatsoberhaupt.

    Kurz: Der Weg (Berichterstattung) zum Ziel (Aufdeckung) muss sauber (Pressekodex) sein.

  • 59

    @A.G.: Ich stimme Ihnen zu.
    Da hat sich etwas verselbstständigt. Finanzindustrie und Medienindustrie handeln heute sehr ähnlich. Mit ganz ähnlichen Produkten. Das sollte mal jemand näher untersuchen.
    @Vera: Gute Frage.

  • 60

    […] Wulff muss weg!! Über die moralische Radikalisierung der Öffentlichkeit […]

  • 61
    Anna sagt:

    Lieber Herr Michal, als im Moment als in Arbeit bis zum Hals Steckende an dieser Stelle ein großes Lob für die “Fett”-Sätze, die mir gerade ein echtes, sinnvolles “Querlesen” ermöglicht haben!

  • 62
    egghat sagt:

    Ich sage jetzt mal, was ich glaube, dass die 99% der Bevölkerung denken, über die wir jetzt so oft sprechen:

    We’re p!ssed.

    Das ist einfach so. Die Medien spielen dieses Spiel einfach mit.

    Und wenn das Leben einfach wäre, würde jetzt tatsächlich die Mehrheit der Bevölkerung den Rücktritt Wulffs begrüßen. Macht sie aber nicht … Zumindest in der Umfrage, die ich heute irgendwo gesehen haben, war das in etwa ein Fifty/Fifty …

    Die These, dass die Medienempörung die Print Version des Internet Shitstorms ist, teile ich im Übrigen auch nicht. Die Medien haben schon immer interne Meinungsführer gehabt. Und wenn sich da jemand entsprechend positioniert hat, fällt vielen Journalisten die Entscheidung einfacher. Und die FAZ hat sich bei Wulff sehr früh gegen Wulff positioniert, nicht so klar wie bei Guttenberg, aber früh. Als die anderen ach so wichtigen Vertreter der vierten Säule vor allem belangsloses Wischiwaschi abgesondert haben.

    duckundweg …

  • 63
    zur sagt:

    @Wolfgang Michal (Kommentar 56): Irgendwer fordert natürlich immer direkt Rücktritt. Aber a) sind das nicht ALLE, wie sie sagen (ja, da möchte ich sprachlich genau sein), b) sind die großen Medien in meinen Augen zurückhaltend. Zwischen den Zeilen kann man immer irgendetwas herausdeuten, wenn man will. Sie sagen ja: Man muss schon lesen w-o-l-l-e-n. Und wenn ich nicht will? Wenn ich das ganze nicht in Richtung “Wulff muss weg” deuten will, sondern eher: “Der Präsident muss sich verteidigen, er muss reinen Tisch machen und die Dinge aufklären.” Dann lassen die Formulierungen das zu. Prantl schreibt in der SZ sinngemäß: Wulff muss bleiben, damit das Präsidentenamt keinen irreparablen Schaden nimmt.

    Dass sich manche Medien auf den Boulevard stürzen ist doch klar. Das war früher so, das ist heute so. Da hat die Bloggosphäre gar nichts mit zu tun.

  • 64
    zur sagt:

    @A.G.: Wie wär’s, wenn einfach der Bundespräsident reinen Tisch macht und alles erzählt? Dann haben die Medien keine Chance mehr auf Salami-Taktik. Davon abgesehen stimmt Ihre These nicht, dass die Medien direkt alles aufklären könnten, wenn sie nur wollten. Wenn das so wäre, hätte ein Medium das schon gemacht, um den großen Scoop zu landen.

  • 65

    […] http://www.wolfgangmichal.de/?p=1450 Wulff muss weg!! Über die moralische Radikalisierung der Öffentlichkeit […]

  • 66

    […] Wulff muss weg!! Über die moralische Radikalisierung der Öffentlichkeit Der Bundespräsident steckt in der Kreditklemme. Und alle fordern: Weg mit ihm. Verliert die öffentliche Empörungskultur die Realität aus den Augen? […] Die gegenwärtig kritisierte Freunderl- und Amigowirtschaft ist weder neu noch eine niedersächsische Spezialität. Auch die Sitzplatzvergabe an Unternehmer (oder Journalisten) bei Flügen in ferne Länder ist eine typische Gunstbezeugung aller Kanzler und (Minister-)Präsidenten. Die politische Landschaftspflege mit Hilfe von Spenden und anderen Wohltätigkeiten ist trotz aufgedeckter Flickaffäre nie beendet worden. Durch mediale Empörung werden – wenn’s hoch kommt – einige Figuren ersetzt, mehr ändert sich nicht. Was sich jedoch ändert, sind Intensität und Umsatzmenge der Empörung – bei weitgehend fehlender Gewichtung der Fälle. Der Panzerdeal mit Saudi-Arabien ist im Zweifel weniger Empörung (und Schlagzeilen) wert als die nicht korrekt abgerechnete Bonusmeile, der günstige Privat-Kredit unter „Freunden“ mehr als das von einer Lobby frech geschriebene Gesetz. Es kommt nur darauf an, wessen „Abschuss“ gerade ins politische und geschäftliche Kalkül passt. Insofern haben die Empörungswellen etwas Beliebiges – und in ihrer Dimension Unberechenbares. Kaum ist diese Kampagne vorbei, folgt schon die nächste. Man könnte deshalb von einer Dauerempörung sprechen, die letztlich nicht den Verstand schärft, sondern den Mob erzeugt. Quelle: Wolfgang Michal […]

  • 67
    A. G. sagt:

    @zur
    „Wie wär’s, wenn einfach der Bundespräsident reinen Tisch macht und alles erzählt? Dann haben die Medien keine Chance mehr auf Salami-Taktik.“ Gute Idee, sollte die Runde machen. ;)

    „Davon abgesehen stimmt Ihre These nicht, …“ Das meine These wahrscheinlich doch stimmt, kann ich Ihnen in einem 5-Minuten-Posting nicht darlegen. Hierzu müsste die Medienberichterstattung der letzten Tage synoptisch nach Fakten, Unklarheiten, Meinungen aufbereitet werden und auf einer Zeitachse mit Kommentaren versehen werden. Vielleicht macht das ja jemand, der sich mit Medienmanipulation näher befasst. Ist bestimmt spannend, aber nicht mal eben so zu erledigen.

    Nur so viel, nehmen wir diese Meldung von heute:
    http://www.welt.de/videos/politik/article13778079/Wulffs-Anwalt-bestaetigt-Verhandlungen-mit-Geerkens.html#autoplay

    „Kredit-Affäre
    08:16
    Wulffs Anwalt bestätigt Verhandlungen mit Geerkens
    Der Unternehmer Egon Geerkens war doch an den Verhandlungen über einen Privatkredit an den heutigen Bundespräsidenten Christian Wulff beteiligt. Das bestätigte Wulffs Anwalt Gernot Lehr.“

    Die Überschrift Kredit-Affäre ist schon fragwürdig. Aus einem Kredit wird eine „Affäre“ gemacht. Ein Kredit ist ein Kredit ist ein Kredit.

    Es ist nicht ungewöhnlich, dass ein Ehemann, der seiner Frau vermutlich im Rahmen der vorweggenommenen Erbfolge viel Geld geschenkt hat, diese bei wirtschaftlichen Verhandlungen unterstützt. Ein völlig normaler Vorgang. Dass Wulff dies im Landtag hingegen nicht angegeben hat, das ist problematisch. Die Meldung enthält als Neuigkeit nur die anwaltliche Bestätigung, sie dient der Stimmungsmache – ist eine Salamischeibe zum Frühstück um 08:16.

  • 68
    zur sagt:

    Anders interpretiert:

    Die Meldung zeigt lediglich, dass Christian Wulff immer so viel sagt, wie die Medien an Fakten auf den Tisch legen. Das finde ich für einen Bundespräsident sehr kritikwürdig.

    Und ein Kredit ist eben nicht nur ein Kredit. Es kommt im politischen Kontext sehr darauf an, von wem unter welchen Umständen wie viel Geld verliehen wurde. Ich finde es schon merkwürdig, dass in den beiden großen Biografien von Christian Wulff Egon Geerkens als “väterlicher Freund” nie auftaucht, er dann aber “plötzlich” so gut mit Christian Wulff befreundet ist, dass er ihm mal eben, ohne jede Sicherheit, 500.000 Euro leiht. Und dann finde ich es auch merkwürdig, dass die Freunde Maschmeyer und Co., die früher die Freunde Gerhard Schröders waren, “plötzlich” zu Wulffs Freunden wurden, als er Ministerpräsident wurde. Günther Jauch hat am Sonntag in seiner Sendung alle Gäste gefragt, wer denn Freunde hätte, die ihnen 500.000 Euro ohne Sicherheit leihen würden. Niemand. Es bleibt der fade Beigeschmack, dass sich dort reiche Menschen ein für Sie günstiges Klima in der Politik schaffen. Ich rede nicht von Korruption, das ist etwas anderes. Aber bei der nächsten Gesetztesinitiative, die den Freund Egon Geerkens in irgendeiner Weise betrifft, hat Ministerpräsident Wulff den Kredit bestimmt nicht vergessen…

    Und ja, so konservativ bin ich: Ein Bundespräsident mit legal korrektem Verhalten, aber fadem Beigeschmack, ist kein guter Bundespräsident. (Und wenn jetzt DIE MEDIEN ans Licht bringen, dass er sogar gegen irgendein Gesetz verstoßen hat, sieht die Sache natürlich nochmal ganz anders aus…)

  • 69

    @egghat: Ihre Formulierung (auch wenn Sie diese ausdrücklich verneinen) gefällt mir: Die Medienempörung ist die Print-Version des Internet-Shitstorms.

  • 70

    […] via» Wulff muss weg!! Über die moralische Radikalisierung der Öffentlichkeit Wolfgang Michal. Sharen mit:TwitterFacebookGefällt mir:LikeSei der Erste, dem dieser post gefällt. […]

  • 71
    A. G. sagt:

    @zur
    Die Kritik an Wulff finde ich nicht unangebracht, stimme Ihnen zu. Lesenswert zum Thema allgemein ist der Link hier unter Kommentar 11: http://www.zeit.de/2002/31/Kontaktkleber_fuer_Geld_und_Macht/komplettansicht

    Die Methodik der Medien ist hingegen fragwürdig.

  • 72
    hunsrückbäuerchen sagt:

    sie hätten ihren Komentar sein lassen sollen, gerade und weil sie der Öffentlichkeit das vorwefen, das sie hier so schön praktizieren. Ihre Wortwahl ist schon recht einseitig. Leitmedien, Pawlowscher Reflex, Publikumsjoker etc. das ist unter unserer Würde und so gesehen beleidigend. Die Relativierung der Wulffschen Verfehlungen im Kontext mit den von ihnen aufgezählten, negiert seine Taten nicht. Sie zeigt lediglich, das sie sich als Blogger/Autor ebenso am moralisch, sittlichen Verfall der Gesellschaft beteiligen, analog dem “Sautrieb durchs Dorf” der “Leitmedien”. Wulffs Verfehlungen werden im Vegleich zu Berlusconis, Chiraques, nicht besser, schöner, weniger, nur weil es sich um vermeintlich kleinere, wenige bedeutsame Verfehlungen handelt. Verfehlungen sagen etwas über das Wesen und dessen Charakter aus. Ich würde Wulff nicht als meinen Repräsentanten wählen, er ist mir nachweislich nicht vertrauensvoll genug. Bei den bekannten Verfehlungen muß ich davon ausgehen, dass er mich, mit meinem Mandat bedacht, verschachert um daraus einen persönlichen Vorteil zu ziehen. Da spielt es NULL Rolle, dass ich das bei Chiraque und Berlusconi auch so sehe.
    Die Messlatte für Wulff herunterzuhängen oder im Nachgang zu relativieren halte ich für vollkommen indiskutabel. Der Mann ist Politprofi, das Amt des BP kam nicht über Nacht, er wußte auf was er sich einläßt und was dieses Amt bedeutet. Er wird diesem Amt nicht gerecht, den ihm als BP gebührende Respekt hat er sich nie erworben, jetzt hat er bewiesen, dass er das wohl auch nicht vorhatte. Also, was soll er noch im Amte? Dass D dank solcher Politiker und ebensolcher Blogger, die Würde, Moral, Ehre, Ethik, je nach Gusto relativieren und in diesem Zusammenhang dann auch noch Begriffe wie Toleranz, etc. hinzuziehen, führt letztlich in die Gleichgültig- und Beliebigkeit und genau das darf nicht sein. Das erleben wir gerade mit Euroland, und in D hatten wir das schon mal und es ging nicht gut aus, ich möchte darauf verzichten, dies zu wiederholen.
    Nun werden Kritiker anmerken, ich würde hier den Moralisten abgeben. Ja, das tue ich, in Bezug auf Amt-, und Würdenträger bin ich nicht zu Konzessionen bereit. Doch nicht jeder Mensch ist Amt- und Würdenträger oder trachtet danach, der darf dann auch gerne seine Leichen im Keller haben. Wenn sie dann allerdings beginnen zu stinken, sollte auch der sich erklären und nicht wie Wulff drumherum lamentieren.

  • 73

    Korinthe noch: Um einen Pawlowschen Reflex geht es wohl gar nicht. Sondern nur um einen Reflex: ein Medium erklärt etwas zum Skandal und alle machen mit. Bei Pawlow ging es um die Konditionierung. Wer sollte hier die Medien wie konditioniert haben?
    Das Bild vom simplen Reiz-Reaktions-Schema passt hier auch besser (bzw. genügt): wenn das entsprechende “Leitmedium” etwas zum Skandal oder zur Affäre erhebt, dann jagt die Meute los.
    In der Sache ist Ihnen natürlich vollends zuzustimmen. Dem Journalismus fehlt eine nachvollziehbare Echauffierungs-Skala. Was interessiert uns ein Privatkredit von Wulff z.B. angesichts des neuerlichen Hinweises von Bernd Raffelhüschen, die Staatsschulden lägen wegen vorhandener Zahlungsverpflichtungen (Pensionen) in Wahrheit bei etwa 11 Billionen Euro und Deutschland stehe damit schlechter dar als etwa das gescholtene Italien. Über solch eklatanten Planungsfehler “der Politiker” könnte man sich ja wirklich aufregen – allerdings wird da niemand eine Lösung wissen die so einfach ist wie den Rücktritt _eines_ Politikers zu fordern.

  • 74

    A.G. Ja, es gibt viele Hunzingers in diesem Land. Schade, dass es keine Website wie Lobbycontrol gibt, die sich mal nur mit den Verstrickungen von Journalisten und Verlegern in all die Kungelkreise aus Wirtschaft, Politik und Journaille befasst.

    Wenn Herr Döpfner z.B. sagt, dass die Akten zur Wallraff-Bespitzelung in seinem Haus leider verschwunden seien, dann wird nicht tagelang in allen Gazetten auf Seite 1 gefragt, ob er nicht vielleicht doch etwas zu verbergen habe…

    @hunsrückbäuerchen: “Würdenträger” – das klingt für mich nach 19. Jahrhundert. Müsste man alle vergleichbar skandalösen “Querfinanzierungen” der letzten 50 Jahre aufzählen, würde das Internet nicht ausreichen dafür. Um noch einmal das Prinzip klarzumachen: Eine Finanztransaktionssteuer wäre sinnvoller als jeden Tag den Rücktritt irgendeines Ackermanns zu fordern.

  • 75
    Lux sagt:

    Die These, die Mainstream- Medien (angeschlossenen Medien) hätten sich der Blogger- und Twitter- Szene angepasst, widerspricht der Tatsache, dass besagte Medien längst ein solches Niveau verinnerlichten, als es noch gar kein Internet gab.

  • 76

    Michal

    “Um noch einmal das Prinzip klarzumachen: Eine Finanztransaktionssteuer wäre sinnvoller als jeden Tag den Rücktritt irgendeines Ackermanns zu fordern.”

    Die werden aber die Medien nicht einführen. Das ist ein politischer Diskurs, wo Argumente eine Rolle spielen und in demokratischen Gesellschaften Mehrheiten. Aber Medien können das Handeln von politischen Akteuren am Beispiel der von ihnen selbst als gültig anerkannten Regeln kritisieren und einfordern. Das ist ihr Job.

    Den Unterschied sollte man zur Kenntnis nehmen. und was die Klüngelei von Medien angeht. Es ist nun wirklich nicht so, dass das nie thematisiert worden ist. Viele Blogger leben davon, wenn auch nur intellektuell. Aber was in Gottes Namen hat das jetzt mit dem Bundespräsidenten zu tun? Der Bundespräsident hat eine gewisse verfassungsrechtliche und staatspolitische Stellung. In dieser Affäre geht es nur um diesen Zusammenhang. Er kann sich weder auf einen Ministerpräsidenten oder einen Landrat, noch einen Journalisten oder Schlagersänger beziehen, um sein Verhalten zu legitimieren.

    Es ist schon denkwürdig, dass das überhaupt formuliert werden muss. Also kann man nur eine Frage beantworten: ist Wulffs Handeln mit seinem heutigen Amt vereinbar oder nicht. Wenn ja, dann ist das in Zukunft der Maßstab, mit dem wir das Amt betrachten müssen.

    Alles andere ist mehr oder weniger irrelevant. Nur dazu muss sich jeder, der sich an der Debatte beteiligt, positionieren.

  • 77

    Lieber Lübberding, schön, dass Sie mir die Funktion von Medien noch mal erklären. Thematisieren sollen sie und argumentieren, nicht aufbauschen und Druck machen! Das wusste ich noch nicht.

    Nein, die Kungelei zwischen Wirtschaft, Politik und Medien/Verlagen ist leider noch nie wirklich ausführlich thematisiert worden. Wo denn auch? In ein paar Blogs, sagen Sie. Na toll. Hier liegt noch sehr viel (Nach-)Forschungsarbeit vor uns.

    Und da nun auch Sie noch die staatspolitische Bedeutung und Würde des Bundespräsidenten-Amtes anführen: Sie kennen sicher Matthias Richlings Köhlersche Weihnachtsansprache und Rainald Grebes Lied “Ich bin der Präsident”. Wir sollten die Realität der Würde dieses Amtes (mit Schaudern, mit Freude oder auch mit Erleichterung) zur Kenntnis nehmen. Und weil das die (traurige und schöne) Realität ist (Gott sei Dank kein Würdenträger mehr wie Hindenburg, der einst sagte: ER kann es!), ist die aufgeblasene vorweihnachtliche Medienkampagne auch so absurd.

    Wenn wir schon über europäische Durchgriffe in nationale Haushalte reden, dann können wir auch solche Verfassungs-Ämter in Frage stellen – oder zumindest “normal” bewerten. Die Sehnsucht nach einem, der uns Orientierung gibt, überlasse ich gern der BILD-Zeitung.

  • 78

    Sehr geehrter Herr Michal,

    vielen Dank für diesen wohltuenden Blogbeitrag.

    Mit der hysterischen Ver- und Aburteilung von menschlichen Verfehlungen erreichen wir nur eines: immer stromlinienförmigere Politiker, die immer weniger Mut haben – bloß nicht auffallen. Wenn man etwas tut, dann passieren auch Fehler und Verfehlungen. Damit sollten wir – mit gebotener Achtsamkeit – leben.

    Es zeigt sich in meiner Wahrnehmung eine immer eigenartigere Situation: einerseits wollen wir Menschen als Entscheider haben, die etwas bewegen, anders sind, Ecken und Kanten haben. Gleichzeitig fallen wir unmittelbar über Menschen her, die uns solche Ecken und Kanten auch sehen lassen. Es geht nur eines von beiden – und wir sollten uns entscheiden. Mir ist dann eine bunte Welt lieber als das langweilig-graue Bild dass sich zurzeit in unsere politischen Landschaft zeigt.

    Viele Grüße

    Steffen Henkel

  • 79

    Erkläre immer gerne … . Nur was machen eigentlich Müller und Lieb auf den Nachdenkseiten? Die Rolle der Medien kritisieren? Damit haben sie es auch in den mainstream geschafft. Was erwarten Sie? Dass hier jetzt Döpfner auftaucht und sein Versagen schluchzend gesteht? Er Diekmann rausschmeisst und Müller zum Chefredakteur macht? Wäre es Ihnen lieber gewesen, wenn die Bild jetzt jeden Tag eine Geschichte wie bei Guttenberg in das Blatt nimmt?

    Man kann es wirklich übertreiben.

    Mein Argument ist leider nicht widerlegt worden. Es gibt eine Handlungsebene für Medien, die genau so funktionieren wie oben beschrieben. Das System der Politik an seine eigenen Ansprüche und sein Rollenverständnis zu erinnern. Natürlich wird dann auch bisweilen mit harten Bandagen gekämpft. Das wird nun niemanden überraschen. Aber Sie sagen eben nicht, dass Sie das Handeln Wulffs für in Ordnung halten. Sie drucksen herum: die Medien würden das Thema aufblasen. Echt? Wissen Sie schon heute, was in diesem Luftballon namens Wulff noch alles zu finden ist? Sie sind Journalist und nehmen alles hin, was er über seine Anwälte verlauten lässt? Und kommen mir dann mit Richling und Hindenburg? Bei Ihnen werden alle Katzen grau.

    Und zur Eurokrise. Ich habe noch ein Argument. Weil die Banken 500 Milliarden bekommen, wen interessieren dann die 500.000 für Wulff? Und Sie dürfen gerne alles in Frage stellen. Hat das jemand verboten? Nur Wulff interessiert es nicht, ob jemand jetzt philosophische Betrachtungen über das Amt des Bundespräsidenten anstellt. Ihn interessiert es aber schon, dass er jeden Tag mit konkreten Fragen konfrontiert wird – und seine Geschichte zusehens auseinanderfällt, die er erzählt hat. Aber er wäre sicher begeistert, wenn man ihm endlich konstatieren würde, dass sei alles “normal”, was er so gemacht hat. Das versucht er seit Tagen deutlich zu machen. Aber normal ohne Anführungsstriche.

    Ich hätte es nicht für möglich gehalten, dass die Bild tatsächlich kritischer sein kann als Sie. Die versuchen bisweilen auch, Dinge als “normal” zu beschreiben, die nicht normal sind. Zuletzt bei Guttenberg. Nur bei Wulff eben nicht. Aus welchen Gründen auch immer. Nur das weiß ich ganz selten: aus welchen Gründen jemand etwas macht. Aber ich weiß, was er macht. Das kann nämlich sehen, lesen und hören.

  • 80

    Interessant. Wulff war nicht stromlinienförmig. Ich lerne jeden Tag etwas dazu.

  • 81
    A. G. sagt:

    Als Nachweis für die nicht korrekte Berichterstattung zu Wulff wäre ich nun doch für die unter #67 angeregte synoptische Darstellung auf einer Zeitachse. Das muss richtig systematisch aufgearbeitet werden, Diskussionen bringen einen jetzt hier nicht weiter…

    Als eins der wenigen Portale, welches sich mit Medienmanipulation befasst, sind mir bisher die Nachdenkseiten aufgefallen. Und ausgerecht die Berichterstattung über Wulff interessiert die nicht? ;) Mit Steinbrück, zu Guttenberg hat man sich hingegen ausführlich befasst. Merkwürdig.

    Als Nicht-Bildleserin möchte ich mit recherchierten Informationen sachlich, ohne Schnellschuss informiert werden und mich nicht häppchenweise mit einem Personen-Hick-Hack befassen. Das Thema ‚Integrität des Staatsoberhaupts‘ ist dabei wichtig. Und ich wünsche mir, dass mit dieser Intensität frühzeitig politische Themen von den Leitmedien behandelt werden.

  • 82
    A. G. sagt:

    … Sorry, manchmal sollten Beiträge – auch in sprachlicher Hinsicht – Korrektur gelesen werden.

  • 83

    @Lübberding: Am besten gefällt mir Ihr Satz: “Ich hätte es nicht für möglich gehalten, dass die BILD tatsächlich kritischer sein kann als Sie.”

    Aber zurück zur Sache. In Ihrem Blog ‘Wiesaussieht’ schreiben Sie: “Es geht jetzt darum, eine Systematik aufzudecken. Und dafür liefert erst Wulff das Material. Das ist Journalismus. Wie sich in solchen Strukturen Mentalitäten entwickeln. Was “Freundschaft” hier bedeutet… Ich denke, wir bekommen gerade interessante Einblicke, die uns bisher verborgen blieben.”

    Das verblüfft mich nun doch. Seit wann verfolgen Sie das politische Geschehen in diesem Land? Seit drei Wochen? „Erst durch Wulff“, sagen Sie, würden jetzt die “Freundschaften” enttarnt? Sind Ihnen die ganzen Affären hiesiger Ministerpräsidenten nicht bekannt? Strauß, Barschel, Koch, Späth, Streibl, Biedenkopf, Schröder, Glogowski, um nur einige zu nennen. Die Bundesminister lasse ich mal außen vor.
 Der Fall Wulff ist nun wirklich nichts Besonderes. Sein Verhalten als MP ist ein ziemlich übliches Verhalten von Leuten in diesen Kreisen.

    Eine Egal-Haltung habe ich deshalb trotzdem nicht. Ich heiße die Amigowirtschaft auch nicht gut. Ich finde nur, wir können heutzutage nicht mehr so naiv sein, dass wir sagen MEDIEN = PURE AUFKLÄRUNG. Wir können die eigene Rolle und die Rolle bestimmter Medienhäuser bei diesen Dingen nicht außen vor lassen.

  • 84
    M. R. Genz sagt:

    Interessante Thesen, Herr Michal!

    Trotzdem: Die Kritik an Wulff ist, auch in dieser Orchestrierung, berechtigt. Ich kenne die Problematik, freilich auf viel kleinerer Ebene: Mein Vater war jahrzehntelang Bürgermeister einer Kleinstadt. Wenn eines klar war, dann das: Nimm NIEMALS irgendwelche Gefälligkeiten entgegen, auch nicht die kleinsten. Niemals. Es wird auf dich zurück fallen. Das war das oberste Gebot, dieser Grundsatz war über die Jahre allgegenwärtig und immer präsent.

    Ich erinnere mich noch gut, wie mir ein Bauunternehmer, mit dem sich mein Vater auf der Straße einige Augenblicke unterhielt, als kleiner Junge einen Eisbecher spendieren wollte. Kommt nicht infrage, hieß es. Ich habe das damals nicht verstanden. Mein Vater hat mir dann selbst einen Eisbecher ausgegeben. Heute verstehe ich es.

    Ich weiß auch noch, wie mein Vater zutiefst verstört war, als ihn ein alter Freund darum bat, ihm beim Kauf eines Baugrundstückes “behilflich” zu sein. Das hat meinen Vater menschlich schwer enttäuscht, denn er hat es so gesehen: Mein Freund denkt von mir, dass ich bereit bin, ihm Vorteile zu verschaffen, und damit denkt er, dass ich nicht nach Interesse der Allgemeinheit handele, sondern nach dem einzelner und nach meinen eigenen. Wenn man sich 14 Stunden am Tag für die Gemeinde ins Zeug legt, dann trifft einen so etwas. Sein Freund hat es übrigens nicht eingesehen. Das hat die Freundschaft lange belastet.

    Ich erinnere mich auch noch gut, dass die Steuerfahndung eines Tages bei uns im Hause war. Gefunden haben sie nichts, weil immer alles korrekt ablief. Da hatte uns jemand denunziert, vielleicht WEIL er keinen “Gefallen” erhalten hat.

    Ich will hier gar nicht irgendwelchen Pathos aufbauen, mein Punkt ist einfach der: Wenn ein Kleinstadtbürgermeister genau weiß, wie der Hase läuft, und wenn er, und sei es nur aus Selbstschutz, genau weiß, dass diese Art von “Gefälligkeiten” ein abolutes No-Go sind, wie kann es dann Wulff nicht wissen?

    Wulff wusste, was er tut, und wenn er nur ein grundlegendes Politikverständnis hat, dann musste er auch wissen, dass dies der Anfang vom Ende jeder Politik ist.

    Er hat es trotzdem getan.

  • 85
    Marianne Brinkmann sagt:

    Ich muss zuerst einmal sagen: Danke für diesen wunderbaren Beitrag. Ich finde es auch immer wieder erstaunlich wie eine solche Welle losbrechen und ewig lange über so etwas diskutiert und gesprochen werden muss.

    Was geht es uns an, wenn seine Frau solchen Tätigkeiten nachgegangen ist? Ich meine “FirstLadySkandal” (siehe http://www.firstlady-skandal.com) Wo kommen wir denn da hin, wenn jetzt von jedem irgendein schmutziges Detail aus der Vergangenheit geholt wird und derjenige deshalb gleich entlassen wird und so weiter. Ich meine, wir alle haben Fehler gemacht und ich denke, dass man nicht immer an der Vergangenheit messen sollte. Die gute Frau hat sich doch anscheinend geändert und zählen nicht andere Dinge als die vergangenen Tätigkeiten von dem Ehepartner?

    Aber dennoch halte ich Wulff nicht für den besten Bundespräsidenten, wenn man die Finanzgeschäfte bedenkt, bei denen es wohl nicht ganz mit rechten Dingen zugegangen ist…

  • 86

    @Marianne Brinkmann: Offensichtlich wird nun versucht, Wulffs Frau ins Spiel zu bringen, und sei es, mit Hilfe von lächerlichen Fake-Webseiten wie der von Ihnen genannten. Auch das ist ein typisches “Verstärker”-Element.

  • 87

    Michal

    Wer bringt was ins Spiel? Offenkundig der Blogbetreiber und die Kommentatorin. Tatsächlich: ein Verstärkerelement, solche blogs.

  • 88
    A. G. sagt:

    Was irgendwer ohne eigenes politisches Amt irgendwann möglicherweise gemacht hat, möchten viele gar nicht wissen. Irgendwelche Andeutungen der Presse sind fehl am Platz…

  • 89

    @Lübberding. Wer was ins Spiel bringt? Nun, z.B. die WELT, vor Erscheinen dieses Beitrags – und es gibt, weiß Gott, noch mehr “Verstärkungen” im Netz.
    http://www.welt.de/politik/deutschland/article13772535/Auf-den-Spuren-des-Praesidenten-Schlamassels.html

    Finden Sie eigentlich das, was Ulrich Exner am 18.12. bei Welt Online geschrieben hat, gehört zur Aufklärung dazu? Ich zitiere einen Ausschnitt aus diesem “Aufklärungs”-Artikel:

    „….war Bettina es nicht gewesen, die ihrem Göttergatten gerade das Upgrade für den Miami-Flug schöngeredet hatte, nach einem fröhlichen Gespräch mit Air-Berlin-Boss Joachim Hunold?
    War sie es nicht, die drauf und dran war, aus dem bescheidenen Christian Wulff, der sich noch bei der Expo 2000 in Hannover brav in die Schlange der Normalsterblichen gestellt hatte, eine Art VIP-Gockel zu machen, dem kaum ein Fest zu schrill, zu bunt war?
    War sie es nicht, die sogar Olaf Glaeseker, den gewieften Sprecher des Ministerpräsidenten, gelegentlich darüber klagen ließ, dass er manchmal nicht mehr durchdringe bei Wulff? Und dazu diese Gerüchte und Geschichten über das wilde Vorleben der neuen Ministerpräsidenten-Gattin.
    Die schon als Schülerin zu Partys nach Sylt gefahren sein soll…“

    Nach 643 Einträgen musste die Kommentarfunktion bei Welt Online deaktiviert werden. Ihre Springer-Aufklärungs-Verteidigung, Herr Lübberding, bekommt allmählich eine etwas merkwürdige Schlagseite…

  • 90

    Wer den Spiegel gelesen hatte, muss sich nicht wundern, dass Frau Wulff eine besondere Rolle in dieser Affäre spielt. Völlig unabhängig von ihren Ausflügen nach Sylt. Was Anderes steht in dem Artikel auch nicht. Offenkundig wollen Sie das aber nicht zur Kentnnis nehmen. Nur ging es mir darum, dass Sie ganz bewusst den Verstärkereffekt benutzen, den sie ansonsten meinen kritisch konstatieren zu müssen. Es ging um nichts anderes. Und tatsächlich versuchen unter anderem Bild und Welt hier eine Affäre aufzuklären, deren Ausmaß noch niemand kennt. Wie gesagt: mich wundert Ihre fehlende Neugier, obwohl die Widersprüche offenkundig sind und mittlerweile auch belegt. Es bleibt immer noch Zeit genug, die Bild zu kritisieren. Allerdings dann, wenn es begründet ist.

  • 91
    A. G. sagt:

    @Frank Lübberding
    Was Frau Wulff angeht, ist die Frage relevant, warum sie in 2008 einen Darlehensvertrag über 500.000,00 € unterzeichnete, obwohl sie sich mit ihren Einkünften als damalige Pressesprecherin mit der Unterzeichnung des Vertrags übernommen haben dürfte. In diesem Zusammenhang ist von Interesse zu erfahren, ob sie nebenher selbständig wirtschaftlich tätig war und ist. Hatte sie beispielsweise jemals Einnahmen als selbständige Beraterin seit 2008?

  • 92

    […] Wolfgang Michal – Wulff muss weg!! Über die moralische Radikalisierung der Öffentlichkeit Die Welt – J. Eigendorf, D. F. Sturm: Das Wort “glaubwürdig” ist für Wulff von nun an tabu Die Zeit – Peter Dausend: Die liberale Katastrophe […]

  • 93
    H. Heine sagt:

    @ Blogger

    Auch ich meine: WULF MUSS WEG. Besser: WULFF hätte schon vor einer Woche aus den drei bekannten Gründen weggetreten werden müssen.

    Der neue Gesichtspunkt betr. Großkredit der Frau WULFF verweist in der Tat auf die derzeitige (zweite) Frau des Herrn WULFF un erinnert an Präsidialhistorisches:

    Hatte Herr HINDENBURG nicht auch seinen in der (damals Weimarer Reichs-) Verfassung nicht vorgesehenen Sohn?

  • 94
    H. Heine sagt:

    FALL WULFF … bodenloser als bodenlos:

    Wenn dies hier -> http://www.n-tv.de/politik/Gabriel-Wulff-soll-bleiben-article5079991.html zutrifft, dann meint der gegenwärtige SPD-Bundesvorsitzende: Träte BP-Wulff zurück, dann käm die Staatskrise, also RÜCKRITT => STAATSKRISE.

    Der Mann hat nicht nur ein´ anner Wa[…]. Sondern jetzt auch´n dritten Spitznamen nach „Harzer Roller“, „Poppie“ => „Freibriefler“: er vergibt öffentlich ´n Freibrief, damit BP-Wulff ohne jede Bindung an Recht und Gesetz tun und lassen kann was will er.

    Eine Variante, das noch zu toppen, wäre die katholische => Benedictus XVI spräche den BP-Wulff wegen seiner Tugend des beharrlich von den Reichen zu nähmen selig;-)

    Es ist hohe Zeit, daß der FALL WULFF => WULFFS FALL wird.

    H. Heine am 26.12.2011

  • 95

    […] Tscha, wie blind darf sich ein schreibendes Wesen eigentlich stellen? Natürlich geht’s bei der Seilschen Suada ohne jeden Beleg oder eine Verlinkung ab. Fundstellen dürften auch rar gesät sein, denn im Netz ist doch eher der Aufruf zur Besonnenheit daheim, so wie im Blog von Wolfgang Michal, der dort eine zumindest bedenkenswerte These aufstellt: “Nicht die Blogger und Twitterer haben sich den Leitmedien angepasst, sondern die Leitmedien d… […]

  • 96

    Hier das Ganze übrigens andersrum (ohne Belege, Links o.ä. allerdings, naja): “Das Netz als Gosse” / cicero: http://www.cicero.de/berliner-republik/das-netz-als-gosse-demokratie-im-internet-wulff-bundespräsident/47784

  • 97
    Jochen sagt:

    Bitte Kommentar 84 von Herrn Genz lesen und – LERNEN. Dort ist alles, wirklich alles gesagt. Und noch eines: NACHMACHEN. Die Art Moral ist verloren gegangen. Ein großer Verlust! Hut ab von Herrn Genz senior.

  • 98
    karl theodor sagt:

    Wulff als Bundespräsident war von Anfang an eine Fehlbesetzung!
    Wulff wäre viel besser als Sparkassen Direktor geeignet , ihm fehlen alle Eigenschaften die für dieses Amt erforderlich sind!
    Jetzt wird es Zeit für den Rücktritt!

  • 99
    H. Heine sagt:

    Hi KT # 98

    War nicht der Herr Vorgänger des Herrn BP-Wulff, der Herr BP-Köhler, Bundessparkassendirektor?

  • 100

    […] anhand der realen Ereignisse nicht mehr vorhersagbar. Ein lächerlicher Hauskredit entfacht einen moralischen Tsunami, während die für Millionen Menschen tödliche Börsenspekulation mit Rohstoffen („Wetten auf […]

  • 101

    […] funktioniert so gut, weil die Medien sich von der Bloggeria massiv getrieben fühlen. Noch einmal Wolfgang Michal zitiert: „Nicht die Blogger und Twitterer haben sich den Leitmedien angepasst, sondern die Leitmedien […]

  • 102

    Guten Tag Herr Wolfgang Michal:

    Zum Stand der Dinge oder warum ich immer noch meine: WULFF MUSS WEG

    (1) Mich ermüdet´s. Auch nach Wulff-wiki-Durchsicht. (Ich bin wohl „gelernter“ Fachjournalist und habe ab & an an Unis, FHSn und in praktischer Berufsausbildung seit 1977 wissenschaftliches „Recherchieren“ und „qualifiziertes journalistisches Recherchieren“ gelehrt, bin aber in diesem Feld seit Jahren „nur“ noch ehrenamtlich aktiv). Hier und bewußt knapp wenige Hinweise mit wenigen Links:

    (2) Es gibt wirklich, was allgemein „informational overkill“ [zu viel Infos] genannt wird und hier speziell wirkt als „overdocumentated“ [es wird, oft bis hin zum letzten Stöckchen, zu viel aufgelistet, das verwirrt nur und schafft´n „Bumerang-Effekt“]. Das bedeutet m.E.: nötig ist die Konzentration auf wenige klare Sachverhalte, Felder und Probleme. Dies sind, damit aus dem „Fall Wulff“ bald „Wulffs Fall“ wird, m.E. diese drei:

    (3) 1. Der Ausgangspunkt, über den BILD berichten wollte (und berichtete): 500.000 € „Privatkredit“ zu extrem günstigen Sonderbedingungen. Hier nach meiner Kenntnis nicht bedacht, daß es sich seis 3.1.1.um eine große „Dankeschönspende“ wie weiland „erfunden“ von der Kölner SPD und dort bis zu Beginn der Nullerjahre höchsterfolgreich praktiziert gehandelt haben könnte sei´s 3.1.2. um GWG-relevante Vorgänge [ -> http://www.gesetze-im-internet.de/bundesrecht/gwg_2008/gesamt.pdf ]; 2. Geht es darum, daß BP-Wulff im berüchtigten öffentlich-rechtlichen Kopf-und-Kragen Interview bei ARD & ZDF [-> http://www.youtube.com/watch?v=hNXu8BBlQXc ] öffentlich zugab, daß er als BP wegen eines Tages BILD-Bericht-„Aufschub“ gegen das Grundrecht Artikel 5 Grundgesetz verstoßen hat; 3. Geht es auch, wenn auch bisher lediglich von der Wirtschaftswoche[-> http://www.wiwo.de/politik/deutschland/volkswagen-was-wusste-wulff/6021414.html ] in der letzten Woche berichtet, daß der heutige BP als damaliger MP-NS (Min.präsident Niedersachsen) und Aufsichtsratsvorsitzender (ARV) des VW-Konzerns iZm. geplanter „feindlicher“ Übernahme von VW durch Porsche verdächtigt wird, dem mehrheitlich landeseignen Grußunternehmen geschadet zu haben, wobei es sich um eine Gesamtschadenssumme um etwa 1,8 Milliarden € handeln soll. Das meint: 3.1. = mittlere Ökonomie, 3.2. = Grundrechtepolik, 3.3. = Milliardenökonomie.

    (4) Soweit mal der Versuch einer konzentrierten Strukturierung in drei relevante(n) Felder(n). Alles andere ist m.E. yellow- oder Klatschspaltenpresse – und sollte dort auch im Schmuddel bleiben.

    Freundliche Grüße

    Dr. Richard Albrecht, 13. 1. 2012
    http://www.academicroom.com/users/richard.albrecht

  • 103

    @Dr.Albrecht: Was die Konzentration der Recherche auf bestimmte Punkte angeht, gebe ich Ihnen Recht. So wie sich das Ganze dann entwickelt hat, haben sich die Medien selbst ins Knie geschossen. Zu viele Aufmacher, zu viele Schlagzeilen, zu viel Spiel über Bande und zu viel Heuchelei. Einfach von allem zu viel.

  • 104

    @ WM

    WULFF zum MONATSLETZTEN
    I
    ch meine, die CAUSA PRÄSIDENTENWULFF wird wie vor 25 Jahren die CAUSA EHRENWORTBARSCHEL recht BÖS ENDEN (http://wernerenke.de) – es muß ja nicht im Schweizer Badezimmer sein sein – und setz mal´n politlyrischen Fünfzeiler ab:

    DER BDP, DER BPD
    WIRD ZEIT WIRD ZEIT
    NUN IST´S SOWEIT
    DASS ER ABGEH´:
    SCHEIDEN TUT WEH;-)

    Richard Albrecht

  • 105
    Jürgen Rützel sagt:

    Meine Fabel: Ich hab den Eindruck aus den Wadenbeissern sind Pinscher geworden deren kläffen immer heiserer wird. Das einzige was mich an unserem Wuffi stört, dass er sich von diesen Pinschern ans Bein pinkeln lies. Vielleicht kann er ja was von Billy-Boy nach Fellatio lernen und wird genauso groß. Das fände ich sehr sympathisch!

  • 106
    Jürgen Rützel sagt:

    Selbsterkenntniss: Ließ kommt von seinlassen oder von lesen? Also sollte ich es seinlassen hier meinen Senf dazuzugeben? Oder wollen wir uns auf die gleiche Stufe wie Herr Freisler stellen und mit Demagogie den Deliquenten ohne Hosenknöpfe vor Gericht erscheinen lassen? Liebe Leute, das wollt ihr doch wohl alle nicht!

  • 107

    Lieber Herr Rützel,
    bei Vergleichen sollte man nicht übers Ziel hinausschießen.

  • 108
    Jürgen Rützel sagt:

    Lieber Herr Michal!
    Danke für den Hinweis! Insbesondere mit Respekt gegenüber den damals Betroffenen und dem Recht auf freie, sachliche Meinungsäußerung ohne Vorverurteilung, nehme ich diesen Vergleich gerne zurück!

  • 109

    Lieber Herr Michal,

    nochmal zur CAUSA WULFF mit der Frage, was Sie heuer meinen nicht zu „den Medien“, sondern zum Herrn BPD-Wulff, der m.E. zweifellos als MP-NS gegens Niedersächsisches Ministergesetz nebst Ausführungsbestimmungen verstoßen hat. In § 5 Absatz 4 Niedersächsisches Ministergesetz heißt es:

    „Die Mitglieder der Landesregierung dürfen, auch nach Beendigung ihres Amtsverhältnisses, keine Belohnungen und Geschenke in Bezug auf ihr Amt annehmen“.

    Im Übrigen möchte ich – ohne FAZ-Fan zu sein – das zitieren, was der neue Feuilletonleiter gestern zum Stand der CAUSA WULFF unterm Aspekt ZU VIEL FRAGEN, zu wenig überzeugende BPD-Antworten so auf den Punkt brachte  http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/causa-wulff-die-partys-sind-nicht-das-problem-11635539.html

    „Es geht um Wahrheit oder Lüge im Amt des Bundespräsidenten. Sagte der Bundespräsident die Wahrheit, als er erklärte, das Geld für seinen Kredit über eine halbe Million Euro komme von Edith Geerkens? Es stellen sich, um dies ermessen zu können, weitere Fragen: Warum hat sie sich nicht im Grundbuch eintragen lassen? Warum wurde das Geld nicht per Überweisung angewiesen, sondern über einen anonymen Bundesbankscheck? Warum verzichtete sie auf jede Sicherheit? Woher hatte Frau Geerkens so viel Geld? In dem Jahr, in dem sie Christian Wulff so umstandslos Kredit gewährte, wollte sie sich, so berichtet „Die Zeit“ online, eine Villa in Florida kaufen und musste sich zu diesem Zweck von ihrem Ehemann eine Million Euro leihen. Sagt der Bundespräsident die Wahrheit, wenn er behauptet, von den guten Beziehungen zwischen Olaf Glaeseker und Manfred Schmidt – die Herren sind Jugendfreunde – nichts gewusst zu haben? Wie passt dies zu dem Titel, den Wulff Glaeseker scherzend verlieh, als er ihn sein „Faktotum“ nannte. Alles macht der Glaeseker für mich, heißt das auf Deutsch. Ein Begriff mit zwei Aspekten: Nichts gibt es, womit man Glaeseker nicht beauftragen kann, und all dies tut er für mich. Die Frage der Wahrheit stellt sich auch zu anderen Punkten, man kann sie gar nicht alle aufzählen. Es sind zu viele.“

    Abschließend meine ich als einer, der die taz-Forderung WULFF MUSS WEG am 231211 mitunterzeichnete, daß der geeignet Zeitpunkt zum Wulffabtritt der letzte Heiligabend, 241211, gewesen wäre. Was seitdem in Sachen BPD-Wulff an bundespräsidialer Peinlichkeit ablief kann man wie die NRW-MP (SPD) mit „mir fehlen die Worte“ kommentieren oder auch mit einem Satz des „Weimarer“ SPD-Intellektuellen Dr. Carlo Mierendorff

    „Er verließ mit einer verächtlichen Gebärde den Schauplatz.“

    Freundliche Grüße
    Richard Albrecht, 050212

  • 110
    Jürgen Rützel sagt:

    @albrecht: Sie bezeichnen sich als gelernter Fachjournalist, der qualifiziertes journalistisches, wissenschaftliches recherieren an Universitäten und Hochschulen lehrt oder gelehrt hat.

    M.E. ist es Aufgabe eines Journalisten Sachverhalte zu recherchieren, daraus Schlüsse zu ziehen oder notwendige Folgen abzuleiten und diese verantwortlich zu kommunizieren. So sehe ich die Blogbeiträge von Herrn Michal; eine politische Einfärbung finde ich dabei vollkommen korrekt!

    Bitte lesen Sie unter dieser Prämisse nochmal ihre Beiträge (102,104,109)

    Sie haben sich auf die Folge: “der Bundespräsident muss weg” festgelegt.

    (102) Dann analysieren Sie die Presse und warum die bisher zu dämlich ist den Präsidenten wegzukegeln und wie man es besser machen könnte!

    Dazu phantasieren sie Sachverhalte, die zu dieser Folge führen könnten:

    Privatkredit extrem günstige Sonderkonditionen (aktuell bekommen sie für Festgeld unter 1% Zins!) Nennen Sie bitte die extrem günstigen Konditonen!
    Im übrigen alles transparent im Internet.

    Dann mutmaßen sie, wie kölschen SPD-Klüngel,
    oder vielleicht das Geldwäsche Gesetz, nach dem Motto unsere Dritte Gewalt ist zu blöd dazu oder könnte was dran sein.

    Als nächstes wird das “berüchtigte öffentlich rechtliche Kopf-und-Kragen Interview”, wie sie es nennen aufgeführt, wo ein unverschämter Bundespräsident zugab, evtl. gegen das Grundgesetz verstoßen zu haben, weil er so naiv war einen Vertreter dieser moralischen Zunft (siehe auch diesen hier) angeblich unter Druck setzte und das auch noch auf dem Anrufbeantworter….(s.o. Kommentar: Michal).
    Weitere Kommentare erspar ich mir hier.

    Zuletzt werden ihm noch 1,8 Mrd Schaden der gierigen Spekulanten vorgeworfen,
    weil er ja als Vorstandsvorsitzender von VW dafür verantwortlich sei.

    Den Rest bezeichnen Sie dann selbst als ungeeignet, um den Präsidenten aufs Kreuz zu legen. Der soll ruhig im Dreck bleiben, um die einfältige Masse bei Laune zu halten.

    (Zu 104) Hier zeichnen sie ein düsteres Scenario (alias Barschel) nach dem Motto, Ich muss in der Öffentlichkeit solche Bilder projizieren, damit meine sich selbsterfüllende Prophezeiung eintritt.

    Dann folgt noch eine geistreiche Lyrik, mit der gleichen Absicht, Verstärkung zu erzielen.

    Dies erinnert mich in starkem Maße an einen Kinderreim aus der NS-Zeit. “Der J… muss weg”, der seinerzeit mit der gleichen Absicht lanciert wurde.

    (zu 109) Jetzt doch ein wenig unsicher geworden ihrer vorherigen forschen Aussagen, erheischen sie die Zustimmung der Blogleitung und geben sich mit causa und Niedersächsischem Ministergesetz nebst Ausführungsbestimmungen einen akademischen Anstrich.

    Jeder juristische Student lernt im Ersten Semester, dass ein Sachverhalt am Gesetz subsummiert werden muß. Sie zitieren einen Gesetzes§ und behaupten dann ganz einfach, dass dagegen zweifellos verstoßen wurde ohne überhaupt einen Sachverhalt zu nennen! Für wie dumm halten sie ihre Mitmenschen?

    Dann zitieren sie einen langen Feuilleton-Beitrag der FAZ (dahinter steckt ja angeblich immer ein kluger Kopf) mit der Absicht Fleisch an ihren manipulatorischen Beitrag zu bekommen. Wenn man keine Argumente hat muss man nur lange genug die gleichen unbewiesenen Phrasen wiederholen, irgendwann bleibt genug dran kleben.

    Dann zitieren sie nochmal ihre Behauptung “muss weg” und das überfällige Verfalldatum des Präsidenten, sprechen von bundespräsidialen Peinlichkeiten, zitieren verächtliche Gebärden, den fehlenden Worten unserer angeblichen honorigen Intellektuellen…. Wo fängt hier Demagogie an?

    (…..) (Beleidigungen werden von mir gelöscht. wm)

  • 111
    Jürgen Rützel sagt:

    ?

  • 112
    Peter Bierwirth sagt:

    Viel ist in der causa Wulff bereits geschrieben, diskutiert und vermutet worden. Dabei ist der Grund für das Scheitern im Amt des Herrn Ch.W. doch ganz offensichtlich: Er hat bisher einfach nicht begriffen (oder begreifen wollen”), dass ein “Volksvertreter” eben nicht so handeln kann, wie es der Umkehrschluss des altbekannten Sprichworts nahelegt: “Quod licet bovi, non licet jovi”. Was beim “einfachen Volk” (“bovi”) noch als lässliche Sünde durchgehen kann, ist bei einem Minister- oder Bundespräsidenten (“jovi)”” eben nicht mehr tragbar. Und aus diesem ganz einfachen Grunde, helfen keine “Erklärungs- oder Vertuschungsversuche”, juristische Rechtfertigungen, mögliches “Hineinwachsen” ins Amt oder sonstige Spitzfindigkeiten der Wulff-Apologeten: Es handelt scih ganz einfach um einen falschem Mann im falschem Amt!

  • 113
    Jürgen Rützel sagt:

    Gegenfrage: Dann war Ihr letzter Bundeskanzler Gerhard Schröder, jetzt Gasprom Monopolverwalter und einer der besten Putin-Freunde (neben blamablen Abgang), der richtige Mann im richtigen Amt? Wir können die Reihe endlos fortschreiben: Müller beim Strommonopolisten und und…

    Die Herrn sind da alle durch redliche Arbeit hingekommen oder gefallen?

    Wer wie Wulff für so eine simple Backsteinhütte 0.5 Mio hinlegt, ist m.E. eher ein naives Bauernopfer, damit die Linke wieder ein wenig mehr Oberwasser bekommt.

    Wir das Volk müssen diesen Zirkus mit einer weiteren lebenslangen Staatrente für die nächste Kröte bezahlen.

    Gott sei Dank hatten wir weise Väter des Grundgesetztes, die eben bestimmt haben, dass dieses Amt nicht durch den aufgehetzten Pöbel gewählt wird, sondern durch die gewählten Volksvertreter. Recht wird im Namen des Volkes gesprochen und nicht durch das Volk und das ist gut so. (frei nach W.)

  • 114

    […] persönlichen Blog ärgerte er sich zuletzt über die mediale Freidreherei in der Wulff-Affaire und analysierte, wie das Netz die Diskussion darüber in den klassischen Medien geprägt […]

  • 115

    […] Klasse von damals keine Chance gehabt, im Amt zu bleiben (ich habe das in der Affäre Wulff ganz ähnlich […]

  • 116

    […] Klasse von damals keine Chance gehabt, im Amt zu bleiben (ich habe das in der Affäre Wulff ganz ähnlich […]